Erst geht der Blick nach Tokio – dann kommt die nächste Ebene

Nationalteams

Nationalspielerin Isabel Schneider hat noch viel vor: „Ich habe immer noch das Gefühl, mich entwickeln zu können.” Der Zug nach Olympia ist auch noch nicht weggefahren.

Aus Bieneck/Schneider wurde Schneider & Friends

So hatte sich Isabel Schneider den Re-Start in eine Wettkampfphase nicht vorgestellt. Aus Hamburg kommend, wo sie in der letzten Woche an einer Sichtung der besten deutschen Abwehrspielerinnen teilgenommen hatte, wollte sie in Düsseldorf bei der Beach-Liga mit Victoria Bieneck als einziges deutsches Nationalteam starten. Doch der Start war holprig aus Isabel Schneiders Perspektive: „Tori war mit einer leichten Muskelverhärtung angereist. Leider wurde es am ersten Tag schlimmer, weshalb wir entschieden haben, dass sie sich erst mal darum kümmert”, sagt Isabel Schneider und weiter: „Wer Tori kennt, weiß, dass sie das gern durchgezogen hätte. Aber sicher ist es besser, das erst mal in Hamburg auszukurieren.”

Seither bestreitet Isabel Schneider die Tage im Schatten des Düsseldorfer Fußball-Stadions, wo am vergangenen Samstag parallel ein Geisterspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund stattfand, mit wechselnden Partnerinnen und wird inzwischen als Team „Schneider & Friends” gelistet: Erst mit Silke Schrieverhoff, dann mit Sandra Ittlinger, mit Tatjana Zautys und letztlich mit Anna-Lena Grüne. Sandra Ittlinger, ebenfalls Nationalspielerin und Sichtungs-Teilnehmerin, hatte von ihrem Trainerteam die Erlaubnis für drei Spieltage bekommen, Tatjana Zautys fiel mit einer Knieverletzung aus, nun also Grüne.

Isabel Schneider konnte am Donnerstag eine erste Zwischenbilanz ziehen: „Ich habe jetzt schon mehr Spiele als 2018 in Fort Lauderdale bei der World Tour, wo wir nach neun Spielen in fünf Tagen, von der Quali bis zum Spiel um Platz drei, als Viertplatzierte mit dem Turnier fertig waren. Hier habe ich nach sechs Tagen schon zwölf Spiele gemacht, aber das Turnier ist noch lange nicht vorbei.” Über das Format wird viel diskutiert, sagt Schneider: „Es steckt noch in den Kinderschuhen, vielleicht ist es mal was für die Winterzeit.”

Der Fokus liegt auf der Perspektive für die nächsten Jahre

Bei der 29-Jährigen liegt der Fokus ohnehin auf einem anderen Thema und der wurde für alle Sichtungsteilnehmerinnen in Hamburg klar definiert. Es ging um eine Perspektivermittlung für die Olympia-Zyklen bis 2024 und 2028. Für Isabel Schneider bedeutet das: Als Nummer fünf der deutschen Rangliste, Nummer 27 der Weltrangliste und Nummer 17 des Olympia-Rankings haben Bieneck/Schneider immer noch ihr großes Ziel vor Augen. „Tokio 2021 ist immer noch drin.” Vor ihnen liegen Borger/Sude und Ludwig/Kozuch, aber wer weiß, was in den kommenden zwölf Monaten noch passiert.

Isabel Schneider betrachtet die Sichtung aus verschiedenen Ebenen: „Aus meiner Sicht habe ich eine Perspektive, sonst wäre ich nicht dahin gegangen.” Sie versteht den Verband, der in Tokio erfolgreich sein will, sich aber auch schon auf Paris vorbereiten muss und sagt sich: „Ich werde erst mal weiter auf dem Zug nach Tokio fahren und danach schauen, ob ich auch auf den nächsten Zug aufspringen werde.” Das hängt natürlich auch von ihrem persönlichen Befinden ab.

Mit Victoria Bieneck war sie eins der ersten Teams, das 2017 an den Olympiastützpunkt in der Hansestadt gewechselt ist. „In Hamburg habe ich das erste Mal in einem richtig professionellen Umfeld gearbeitet und Fortschritte gemacht und Ergebnisse erreicht”, sagt sie. Auch wenn der Weg mitunter holprig war. Erster Trainer des Duos Bieneck/Schneider war Imornefe Morph Bowes. „Wir hatten mit Morph zwei extrem gute Jahre und 2018 auch unsere bisher beste Saison.”

In der Folgesaison 2019 lief es nicht so gut und sie hatten das Gefühl, sich ein bisschen festgefahren zu haben und nicht wirklich weiter zu kommen. „Wir haben auf dem Court nicht das gezeigt, was im Training geklappt hat und unter unser aller Erwartungen gespielt”, sagt sie, „auch unter denen von Morph.” Eine Konsequenz war gefragt: „Im Endeffekt passte es nicht mehr, um aus der Krise herauszukommen und wir haben uns zu dem Schritt entschieden, auch wenn es ein großer Einschnitt war.” Zum Trainerteam gehören jetzt Fabian Tobias, Helke Claasen und Olympiasiegerin und Weltmeisterin Kira Walkenhorst sowie Athletiktrainer David Schussmüller.

Die Sichtung als Motivationsschub

Im Juni 2020 sieht sich Isabel Schneider noch lange nicht am Ende des Weges: „Ich habe immer noch das Gefühl, mich entwickeln zu können. Mein Körper muss natürlich den Hochleistungssport mitmachen. Bisher klappt das gut. Aber das wird ein Faktor sein für die Jahre nach Tokio, ob er auf dem Level mitzieht. Aktuell fühle ich mich sehr gut, weshalb meine Bereitschaft hoch ist.” Die Sichtung hat ihr einen weiteren Schub gegeben. „Mir hat das viel Spaß gemacht, mit den Mädels, aber auch gegen die Mädels zu trainieren und sich zu messen. Für alle ging es ja um eine gute Präsentation. Für jede wurde sich individuell durch Einzelgespräche Zeit genommen. Das habe ich als sehr wertvoll empfunden.”

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