"Graz soll ein Neuanfang werden"

Interview Stefan Uhmann

Stefan Uhmann, lange Zeit der "Bad Boy" der Beach-Volleyball Szene, äußert sich zum ersten Mal seit seiner Dopingsperre öffentlich. In einem Gespräch mit beach-volleyball.de blickt er auf seine Vergangenheit zurück, blickt aber auch optimistisch in die Zukunft. Er erklärt, warum die zweijährige Dopingsperre für ihn im Nachhinein auch positive Effekte hatte...

Hallo Stefan! Wie geht es dir?

Stefan Uhmann: "Danke, mir geht es gesundheitlich gesehen sehr gut. Aus sportlicher Sicht natürlich nicht..."

Ich nehme mal an, das hat mit deiner Dopingsperre zu tun, die du ja noch immer aussitzen musst?

"Ja, natürlich. Mir fehlt das Volleyballspielen schon sehr. Ich hab zwar in der Zeit viel Sport gemacht, aber wenn man keinen Wettkampf bestreiten kann, fehlt einfach was. Das ganze Adrenalin kann man nur in einem richtigen Spiel erleben."

Du sagst, dir fehlt der Volleyball. Warum hast du dann nicht wenigstens mal bei einem Turnier der deutschen Serie vorbei geschaut?

(überlegt) "Naja, das wollte ich ja eigentlich auch. Aber wenn ich andere dann auf dem Centre Court spielen sehe und weiß, dass ich da nicht spielen darf, dann könnte ich heulen. Das habe ich mir dann nicht angetan."

Du wurdest von der Nationalen Anti-Doping Agentur wegen des Konsums von THC (Tetrahydrocannabinol, physiologisch hauptsächlich wirksamer Bestandteil des Cannabis) zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. Das hat im Jahr 2009 in der Beachszene große Diskussionen losgetreten. Dein damaliger Partner konnte wegen dir nicht an der Deutschen Meisterschaft am Timmendorfer Strand teilnehmen. Wie hast du diese Momente alle empfunden?

"Als ich damals einen Anruf vom DVV (Deutscher Volleyball-Verband, Anm. d. Red.) bekommen habe, wusste ich sofort, was los war. Ich habe es schon geahnt und mich daraufhin relativ schnell zurückgezogen. Ich hatte keinen Bock auf das ganze Gelaber der anderen Spieler. Ich habe relativ oft gekifft und wusste ja, dass ich Mist gebaut habe. Und irgendwann musste es ja mal schief gehen."

Und bist du jetzt "clean"?

"Ja, seit über einem Jahr habe ich nichts mehr geraucht. Außer Zigaretten natürlich (schmunzelt)."

Hast du dich trotzdem, gerade vom DVV, damals unfair behandelt gefühlt?

"Nein, ganz und gar nicht. Ray (Raimund Wenning, Beach-Volleyball Koordinator beim DVV, Anm. d. Red.) hat mich damals die ganze Zeit über unterstützt, hat viel für mich gemacht. Und dann hab ich Mist gebaut. Daher war die Strafe absolut gerechtfertigt. Und wahrscheinlich kam sie für mich auch zur genau richtigen Zeit."

Wie meinst du das?

"Ich habe auf jeden Fall daraus gelernt. Ich habe meinen Schulabschluss nachgeholt. Seit zwei Monaten mache ich meinen Realschulabschluss über eine Fernschule. Der Sport soll später dann zwar wieder im Vordergrund stehen, aber ich habe jetzt wenigstens einen richtigen Rückhalt."

Du sprichst von einem neuen, richtigen Rückhalt. Wie stellst du dir deine Zukunft denn vor?

"Ich wohne jetzt in Graz in Österreich. Hier trainiere ich wieder regelmäßig in einem Volleyball-Verein mit. Das soll für mich ein richtiger Neuanfang werden. In Deutschland würde ich es durch meine ganze Vorgeschichte schwer haben. Hier kann ich in Ruhe was aufbauen, hoffentlich."

Und werden wir dich dann wieder auf der deutschen Tour sehen?

"Ich denke schon, aber wahrscheinlich noch nicht in diesem Jahr. Aber ich freue mich schon riesig darauf, auch die ganzen Leute endlich wieder zu sehen! Schon wenn ich jetzt daran denke, kribbelt in mir alles (lacht)."

Stefan, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast. Für die Zukunft wünschen wir dir alles Gute!

"Danke."


Der 2,12m große Stefan Uhmann galt lange Zeit als der talentierteste Blockspieler Deutschlands. Mit gerade einmal 20 Jahren stand er schon im Finale bei den Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand (2006 mit Florian Huth). Im Jahr 2008 gewann er zusammen mit Kay Matysik drei Turniere der CEV-Europaserie in Folge sowie im Anschluss eine Silbermedaille bei den Europameisterschaften. Als Spieler der nationalen Beach Tour war Uhmann beim Turnier in Zinnowitz Anfang Juli 2009 mit einer gemäß NADA Code unzulässigen Konzentration von Carboxy-THC (THC = Tetrahydrocannabinol, physiologisch hauptsächlich wirksamer Bestandteil des Cannabis) in der A-Probe getestet worden. Daraufhin wurde der heute 25-jährige für zwei Jahre gesperrt.

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