„In Rio wollen wir wieder unsere Top-Form erreichen“

Interview mit Bernd Schlesinger

Mit viel Leidenschaft und Cleverness haben es Markus Böckermann und Lars Flüggen zu den Olympischen Spielen nach Rio geschafft. Was das Team sonst noch ausmacht, erzählt deren Trainer Bernd Schlesinger im Interview mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV).

Das Island-Gen

Bernd Schlesinger (57 Jahre) ist Trainer des Beach-Volleyball Teams Markus Böckermann/Lars Flüggen und erlebt in Rio de Janeiro seine zweiten Olympischen Spiele. Wie der in Halle und Beach erfahrene Trainer die Qualifikation und die Aussichten in Rio beurteilt und worauf es bei Olympischen Spielen ankommt, erzählt er im Interview.

Du bist lange im Beach-Geschäft dabei. Wie bewertest du die Olympia-Qualifikation für dein Team Böckermann/Flüggen?

Bernd Schlesinger: „Nicht nur  wegen der Haarfarbe von Markus kann man die Beiden mit den Isländern bei der Fußball-EM vergleichen. Mit Leidenschaft kann man auch heute noch viel erreichen!“

Hand aufs Herz! Hattest du bei Start des Teams Ende 2014 damit gerechnet?
„Im Hinterkopf stand für mich immer die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Ziel. Als Ziel hatte ich für 2015 4.000 und für 2016 4.750 Punkte ausgegeben. Sicherlich waren die Rahmenbedingungen für uns nicht einfach. Der Verband hatte sich im Männerbereich früh für die Unterstützung zweier anderer Teams entschieden. Dass die Beiden es dennoch geschafft haben, zeigt die Kämpferqualitäten des Teams.“

Wie kam es zu der Zusammenarbeit von Ihnen mit Böckermann/Flüggen?
„Nach der Trennung von Markus und Mischa (Urbatzka, Anm. d. Red.), die ich ja auch betreut hatte, suchte Markus einen neuen Partner, der bereit war, nach Hamburg zu kommen. Da bot sich ein Engagement meinerseits mit dem "neuen" Team an.“

Was zeichnet das Team aus?
„Beides sind absolute Teamplayer, sie haben einen sehr guten Umgang miteinander. Das kann man nicht hoch genug bewerten. Lars ist für mich ein Phänomen. Ein Bewegungstalent, der extrem wissbegierig ist und die nötige Lockerheit hat. Mit Markus arbeite ich schon recht lange zusammen. Markus hat sich all das, was er kann, hart erarbeitet. Er ist ein Arbeiter im positiven Sinn, er kann Dinge gut umsetzen.“

Körperlich sind Markus und Lars eines der kleinsten Teams auf der Tour, wie kompensieren sie das?
„Anthropometrische Voraussetzungen sind wichtig, aber nicht alles. Es gibt mehrere Teams auf der World Tour, die etwas "kleiner" und dennoch erfolgreich sind, zum Beispiel Herrera/Gavira (ESP) oder Samoilovs/Smedins (LAT). Das Wichtigste ist zum Glück immer noch die Psyche! Und da gehören die beiden zur absoluten Weltspitze. "Clever kann körperliche Dominanz schlagen"!“

Wie hat sich der Beach-Volleyball Sport in den letzten zehn Jahren entwickelt?
„Es hat sich so ziemlich alles verändert. Alle Teams in der Weltspitze arbeiten mittlerweile mit einem großen Staff (Scout, Co-Trainer, Athletiktrainer, Phyiotherapeuten und Psychologen). Dadurch ist Beach-Volleyball viel professioneller und wissenschaftlicher geworden. Die Teams bekommen mittlerweile Daten zu ihrem Training wie Anzahl der Sprünge, durchschnittliche Sprunghöhe etc. und genaue Analysen von den Gegnern. Alle Aktionen sind schneller und dynamischer geworden, die Handlungshöhe ist deutlich nach "oben" gegangen.“

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"Neben Kalifornien liegt in Rio die Wiege des Beach-Volleyballs."

Bernd Schlesinger

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Ein Problem in der Qualifikation waren die Knie. Beide Spieler hatten Probleme. Wie sieht es aktuell aus und werden sie in Rio fit sein?
„Die vielen Spiele bzw. die geringen Pausen und Regenerationszeiten haben ihren Tribut gefordert. Nach dem Turnier in Hamburg und der Qualifikation für Rio haben wir eine längere Pause gemacht, um die Akkus wieder aufzufüllen bzw. die körperlichen Probleme auszukurieren. Beide Spieler sind derzeit beschwerdefrei. Wir sind derzeit bei ca. 80-85% unseres Leistungsvermögen und versuchen, in Rio wieder unsere Top-Form vom letzten Herbst zu erreichen.“

Seit wenigen Tagen stehen die Gruppen fest, ihr trefft mit Brouwer/Meeuwsen (NED) und Losiak/Kantor (POL) unter anderem auf bekannte Gesichter. Dein Urteil?  
„Leider haben wir eine rein europäische Gruppe bekommen. Die Weltmeister von 2013, Brouwer/Meeuwsen, sind mit Gardemaß ausgestattet und stehen für Power-Volleyball. Wir konnten sie letztes Jahr zweimal schlagen und rechnen uns schon eine kleine Chance gegen sie aus. Die derzeitige Nummer eins der Weltrangliste Kantor/Losiak kennen wir aus zwei gemeinsamen Trainingslagern mit den polnischen Mannschaften. Sie haben sich in den letzten zwei Jahren sehr gut entwickelt und sind mit uns zusammen das einzige Team, dass sich ohne WM-Teilnahme im letzten Jahr über das Olympiaranking hat qualifizieren können. Sie haben viele Passvarianten drauf. Aber auch sie haben wir schon geschlagen und die Tagesform wird entscheidend sein."

Habt ihr eine offizielle Zielsetzung? Wie sieht die aus?
„Olympische Spiele sind nach wie vor das Highlight einer jeden Sportlerkarriere. Aber dabei sein ist nicht alles. Natürlich haben wir uns das Ziel gesetzt, die K.o.-Phase zu erreichen. Danach sind es noch zwei Spiele bis zum Halbfinale. Sicherlich, wir gehören nicht zu den Favoriten, aber möglich ist fast alles.“

Du warst 2004 in Athen als Trainer für Stephanie Pohl/Okka Rau und Andreas Scheuerpflug/Christoph Dieckmann verantwortlich, jeweils der gute fünfte Platz sprang heraus. Kannst du aus diesem Event Dinge für Rio übernehmen, adaptieren?
„Sicherlich wird mir die Erfahrung aus Athen helfen. Allein schon der Spielrhythmus, jeden zweiten Tag nur ein Spiel, bedarf einer guten Planung, damit die Spieler die Spannung hoch halten. Außerdem wird es meine Aufgabe sein, trotz der vielen Eindrücke die Olympische Spiele bieten, den Fokus auf den Wettkampf zu lenken.“

Worauf kommt es bei Olympischen Spielen an? Was muss man vor allem bei „Olympia-Frischlingen“ bedenken/berücksichtigen?
„Das "Normale" in dem ganzen Olympia-Hype zu finden. Die Spielvorbereitung, die Erwärmung, die letzten Stunden vor dem Wettkampf sollten möglichst in den gewohnten Bahnen mit den lieb gewonnenen Ritualen stattfinden. Wer das schafft, hat schon viel gewonnen.“

Ist es etwas Besonderes, das olympische Beach-Volleyball Turnier an der Copacabana zu spielen?
„Natürlich. Neben Kalifornien liegt die hier die Wiege des Beach-Volleyballs. Was gibt es Schöneres, als an der Geburtsstätte der attraktivsten Sportart aktiv beteiligt zu sein?“

Worauf freust du dich am meisten?
„Ich war schon zweimal in Rio und empfinde diese Stadt als sehr attraktiv. Der tägliche Blick auf den Corcovado und den Zuckerhut und die Lebensfreude der Brasilianer sind schon außergewöhnlich. Am meisten freue ich mich aber auf die gemeinsame Zeit mit dem Beach-Volleyball Team Deutschland. Wir werden hoffentlich viele Siege gemeinsam feiern und die Herausforderungen gemeinsam lösen.“

Wer sind deine Favoriten bei Frauen und Männern?
„Bei den Frauen bin ich mir ziemlich sicher, dass Deutschland, die USA und Brasilien jeweils eine Medaille gewinnen. Im Männerbereich fällt mir eine Prognose schon deutlich schwerer. Das Niveau ist sehr ausgeglichen, und ich glaube an die ein oder andere Überraschung. Die Auflösung gibt es am 18. August.“

 

Das Interview ist am 19. Juli auf der Webseite des Deutschen Volleyball Verbandes erschienen.

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