Gute Ausbeute: Alle deutschen Frauen-Teams noch im Rennen

WM 2019

Die Frauenduos haben die Vorrunde der Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft in Hamburg abgeschlossen. Welches Fazit sich nach der Gruppenphase ziehen lässt, haben wir DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand gefragt.

„As we would say in german: Vollgas geben.”

Es erinnerte ein wenig an Roman Weidenfeller, früherer Torwart beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, der mal in einem TV-Interview seine Englisch-Kenntnisse erahnen ließ, als er sagte: „I think we have a grandios Saison gespielt.” Karla Borger suchte auch nach einer passenden Übersetzung, als sie in der Mixed-Zone nach den Planungen für das nächste Spiel befragt wurde: „As we would say in german: Vollgas geben.” Klar, was anderes wäre auch fatal, denn jetzt, so Borgers Partnerin Julia Sude, „geht die WM ja erst richtig los”.

So empfindet es auch Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beach beim Deutschen Volleyball-Verband. Nach Abschluss aller Pool-Matches ist er nicht mit allen Ergebnissen zufrieden: „In der Masse haben wir gute Resultate, aber wir haben eben auch schlechte dabei.” Erst einmal ist ein Schritt geschafft. Alle sechs gestarteten deutschen Frauen-Teams sind noch im Wettbewerb. Direkt qualifiziert für die 1. K.o.-Runde sind fünf: Zwei als Poolsieger (Borger/Sude und Kozuch/Ludwig), eins als Zweite (Ittlinger/Laboureur) sowie zwei als Drittplatzierte (Bieneck/Schneider, Behrens/Tillmann). Nur eins – Körtzinger/Schneider – muss am Dienstagabend in die Runde der Lucky Loser.

Behrens/Tillmann

Das Abschneiden von Kim Behrens und Cinja Tillmann kommt für den Sportdirektor plangemäß: „Sie spielen das, was sie können. Gegen schlechtere Teams kommen sie klar. Gegen stärkere Gegner fehlt es an Abschlaghöhe und Abschlagwinkel, um Punkte zu machen, die man machen müsste.” Mit dem letzten Spiel gegen die Kanadierinnen Bansley/Wilkerson (1:2) machten sie die Teilnahme an der 1. K.o.-Runde sicher.

Körtzinger/Schneider

Als Dritte aus dem Pool kamen auch Leonie Körtzinger und Sarah Schneider, müssen aber am Dienstag abend in die Runde der Lucky Loser. „Sie verkaufen sich hier gut, halten gut mit und auch wenn sie nicht viel gewinnen, gehen sie positiv in die Aktionen rein”, sagt Hildebrand. Dass ihnen viele Fehler unterlaufen, sei normal: „Sie sind zum ersten Mal auf einer solchen Bühne präsent.”

Ittlinger/Laboureur

Was auch für Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur gilt. Deren Coach Kay Matysik erinnert sich an seine eigene erste WM-Teilnahme 2009 in Stavanger, an seiner Seite spielte Jonathan Erdmann: „Wir sind nach der Vorrunde als Gruppendritter ausgeschieden, am Ende war es Rang 33.”

So eine Premiere kann eben auch in die Hose gehen, umso erfreuter ist er über die Auftritte seiner Schützlinge: „Gestartet mit zwei Siegen, das war aller Ehren wert.” Im letzten Spiel gegen die Italienerinnen Menegatti/Orsi Toth vermisste er „den letzten Kick an Leichtigkeit und Lust und Stimmung, der Dich zum Ziel bringt.” Hildebrand sah es ähnlich: „Das war der erste echte Gradmesser. Ich hoffe, dass sie im nächsten Spiel wieder mehr Selbstbewusstsein zeigen.”

Bieneck/Schneider

„Leider enttäuschend, dass der Knoten noch nicht geplatzt ist.” Das ist Hildebrands Zwischenbilanz zu den Auftritten von Victoria Bieneck und Isabel Schneider. Im letzten Jahr immer mit Top-Ten-Ergebnissen aus Vier-Sterne-Turnieren herausgekommen. Bei der WM wieder zwei Mal knapp verloren, „da stagniert die Entwicklung der beiden.” Zuletzt hatte er gute Ansätze gesehen, doch Bieneck/Schneider schafften es damit allein nicht bis zu Siegen.

Kozuch/Ludwig

Einen deutlichen Trend nach oben attestiert der Sportdirektor dem Duo Kozuch/Ludwig. Eine klar erkennbare Weiterentwicklung spürt er bei den Hamburgerinnen, „die unter Wettkampfstress besser geworden sind”. Die ersten beiden Spiele haben sie gegen die Nummer neun und zwölf der Weltrangliste bestritten, „also gegen Gegner, auf deren Niveau wir sie für Tokio sehen wollen.” Doch Schwachstellen bleiben unverkennbar. 

Wenn sich die Konkurrenz auf Kozuch eingeschossen hat und sie anfängt zu wackeln, fehlen der 336-fachen Hallen-Nationalspielerin Lösungswege, um sich von dem Druck zu befreien. Laura Ludwig spürt das, versucht zu helfen, greift aber auch mal daneben: „Wann hat man mal von Laura Ludwig, die in der Abwehr wieder Weltklasse ist, gesehen, dass ein Aufschlag vier Meter hinter der Grundlinie landet?”, fragt sich Hildebrand. Am Ende reichte es zum Poolsieg, was ihnen Mut machen sollte.

Borger/Sude

Ohne Aussetzer präsentierten sich bislang Karla Borger und Julia Sude. In den ersten beiden Spielen noch nicht richtig gefordert, zeigten sie, als es gegen Klineman/Ross aus den USA um den Platz eins im Pool ging, eine starke Leistung. Natürlich hatte Trainer Burkard Sude einen kleinen Kritikpunkt: „Satz zwei mussten sie nicht verlieren, denn oft geht dann auch Satz drei weg. Aber gerade da haben sie sich stark gezeigt.”

Vor allem Julia Sudes Blockleistung gegen die 1,93 Meter große Alix Klineman lobte der Papa: „Sie hat eine enorme Abschlaghöhe, aber Julia war sehr oft zumindest am Ball dran.” Lob kam auch vom Sportdirektor: „Sie präsentieren sich selbstbewusst und leben massiv von ihrer Erfahrung. Ich bin überzeugt, dass sie weit kommen werden.” Am Ende sei es auch für die gesamte WM wichtig, ein deutsches Team lange im Turnier zu haben, denn das wäre für alle sensationell.

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