"Ich fange wieder mit Baggern und Pritschen an"

Interview mit Melanie Gernert

Melanie Gernert, 23, darf diese Woche nach einer Schulter-OP wieder an den Ball. Im Gespräch mit beach-volleyball.de verrät sie ihre Pläne für ihre achte Saison auf der deutschen Tour und auch warum sie einen derart großen Partner-Verschleiß hat...

Hallo Melli! Wie geht es dir jetzt nach deiner Schulter-OP?

Melanie Gernert: "Gut! Ich darf diese Woche wieder an den Ball (lacht). Ich wurde recht kurzfristig in einer Hau-Ruck-Aktion am 28. Dezember operiert. Man wusste immer nicht, was mit meiner Schulter los war, bis Herr Labs, Vater der Beacherin Sophie Labs, Facharzt für Orthopädie, mich untersucht hat. Er hat festgestellt, dass ich eine Zyste in der Schulter habe, die auf einen Nerv drückt und somit Folgeerscheinungen auslöst. Die Zyste ist jetzt weg. Ich musste acht Wochen Pause machen, habe aber schon Krafttraining für die Schulter gemacht. Jetzt fange ich wieder mit Baggern und Pritschen an – zurück in die Kindheit (lacht)."

Was meinst du, wann wirst du dich wieder so sorglos nach dem Ball werfen können, wie wir das von dir kennen?

"Ich hoffe, bald. Die Angst geht weg, wenn die Schmerzen weg sind. Ich hoffe, dass das schnell vonstatten geht. Die Kraft in der Schulter fehlt mir natürlich noch, aber ich mache Muskelaufbau und bin zuversichtlich, dass das alles fix gehen wird. Die Saison naht ja auch. Wenn man im Mai diese Zyste entdeckt hätte, wäre das viel ärgerlicher gewesen."

Die Saison naht...Welche Pläne habt ihr, wie geht ihr die Saison an?

"Mit Kira als Partnerin sind wir nun beide junge Athletinnen, die natürlich auch internationale Luft schnuppern wollen. Zwei CEV-Turniere stehen bisher fest, und diese wollen wir auch spielen. Dafür haben wir auch eine Reisegruppe gebildet (grinst). Die deutschen Turniere wollen wir natürlich auch spielen. Wie das mit der Weltserie wird, müssen wir schauen, was passiert. Zudem ist Kira mit ihren 20 Jahren noch für die internationalen Nachwuchsmeisterschaften interessant. Ich bin schon ein alter Hase (grinst), werde schon langsam älter, Kira ist der Jungspund (lacht)."

Reisegruppe?

"Ja. Damit man nicht immer alleine durch die Gegend reist, haben wir uns mit dem Männer-Team Dittelbach/Drößler zusammengeschlossen. Wir werden Flüge zusammen buchen, zusammen reisen. Das macht mehr Spaß als allein. Mal sehen, wie das genau in der Umsetzung aussieht."

Du bist ja als "Sandfloh" in der Szene bekannt. Kriegst viele Bälle in der Abwehr und spielst mit Händchen und Köpfchen. Was ist dir eigentlich lieber: Ein Strandturnier oder ein Stadtturnier?

"Hmm, ich will mich da nicht festlegen. Jedes Turnier hat etwas für sich. Am Strand hat man mehr Wind, man muss mitdenken, es ist ein Denksport. Ich spiele gern mit Wind (schmunzelt). In der Stadt gibt es oft 'Halleneffekte' – der Sand ist fester, aber auch das macht Spaß."

Hast du für die Freizeit-Sportler einen Tipp, was das Spielen im Wind angeht?

"Man hört oft die Devise 'Immer nur rüber, der Gegner soll mit dem Ball klarkommen'. Man kann dieser Devise eine Weile nachgehen, aber wenn der Gegner sich auch immer mehr einfuchst, kommt man nicht weiter. Ich würde sagen, beweglich stehen, schnell reagieren, flach spielen. Der Angriff muss nicht druckvoll rüber, man muss nicht die ganze Schulter in den Ball 'reinlegen', sondern platziert und gekonnt in den Wind spielen. Der Gegner kann dannn die Ballflugkurve schlecht berechnen. Letztlich ist das viel effektiver."

Zurück zu dir und Kira: Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist Kira Walkenhorst deine 20. Partnerin seit du auf der Tour spielst, also seit 2004. So viele unterschiedliche Partnerinnen – das ist aber Rekordverdächtig!

"Anscheinend hält man es mit mir nicht lange aus (lacht). Ich hatte mit Stephanie Kestner damals angefangen, aber sie hatte sich den Fuß verletzt. In der Saison habe ich dann bestimmt mit sieben Partnern gespielt. Das hat bestimmt meinen Schnitt in die Höhe geschossen (lacht)."

Aber ab 2008 mit Maria Wendisch, dann mit Tatjana Zautys und zuletzt mit Hella Jurich ging es dann richtig ab?

"Ja, wir gleich 2008 den Cup in Binz gewonnen. Mit Tati und Hella konnte ich auch gut spielen. Ich habe mich mit den beiden dann wirklich warm gespielt. Ich hoffe, dass das dieses Jahr mit Kira auch so weitergeht. Von Jahr zu Jahr hatte ich mehr dazugelernt, vielleicht auch durch die vielen verschiedenen Partner (schmunzelt). Jeder konnte mir etwas Neues sagen."

Was macht Kira aus? Du hast ja viele Vergleichswerte ;-)?

"Naja, man vergleicht ja nicht die Partner. Jeder hat etwas Besonderes. Der Grund, warum ich mit Kira spiele ist, weil sie noch so jung ist und talentiert und wahnsinnig gutes Händchen im Block hat. Händchen kann man wohl eher nicht sagen – sie hat Riesenhände (lacht)."

Wie sieht eure Vorbereitung aus?

"Wenn ich nicht an meiner Schulter laboriere, mache ich drei Mal in der Woche Krafttraining, montags, mittwochs und freitags gleich um 8 Uhr für jeweils zwei Stunden. Jetzt kommt auch jeden Tag das Balltraining dazu hier in Berlin mit Elmar (Harbrecht, U20/U21-Nachwuchsbundestrainer, Anm. d. Red.) und Leo (Waligora, Olympiastützpunkttrainer in Berlin, Anm. d. Red.). Kira spielt noch in der Halle und kommt relativ spät da 'raus, aber dann werden wir uns fix zusammenfinden und zusammen trainieren."   

Dein größter Wunsch für die Saison?

"Natürlich, dass die Schulter durchhält. Und dann wünsche ich mir eine kleine Leistungssteigerung zum Vorjahr, persönliche Fortschritte sind wichtig. Letztes Jahr bin ich mit Hella Fünfte bei den Deutschen Meisterschaften geworden. Jeder Sportler wünscht sich natürlich jedes Jahr ein Treppchen höher zu kommen..."

Melli, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in der Vorbereitung und in der Saison 2011!

 

Melanie Gernert, in Forst (bei Cottbus) geboren, lebt seit 2010 in Berlin. Sie ist Sportsoldatin und mit 1,77 Metern Körperlänge prädestiniert für die Abwehrarbeit. Sie ist bekannt für ihre Flugeinlagen im Sand und ihren unermüdlichen Kampf um jeden Ball. Letztes Jahr stand sie mit Hella Jurich vier Mal auf dem Treppchen (Norderney Platz 1, Fehmarn Platz 2, St. Peter- Ording und Leipzig Platz 3) und schloss die Saison auf einem guten sechsten Platz in der deutschen Rangliste ab.

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