Kein System und keine Vorbilder

Major Porec - Vorbericht

Sie trainieren gemeinsam bei einem Australier in Klagenfurt, getrennt in den USA und sind beim Major in Porec zum ersten Mal im Hauptfeld gesetzt. Warum die Kroatinnen Dalida Vernier und Tea Juric auf internationale Hilfe angewiesen sind.

Zum ersten Mal im Hauptfeld gesetzt

Dalida Vernier kann ihr Glück kaum fassen. Heute beginnt die FIVB Major Series mit dem ersten Turnier in Porec, und die Kroatin ist mit ihrer Partnerin Tea Juric mittendrin. Ausnahmsweise sind die beiden einmal nicht Nachrücker wie bei den Wettbewerben in Luzern und Prag, wo sie nur an der Qualifikation teilnehmen durften, weil andere Teams nicht erschienen waren: In Porec sind Dalida und Tea im Hauptfeld gesetzt. Das geben die FIVB-Regularien so vor, denn Dalida und Tea haben zwar aktuell nur 60 Weltranglistenpunkte (FIVB World-Tour-Ranking) , gehören aber zu den zwei besten Teams der Ausrichternation.

Es ist das erste Mal in ihrer Karriere, dass die 36-jährige Dalida aus ihrer Nationalität einen Vorteil ziehen kann. In Kroatien ist Beach-Volleyball wenig populär, sie findet seit Jahren weder geeignete Trainingsbedingungen noch eine Partnerin, die gewillt ist, ihren Lieblingssport genauso professionell zu betreiben wie sie. „Die Mädchen, die sich für Volleyball interessieren, haben alle den Traum in das Indoor-Nationalteam zu kommen. Für Beach-Volleyball gibt es in Kroatien kein System und keine Vorbilder“, sagt Dalida.

Training in Klagenfurt

Wer den Sport halbwegs professionell betreiben möchte, verlässt das Land – so wie Tea Juric, 22, die momentan am College in New Orleans in gefestigten Strukturen Beach-Volleyball spielt. Auch Dalida zog es schon vor Jahren in die USA. Seit 2009 ist sie regelmäßig in Kalifornien unterwegs, wo sie sich mit qualifizierten Trainern und starken Konkurrentinnen weiterentwickeln konnte.

Ihren Lebensmittelpunkt hat Dalida mittlerweile nach Österreich verlegt. Dort hat das Duo sich in der vergangenen Woche auch auf das Turnier in Porec vorbereitet. Trainiert wurden sie in Klagenfurt von dem Austalier Tristan Boyd, der seit Jahren einige der österreichischen Top-Teams betreut. Der Kontakt kam über den Kärntner Beach-Volleyball-Profi Xandi Huber zustande. „Wir sind wirklich dankbar für die Hilfe, ohne Xandi wären wir nicht hier“, sagt Dalida.

Keine Unterstützung vom Verband

In Kroatien hat sie solch eine Unterstützung nicht erlebt. Nachdem Dalida sich im Mai 2014 mit ihrer Partnerin Jurja Vlasic beim Open in Puerto Vallarta als erstes kroatisches Team überhaupt für das Hauptfeld eines FIVB-Wettbewerbs qualifizierte, versprach ihr der Verband Subventionen. „Es wurden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten worden sind“, sagt Dalida. Dann verletzte sich ihre Partnerin, sie fand eine neue, die zunächst mit ihr nach Amerika kam – dann aber nach wenigen Wochen entschied, dass ihr der Aufwand für den Sport doch zu hoch sei. „Da war ich dann kurz davor, ganz aufzuhören. Ich war so traurig und wollte doch unbedingt in Porec spielen“, sagt Dalida.

Tea bezeichnet sie daher als Glücksgriff. Am 11. Mai trafen sich die beiden zum ersten Mal, beim Open in Luzern legten sie quasi einen Kaltstart hin. „Ich kannte Tea über meine vorherige Partnerin mit der sie die U23-WM gespielt hat, und habe gesehen, was für eine starke Saison sie im College gespielt hat“, erzählt Dalida. Auch Tea war interessiert. Die Studentin ließ sich auch nicht davon schrecken, dass sie fünf Stunden vor Registrierungsschluss für Luzern eine Nachricht vom kroatischen Verband erhielt. „Darin hieß es, dass sie aus dem Nationalteam fliegt, wenn sie mit mir spielt“, erzählt Dalida. „Welches Nationalteam eigentlich?“, fragt Tea, während sie auf dem Trainingsplatz in Klagenfurt sitzt, und den Sand durch ihre Finger rinnen lässt.


Profi-Karriere mit beach-volleyball.de-Redakteurin?


So etwas gebe es ja bis dato gar nicht im Bereich Beach-Volleyball, sagt Tea, also ließ sie sich von der Warnung auch nicht beeindrucken und spielte dennoch mit Dalida. Sowohl in Prag als auch in Luzern scheiterte das Duo in der ersten Runde der Qualifikation. „Unser Ziel in Porec ist es, aus dem Pool rauszukommen“, sagt Dalida. Erst einmal freut sie sich aber, dass sie überhaupt spielen kann.
„Mit Tea fühlt es sich bislang am besten an“, sagt die. Doch auch dieses Intermezzo wird nach dem Major in Porec beendet sein, denn Tea muss zurück ans College nach New Orleans. Derzeit hat sie Sommerferien, während der Studienzeit darf sie dann keine professionellen Turniere mehr spielen. „Das ist so schade, jetzt weiß ich wieder nicht, wie es weitergehen wird“, sagt Dalida. Sie will aber noch nicht aufgeben und sucht weiterhin eine Partnerin.

2010 hätte Dalida beinahe mit unserer beach-volleyball.de-Redakteurin Ana Schanze eine internationale Karriere gestartet, die ebenfalls kroatische Staatsbürgerin ist. „Wir hatten uns schon für einige FIVB-Turniere angemeldet“, verrät Dalida. Doch Ana musste passen. „Ich finde es schade, dass es nicht weiterging mit Dalida. Ich hatte mich bei unserem ersten Turnier in Kiel verletzt, und irgendwie passten die äußeren Bedingungen nicht“, sagt sie. In Porec werden sich die beiden wiedersehen. „Ich warte immer noch auf Ana“, sagt Dalida lachend und präsentiert stolz den Ball, mit dem sie seit fünf Jahren trainiert: beach-volleyball.de steht darauf.

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