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Beach International

Trainer und Trainerinnen fliegen im Beach-Volleyball oft unter dem Radar. Die Coach-Gewerkschaft IBVCA arbeitet daran, das zu ändern.

Ein veraltetes Bild

Ferntraining ist Christoph Dieckmann gewohnt. “Auch sonst stehe ich nicht jeden Tag auf dem Platz.” Der ehemalige deutsche Beach-Volleyball-Nationalspieler, der seit seinem Karriereende 2009 im griechischen Thessaloniki lebt und seit 2012 Nationaltrainer der Schweizerinnen ist, steht nur an 120 Tagen im Jahr im direkten Kontakt mit seinen Athletinnen. “Meistens bin ich im 2-Wochenrhythmus zuhause und unterwegs. Manchmal bin ich in der Schweiz, noch häufiger bin ich in Trainingslagern oder auf Turnieren”, erzählt der 44-Jährige am Telefon. Die Koordination und die Aufgaben für den Verband erledigt er aus dem heimischen Büro heraus - insofern war die Umstellung in den letzten Wochen infolge der Corona-Krise für ihn nicht allzu groß. “Trotzdem ist die Situation schon sehr seltsam. Die Teams konnten bisher auch nicht trainieren”, sagt Dieckmann, der hauptsächlich für die WM-Vierten Nina Betschart und Tanja Hüberli zuständig ist.

Christoph Dieckmann gehört zu den Übungsleitern, die sich auch abseits des alltäglichen Geschäfts mit dem Sport beschäftigen: Er ist einer der Gründungsmitglieder der IBVCA, der internationalen Vereinigung der Beach-Volleyball-Trainer und -Trainerinnen, die an der Entwicklung ihres Berufsstandes arbeitet. “Die offiziellen Regelungen entsprechen nicht mehr dem, was die Coaches für den Großteil der professionellen Teams inzwischen bedeuten. Das ist ein Bild davon, wie es vielleicht vor 20 Jahren mal war”, sagt Dieckmann.

Das Team um die Spieler und Spielerinnen ist in den letzten Jahren gewachsen. Kaum ein Duo auf Top-Niveau arbeitet noch ohne Coach, Physiotherapeuten und Sportpsychologen, zu großen Turnieren reisen oft mehrere Trainer und Trainerinnen mit. “Deswegen arbeiten wir daran, die Position des Berufs Beach-Volleyball-Coach aufzuwerten, Anerkennung zu bekommen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.” Im informellen Bereich habe es schon spürbare Veränderungen gegeben, berichtet Dieckmann, die Anmerkungen der Trainer und Trainerinnen werden immer mehr miteinbezogen. “Aber offiziell steht weiterhin nirgendwo in den Regularien, dass wir Teil des Teams sind.”

Trainer und Athleten wehren sich

Die Organisation entwickelte sich parallel zur Spielergewerkschaft, nach der Umstellung des Turniersystems vor drei Jahren waren alle Parteien unzufrieden mit den Änderungen und fühlten sich in ihren Rechten beschnitten. Sowohl Trainer als auch Athleten gründeten daraufhin erstmals eine Gewerkschaft. Präsident ist seit der Gründung im Sommer 2017 der Spanier Daniel Wood, aktuell Trainer der Niederländerinnen Marleen van Iersel und Joy Stubbe, der Vorstand besteht aus neun Mitgliedern. Dieckmann nimmt die Position des Schatzmeister ein. “Aber wir versuchen, die Hierarchie im Vorstand flach zu halten und die Entscheidungen und Anliegen in der Gruppe zu diskutieren und entscheiden. Bei den wichtigen Fragen stimmen wir uns natürlich mit allen Mitgliedern ab.” Neben Wood und Dieckmann engagieren sich noch Angie Akers (USA, Trainerin von Meppelink/Keizer), Simon Nausch (AUT, Hermannova/Slukova), Marco Solustri (ITA, Rossi/Carambula), Ricardo Cunha de Freitas (BRA), Victor Anfilof (AUS, Headcoach der niederländischen Männer). Zuletzt zeigten auch Scott Davenport (USA, Humana-Parades/Pavan) und Simon Naismith (AUS, Cheftrainer der australischen Damen-Teams) Interesse.

Die Spieler und Spielerinnen sind die Protagonisten im Sport, im Beach-Volleyball vielleicht noch mehr als in anderen Sportarten. In dieser Position können sie Druck ausüben, letztlich bleibt dem Weltverband nicht viel anderes übrig, als sie anzuhören. Anders ist die Lage bei Trainer und Trainerinnen, die traditionell in der Öffentlichkeit etwas unter dem Radar fliegen - vor allem deshalb, weil sie während der Spiele der World Tour selber nicht in Erscheinung treten (dürfen). Während der Spielergewerkschaft zu Beginn von der FIVB zwar auch Skepsis entgegen schlug, “wurde am Anfang versucht, uns zu ignorieren”, sagt Dieckmann.

Die Gewerkschaft macht sich bezahlt

Das hat sich verändert, vor allem weil die Turnierverantwortlichen vor Ort schnell auf die Gewerkschaft zugingen. “Im Rückblick bin ich eher überrascht davon, was wir schon erreicht haben. Besonders positiv ist die Zusammenarbeit mit dem Beach-Departement der FIVB und den Spielervertreterinnen”. Letztlich eint alle Beteiligten, dass sie den Sport voranbringen wollen. “Das ist für uns wichtiger die als die Verbesserung der eigenen Situation. Wir wollten uns von Anfang an bewusst einbringen, das Produkt Beach-Volleyball besser zu machen, und als Ratgeber für die FIVB und die Spieler zur Verfügung zu stehen”, so Dieckmann. Die Corona-Krise habe einmal mehr gezeigt, wie sinnvoll eine Gewerkschaft sein kann: “In der ersten Phase herrschte große Unsicherheit. Da war es sehr hilfreich, dass Vertreter von uns in den Meetings dabei waren und die Ergebnisse kommunizieren konnte. So musste sich nicht jeder Einzelne darum kümmern.”

Langfristig plant die Gewerkschaft außerdem Lehr- und Weiterbildungsangebote zu entwickeln, mit dem Ziel, die allgemeine Qualität der Coaches anzuheben. “Momentan haben wir dafür aber keine Ressourcen.” Und das obwohl der Anteil derjenigen, die in der Gewerkschaft organisiert sind, größer ist, als die der Spieler und Spielerinnen.

“Es gibt noch viel zu tun”

Etwa 80 Mitglieder hat der Verband. Europäische Trainer sind ähnlich stark vertreten wie brasilianische oder US-amerikanische, wo die Föderation die Trainer finanziell mit dem Mitgliedsbeitrag unterstützt. Auch der Anteil deutschsprachiger Trainer ist relativ groß. Trainerinnen sind in der Liste dagegen nur wenige zu finden - weil es kaum weibliche Coaches gibt, die auf der World Tour unterwegs sind. Fünf von ihnen seien in der Gewerkschaft organisiert, sagt Dieckmann. “Insgesamt sehen wir uns auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel zu tun.”

In der Schweiz dürfen Leistungssportler und -sportlerinnen ab Montag das Training wieder in ihrer gewohnten Umgebung aufnehmen. Für Christoph Dieckmann ändert das aber erst einmal nichts: Aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen und Bestimmungen verzichtet er auf Training vor Ort und sucht stattdessen andere Ansätze: “Wir sind vier Trainer für die weiblichen Nationalteams, die sehr eng zusammen und teamübergreifend arbeiten. Insofern werden wir auch für mein Team eine gute Lösung finden.”

→ Lesetipp: Hier bekommst du einen Überblick darüber, was sich in den sozialen Netzwerken und anderen Medien rund um Beach-Volleyball und die Verschiebung der Spiele abspielt.

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