Keine Pille-Palle-Spiele vor ungewohnter Kulisse

Deutsche Meisterschaften

Die Auftaktturniere in Düsseldorf finden unter besonderen Bedingungen statt. Während in der Altstadt der Rheinmetropole gefeiert wird, ist bei den Beach-Volleyballern irgendwie alles anders.

Hier „Johnny Depp, Depp, Depp”, da „Schweigen der Szene”

Die Lautstärkeregler sind voll aufgezogen, aus den Boxen dröhnt: „Depp, Depp, Depp, Johnny Depp, Depp, Depp…” Die Leute stehen im Umfeld des Burgplatzes in der Düsseldorfer Altstadt eng an eng gedrängt und lassen sich von dem Sound animieren. So etwa spielte es sich am Samstag Abend im Herzen der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens ab, dort, wo die Polizei bereits an mehreren Wochenenden hintereinander Straßen und Plätze gesperrt hatte, weil zu viele Menschen gegen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie verstoßen haben.

Gut sechs Kilometer weiter nördlich herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Am Fuße der Fußball-Arena, wo zwei Beach-Volleyball-Courts genutzt werden, um die Serie „Road To Timmendorfer Strand” und das „Turnier der Top Teams” auszutragen, geht es vergleichsweise beschaulich zu. Vor zwei Jahren war die Techniker Beach Tour am Burgplatz zu Gast. Jetzt findet sich die Beach-Volleyball-Szene im Düsseldorfer Norden wieder. Ruhig geht es zu, keine Musik, keine Zuschauer, nicht mal die Trainer wie Imornefe Morph Bowes und Fabian Tobias oder andere Betreuer dürfen das Eventgelände betreten, sondern müssen sich von außen das Treiben ihrer Schützlinge anschauen.

Kommunikation mal anders: Jeder hört zu und hört alles

Auf den beiden Courts sind die Stimmen der Aktiven zu hören. Wie sie untereinander kommunizieren, wie sie mal das Schiedsgericht anrufen, mit dem sie sonst per „Du” sind: „Können Sie mal runterkommen vom Stuhl und sich selbst den Abdruck anschauen.” Da bleibt nicht viel verborgen. „Es ist eine große Umstellung, seine eigenen Worte oder die Kommentare am Rande so laut zu hören”, sagt Olympiasiegerin Laura Ludwig, und weiter: „Da musst du es schaffen, bei deinen acht mal acht Metern zu bleiben und dich darauf zu konzentrieren.” Sandra Ittlinger findet es auch merkwürdig, „dass die Kommentatoren direkt neben dem Feld sitzen, da hört man einiges, was man lieber ausblenden muss.” Ittlinger kennt es auch, vor 8.000 Zuschauern zu spielen wie bei der WM in Hamburg, aber, so sagt sie, „es ging auch ohne Zuschauer, Spaß haben wir trotzdem.”

Der Spaßfaktor ist trotzdem hoch

Der war bei allen Beteiligten zu spüren. Gleich, wer gefragt wurde, ob Laura Ludwig, Margareta Kozuch, Joana Heidrich oder Anouk Vergé-Dépré, ob Leonie Klinke, Lena Ottens oder Christine Aulenbrock und Sandra Ferger, der Tenor war übereinstimmend: Wir sind froh wieder spielen zu können; Training allein oder zu zweit ist nicht wie Wettkampf; wir wissen nicht, wo wir stehen; wir brauchen ein Feedback. Margareta Kozuch beschrieb es so: „Wir haben uns als Team gesagt, wir versuchen erwartungsfrei zu spielen.” Gesagt, getan, mit dem Erreichen des Finals gegen Heidrich/Vergé-Dépré aus der Schweiz hat es sehr gut geklappt. „Es ist überraschend zu sehen”, sagt Kozuch, „wie gut die Puzzlesteinchen jetzt zusammenpassen.” Zumal es während des gesamten Turniers „keine Pille-Palle-Spiele gegeben hat”, wie Nationalspielerin Chantal Laboureur feststellte. „Viele Matches haben das Niveau eines EM-Halbfinals oder mehr.”

Wie hoch die Messlatte lag, musste auch Hallen-Nationalspielerin Louisa Lippmann erfahren, die an der Seite von Isabel Schneider erstmals Wettkämpfe auf sandigem Untergrund erlebte. Am Sonntag stufte die Volleyballerin des Jahres das 1:2 gegen die Tschechinnen Kublickova/Kvapilova als „Nahtod-Erfahrung” ein, weil das Spiel so lange gedauert hat. Die Diagonalangreiferin konnte ihrer Beach-Volleyball-Premiere aber auch positives abgewinnen: „Ich habe viel gelernt und bin Isabel dankbar, dass sie mir die Chance gegeben hat, mit ihr spielen zu dürfen.” Für Isabel Schneider, die sonst an der Seite der derzeit verletzten Victoria Bieneck spielt, war es ungewohnt, „die Führungsrolle übernehmen zu müssen, aber es hat Spaß gemacht.”

Drei Startplätze bei der DM sind neu besetzt

Natürlich war ein leistungsmäßiger Unterschied zu erkennen zwischen dem „Turnier der Top Teams” und dem der „Road To Timmendorfer Strand”. Doch auch auf der unteren Ebene lautete der allgemeine Tenor aus Spielerinnenkreis: „Gut, dass wir endlich wieder ran dürfen.” Zumal der Kampf um ein DM-Ticket höhere Anforderungen an die Teams stellt als andere Wettkämpfe. „Das hast Du immer im Kopf”, sagte Lena Overländer vor dem letzten um einen Startplatz bei den Titelkämpfen in Timmendorfer Strand. Den sicherte sich mit einem Drei-Satz-Sieg das neuformierte Duo Kotzan/Niemczyk. Genau wie Klinke/Ottens und Aulenbrock/Ferger werden sie künftig am Turnier der Top Teams teilnehmen dürfen, das möglicherweise auf ein 12er-Feld aufgestockt wird.

Das ist abhängig von der Meldeliste, die am Dienstag geschlossen wird. Die Folgeturniere wollen alle Teams nutzen zur Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften, wie Margareta Kozuch sagt: „Die ersten drei Turniere sind ein Test, dann kommt Timmendorf und da will immer jeder gewinnen, auch wir. Das nehmen wir uns auf jeden Fall vor.” Ob dann mit Zuschauern und Musik, und wenn ja, dann mit wie vielen bei welcher Dezibelzahl, ist weiterhin eine offene Frage. Die Gesundheitsbehörden sind nach wie vor bei der Prüfung des Hygienekonzeptes. Wenn es denn grünes Licht gibt, wird auch der Ticketvorverkauf starten.

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