Garantien auf Olympia-Gold gibt es auch nicht für die Besten

Nachwuchs

Lukas Pfretzschner hat als angehender Beach-Volleyball-Profi noch viel vor. Und er weiß, dass es für die Erfüllung seines Ziels viel auf Eigeninitiative und Willenskraft ankommt.

Die Entscheidung für die Karriere im Sand steht – der Cut ist gemacht

„Gestatten, Lukas Pfretzschner, Beach-Volleyball-Profi.” Klingt doch gut, sagt Lukas Pfretzschner, so würde er sich nämlich gern in Zukunft vorstellen wollen, wenn er in der Welt der Outdoorspezialisten unterwegs ist. Denn das ist sein Ziel: „Mit dem, was ich wirklich liebe, meinen Lebensunterhalt bestreiten und vielleicht mal eine Familie ernähren zu können.” Also das Hobby zum Beruf zu machen. Was für eine schöne Vorstellung. Für die natürlich viel getan werden muss. Lukas Pfretzschner hat sich für diesen Weg entscheiden.

Seit zweieinhalb Jahren lebt er am Bundesstützpunkt in Berlin, ist dort im Internat untergebracht, im Frühjahr macht er das Abitur, danach führt ihn im Idealfall der Weg an den Olympiastützpunkt in Hamburg, um die Förderung als Nationalspieler zu erhalten. Für Lukas Pfretzschner steht diese Planung seit längerem fest: „Ende 2018 habe ich mich für eine Karriere im Sand entschieden. Ich wollte nach dem Erstligaprojekt in der Halle mit dem VC Olympia Berlin einen Cut machen.” Zuvor gab es viele Gespräche mit den Trainern am Stützpunkt und DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand, „die ich sehr wertvoll fand, weil ich das Gefühl hatte, als Athlet ernst genommen zu werden.”

Dauer-Muskelkater in den ersten Wochen und Monaten

Wie im Grunde bei allen Talenten, die mit 16, 17 Jahren vor die Entscheidung gestellt werden, einen Platz im Berliner Stützpunkt anzunehmen, ist es ihm nicht leicht gefallen. „Mit 17 von der Familie wegzugehen, ist ja schon ungewöhnlich.” Aufgewachsen ist Lukas Pfretzschner in Karlsfeld am nordwestlichen Rand von München, rund fünf Kilometer weg von Dachau, wo er sieben Jahre für den ASV gespielt hat. Über den Weg der verschiedenen Auswahlmannschaften kam er schließlich in die Hauptstadt. „Die ersten Nächte waren etwas schwierig, weil alles neu ist.”

Im ersten halben Jahr ist er fast täglich mit Muskelkater aufgewacht. Um acht Uhr morgens beginnt der Tag mit anderthalb Stunden Training, um 09:50 Uhr sitzt er in der Schule und „in den ersten zwei Stunden oft mit verschlafenen Augen.” Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt, der Rhythmus ist in Fleisch und Blut eingegangen. „Ich wollte das ja auch so haben”, sagt er. Und dass er immer im Hinterkopf hat, wofür er diesen Aufwand betreibt: „Weil ich meine Passion für diesen Sport spüre und immer viel zurück bekomme.” Dieser Weg ist so anders als der vieler Neunzehnjähriger. Aber er vermisst nichts: „Ich treffe mich auch mit Freunden, kann mit denen auch mal ein Bier trinken, aber natürlich nicht so oft und viel wie andere. Aber mir fehlt in meinem Leben nichts.”

Zu seinem Wohlgefühl trägt auch die sportliche Entwicklung bei. Mit 16 hatte er seinen ersten internationalen Auftritt: „Überraschenderweise wurde ich mit Robin Sowa für die U-18-Europameisterschaft nominiert und dann haben wir das Ding auch gleich noch gewonnen.” 2017 durfte er mit Julius Thole an der U-21-Weltmeisterschaft in Nanjing (China) teilnehmen, weil sich Sven Winter verletzt hatte. Pfretzschner/Thole wurden Neunte: „Das hat so mega viel Spaß gemacht, seitdem habe ich mich immer mehr an Beach-Volleyball herangetastet.” Im Jahr darauf entschied er sich endgültig, alles auf die Karte Sand zu setzen.

Im vergangenen Jahr wurde er vom Verband wieder mit Robin Sowa an seiner Seite ins Rennen geschickt. Fünfte Plätze bei der Techniker Beach Tour in Münster, Düsseldorf, Nürnberg und Zinnowitz, Neunter in Kühlungsborn und bei den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand waren die Ausbeute auf nationaler Ebene. International durften sie an ein paar Turnieren der World Tour starten und wurden zudem Zweite bei der U-22-EM und Fünfte bei der U-21-WM. Im Sommer 2020 wollen und sollen sie noch mehr Erfahrung auf internationaler Ebene sammeln, so die Vorstellungen des Verbandes.

Maximale Unterstützung auch für den kleinen Bruder

Dafür ist auch wieder eigenverantwortliches Handeln gefragt, um im Konzert der Besten nicht an die Wand gespielt zu werden. Reisen, Trainingskonstellationen und Sponsorenakquise müssen geplant und realisiert werden. Lukas Pfretzschner freut sich darauf: „Ich mag dieses Gefühl, selbst etwas auf die Beine gestellt zu haben, und das wird von dir im Beach-Volleyball immer wieder verlangt. In der Halle gibt es vom Trainer einen Plan für das nächste Wochenende und danach agierst Du. Hier kommt viel mehr Eigeninitiative dazu, was ich sehr wertvoll finde für die eigene Entwicklung.”

In Berlin, so sagt er, seien sie Athleten, die bei einer richtig vollen Woche mehr als zwanzig Stunden trainieren und dann kommen noch Schule oder Studium und Sponsorensuche und Vermarktungsaufgaben hinzu. Da kommt es ihnen entgegen, „dass wir hier bei maximaler Unterstützung bestens aufgehoben sind.” Pfretzschner hat kein Problem, ein Loblied auf die Förderung zu singen: „Ich sehe ja auch, was mit meinem Bruder hier passiert.” Simon Pfretzschner lebt ebenfalls auf dem Stützpunktgelände in Hohenschönhausen, ist jedoch seit Monaten wegen einer Knieverletzung gehandicapt, „aber er wurde nie fallen gelassen”, weiß der ältere Bruder.

Garantien für Olympia-Gold gibt es auch nicht für die Besten

Es ist schon eine ungewöhnliche Konstellation, dass zwei Jungs aus dem gleichen Elternhaus in Berlin gelandet sind und beide auf Beach-Volleyball setzen. Gut denkbar, dass sie sich eines Tages mal bei einem Turnierfinale gegenüberstehen. „Natürlich will man gegen seinen Bruder noch viel mehr gewinnen als gegen andere”, sagt Lukas Pfretzschner. Und weiter: „Simon hat sich immer nach oben geboxt und ich ein bisschen nach unten getreten. Jetzt verschiebt sich das gerade ein wenig, er ist mittlerweile stärker und haut schon irre Aufschläge übers Netz.”

Aber am Ende bleiben sie trotz der gewissen Konkurrenz Brüder und sehen sich gemeinsam unterwegs auf dem gleichen Weg. Simon träumt von Olympia-Gold, Lukas definiert seine Ziele anders: „Robin und ich wollen auch alles dafür tun, um dahin zu kommen. Aber Olympia-Gold zu gewinnen hängt von so vielen Faktoren ab. Selbst wenn man der Beste der Welt ist, garantiert das kein Olympia-Gold.” Erst mal Profi werden, das ist schon ein großer Schritt. Und demnächst mal sagen zu können: „Gestatten, Lukas Pfretzschner, Beach-Volleyball-Profi.”

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