FIVB World Tour startet ohne Frauen

FIVB World Tour 2016

Zum ersten Mal findet ein Beach-Volleyball-Turnier der Weltserie im Iran statt - allerdings nur für Männer. Die Frage ist, ob das Kisch Open einen Beitrag zu einer Öffnung des Iran beitragen kann. Oder ob die FIVB das Turnier lieber nicht in ein Land hätte geben sollen, das derzeit so weit von Gleichberechtigung entfernt ist.

Aktualisiert um 12.15

Premiere im Iran steht in der Kritik

Zum ersten Mal hat die Fédération Internationale de Volleyball (FIVB) ein Turnier der Beach-Volleyball-Weltserie an den Iran vergeben. Nach der Qualifikation am Montag baggern von Dienstag bis Freitag 32 Teams auf der knapp 92 Quadratkilometer großen Insel Kisch im Persischen Golf um 75.000 US-Dollar Preisgeld, der Sieger erhält zudem 500 Weltranglistenpunkte. Nationalspieler Markus Böckermann und Lars Flüggen sind topgesetzt, Stefan Windscheif und Sebastian Fuchs starten mit Setzplatz 13 in das Turnier. „Ich bin gespannt, was uns auf Kisch erwartet“, sagt Böckermann.

Die Insel gilt als das Mallorca des Iran und hat sich, auch weil sie Freihandelszone ist, zu einem Shoppingparadies für Touristen entwickelt. „Von einer Partyinsel ist Kisch aber weit entfernt“, sagt der österreichische Nationalspieler Alexander Huber. Kartenspielen sei in der Öffentlichkeit verboten und als er mit seinem Handy im Hotel filmte, wurde er sofort ermahnt: „No video.“ 

Seit 2012 dürfen Frauen nicht mehr beim Volleyball zuschauen

Das Verbot von Glücksspiel oder Alkohol ist eine Sache, die fehlende Gleichberechtigung sorgt allerdings für Kritik. Genau wie beim Open in Doha (4. - 8. April) dürfen beim Kisch Island Open nur Männer teilnehmen. „Das ist ungerecht“, findet Karla Borger, WM-Zweite von 2013. So können die Männer bei 13, die Frauen nur noch bei elf Turnieren Punkte für die Olympiaqualifikation sammeln. Der Ausschluss von Frauen geht allerdings weit über das Spielfeld hinaus. Seit der Revolution 1979 dürfen Frauen nicht mehr bei Fußballspielen zuschauen, 2012 wurde dieses Verbot auf den Volleyball ausgeweitet.

2014 wurde eine Iranerin zu einer Haftstrafe verurteilt, nachdem sie ein Spiel der Hallen-Volleyballer besuchen wollte. Bei der World-League 2015 in Teheran durften Frauen keine Tickets kaufen. Im November 2015 versprach die FIVB, keine Turniere mehr in den Iran zu vergeben, bis die Verbannung von Frauen aus den Sportstadien offiziell aufgehoben würde. „Eine Grundvoraussetzung für die Vergabe des Turniers nach Kisch Island war, dass Menschen aller Geschlechter und Altersgruppen zusehen dürfen“, begründete FIVB-Pressesprecher Richard Baker die Entscheidung gegenüber beach-volleyball.de. „Wir gehen davon aus, dass das auch passiert.“

Restriktionen haben nichts mir iranischer Tradition zu tun

Vor Ort scheinen die Bedingungen für Frauen allerdings schwierig zu sein. „Wir haben hier am Mens Beach trainiert, dort habe ich noch keine Frauen gesehen“, sagte Beach-Profi Alexander Huber, als er am Samstag auf der Insel trainierte. An diesen Strand gelangte man zunächst nur durch einen bewachten Eingang. Eine Bekannte, die bei seinem Training zusehen wollte, wurde zunächst nicht zugelassen, weil sie nicht ausreichend verhüllt war. Bei der Qualifikation am Montag war das vorher eingezäunte Gelände an den Nebencourts zum ersten Mal frei betretbar, Markus Böckermann und Lars Flüggen konnten am Center Court weibliche Zuschauerinnen ausmachen. "Ich denke, dass es Einheimische waren", sagt Böckermann. "Eine gute Entwicklung, wir wir finden." 

Im Iran sind die Restriktionen nicht aus Tradition gewachsen. In den 60er Jahren konnten Frauen im Bikini ins Meer springen – in aller Öffentlichkeit – und nicht an einem eingezäunten Strandabschnitt wie heutzutage auf Kisch. „Man muss vollkommen unterscheiden zwischen der offiziellen, politisch bedingten und der wirklichen Seite“, sagt Kaweh Niroomand. Der 63-jährige Geschäftsführer des Volleyball-Bundesligisten BR Volleys ist im Iran aufgewachsen. „Eigentlich sind viele Menschen sehr fortschrittlich und offen“, sagt er.

Beach-Volleyball soll so populär werden wie Hallen-Volleyball

So seien viele Iraner daran interessiert, eine Öffnung des Landes herbeizuführen. Zu diesen Verfechtern gehört auch Reza Davarzani. Der Präsident des iranischen Volleyball-Verbandes hat viel investiert, um das Beach-Volleyball-Event nach Kisch zu holen. „Wir wollen, dass Beach-Volleyball hier genauso populär wird wie Volleyball“, sagt Luciano Barbora, Trainer der iranischen Nationalteams. Acht iranische Duos nehmen am Kisch Island Open teil, vier sind im Hauptfeld gesetzt. Das ist nur möglich, weil die Organisatoren grundsätzlich Wild Cards von der FIVB erhalten – eine Maßnahme, um den Sport auch in Ländern zu fördern, in denen Beach-Volleyball noch nicht so populär ist.  „Wir wollen dem Sport hier die Tür öffnen, um ihn den Menschen zu zeigen“, sagt Barbora. Bleibt zu hoffen, dass damit alle Menschen gemeint sind.

> Alle Infos zum ersten Beach-Turnier im Iran findet ihr hier

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