Krass Frisch mit Madelein Meppelink: „Wir sind Kollegenfreunde oder sowas“

Beach-Volleyball-Profis im Fragenhagel

Die Interview-Reihe 'Krass Frisch' verfolgt einen alternativen Ansatz. Es sind Fragen an Arbeitnehmer, deren Beruf der Sport Beach-Volleyball ist. Es sind Fragen über Glück, Geld und Freundschaft. Es sind Fragen, die sich jeder von uns auch stellen kann: Teil II mit der Europameisterin Madelein Meppelink.

Teil II mit der holländischen Nationalspielerin Madelein Meppelink

Hamburg Finals, Freitagnachmittag. Ich brauche eine kleine Pause vom Trubel des Center Courts und spiele ein bisschen Mini-Tischtennis. Ein Mann bleibt belustigt stehen und wir spielen spontan eine Partie gegeneinander.

Als wir über seinen Akzent ins Gespräch kommen, stellt sich heraus, dass es sich um einen guten Freund der Familie Meppelink handelt. Er fragt, warum ich ein Shirt von beach-volleyball.de trage, ich erkläre es ihm. Er findet das Konzept, das hinter der Interviewserie ‚Krass Frisch‘ steckt, spannend und wir tauschen unsere Telefonnummern aus. Noch am selben Abend meldet er sich und ich habe einen Gesprächstermin mit der holländischen Nationalspielerin Madelein Meppelink – die in diesem Sommer Europameisterin wurde – für den nächsten Tag.

Madelein ist super nett und gut gelaunt, obgleich sie erst vor 15 Minuten mit nicht gerade erfreulichem Ergebnis aus dem Turnier ausgeschieden ist. Ihr Fokus richtet sich schnell auf Positives. Für das Gespräch entscheiden wir uns gegen die gemütlichen Liegestühle („da komm ich anschließend nicht mehr raus“) und gegen Deutsch und für Englisch als Interviewsprache („auf Englisch kann ich einfach besser denken“).

Dieses Interview ist also quasi trilingual: Gefragt und geantwortet auf Englisch, gedacht auf Niederländisch und transkribiert ins Deutsche.

 

beach-volleyball.de: Würdest du deinen Kindern empfehlen Beach-Volleyball Profi zu werden?

Madelein Meppelink: Ich würde meinen Kindern nicht vorgeben, Beach-Volleyball-Profi zu werden. Es würde mich freuen, wenn sie Sport machen und einfach Spaß dabei haben. Und sollte es so kommen, dass sie Beach-Volleyball-Profis werden, würde ich das natürlich unterstützen, wobei ich auch weiß, dass es kein einfaches Leben ist und man viel aufgeben muss. Aber Hauptsache, meine Kinder sind glücklich.


Was ist das Schlimmste am Beruf Beach-Volleyball Profi?

Das Schlimmste (zögert) ist vor allem das Verlieren. Das kommt mir zuerst in den Sinn, weil ich Verlieren als Profisportlerin hasse. Andererseits weiß ich, dass Verlieren Teil des Prozesses ist. Man lernt ohne Verlieren nicht dazu, und ohne Fehler auch nicht. Also ist das ein notwendiger Teil davon, Siege auch genießen zu können. Daher fühlt sich Verlieren zwar am schlimmsten an, aber es ist nötig, deshalb würde ich es trotzdem nicht missen wollen. Durch Niederlagen lernt man immer neue Lektionen. Ich habe diese Woche zum Beispiel vier Spiele verloren, aber es hat sich trotzdem gelohnt und war noch immer eins der wertvollsten Turniere der Saison. Es zeigt uns, an was wir über den Winter arbeiten müssen und gibt uns viel neue Motivation. Und das ist grundlegend, um weiterzumachen.


Glaubst du, dass du die beste Form deines Lebens
a) schon hattest,
b) gerade hast,
c) noch vor dir hast?

In meiner gesamten Karriere? Da habe ich sie noch vor mir.

 

Warum bist du ein guter Beach-Volleyball-Partner?

Ich bin, denke ich, eine gute Partnerin, weil ich vor allem eine gute Spielerin bin. Ich kann auf einem hohen Level Leistung bringen und auf Weltniveau mitspielen. Das ist schon mal ein Vorteil. Und ich kommuniziere, glaube ich, viel, deshalb kann man mich schnell kennenlernen. Ich mache mich verständlich. Das kann natürlich dann ein Nachteil sein, wenn es gar nicht auf Verständnis stößt. Ich hatte zum Beispiel mal eine Partnerin, die sogar ein bisschen Angst vor mir hatte und davon nervös wurde, weil ich so viel rede. Ihr selbst fiel es viel schwerer, sich auszudrücken. Da waren wir sehr unterschiedlich. Sanne (Keizer, die aktuelle Partnerin von Meppelink, d. Red.) und ich sind da gleich, das hilft. Es ist einfacher, zusammenzuarbeiten, wenn man sich verständlich macht oder sagt, was man denkt und wo man sich verbessern muss. Kommunikation ist harte Arbeit und ich tue da sehr viel.


Ist dein aktueller Partner ein Freund von dir?

Ich würde nicht sagen, dass Sanne und ich sehr gute Freundinnen sind, aber sehr gute Kolleginnen. Bloß keine normalen Kolleginnen, die hin und wieder mal zusammenarbeiten: Man verbringt so viel Zeit miteinander, dass man schon sowas wie Freunde wird. Außerhalb des Beach-Volleyballs sehen wir uns allerdings nicht so viel, eben weil wir so schon so viel Zeit miteinander verbringen. Das ist ein schmaler Grat: Wir sind Kollegenfreunde oder sowas.


Bist du dir selbst ein guter Freund?

Das kommt darauf an, wann du das fragst (lacht). Ich kann sehr gut Zeit alleine verbringen, allein sein ist völlig okay für mich. Umgeben von den Freunden sollte man sich ja gut fühlen, insofern denke ich, dass ich mir selbst eine gute Freundin bin. Aber manchmal kann ich auch hart und etwas negativ mir gegenüber sein, und das möchte man bei Freunden ja nicht. Da ist man dann also kein guter Freund zu sich selbst (lacht). Wenn man sich selbst runterzieht, muss man sich zuallererst darüber bewusst werden, dass man das gerade tut. Wenn man es nicht merkt, weiß man es ja gar nicht. Ich selbst versuche in solchen Situationen, mit meinen engen Freunden zu reden. Denn wenn man darüber redet, merkt man manchmal, wie man sich verrennt und dass man sich selbst Blödsinn einredet. Wenn ich mir dessen dann bewusst werde, denke ich 'Okay egal, ich lasse das jetzt hinter mir`.

 


„Wir sind Kollegenfreunde oder sowas.“

– Madelein Meppelink (28) über das Verhältnis zu ihrer Partnerin Sanne Keizer



Was macht dich am ehesten glücklich?
a) Geld?
b) Anerkennung?
c) Erfolg?

Geld ganz sicher nicht. Ich bin froh, mein Leben so leben zu können, wie ich möchte. Aber Geld ist mir nicht wirklich wichtig. Wenn ich etwas abgeben kann, tue ich das natürlich gerne. Anerkennung von anderen oder Erfolg (zögert)... Das ist schwer. Einerseits finde ich es natürlich gut, wenn andere mich wertschätzen, aber andererseits heißt Gewinnen erfolgreich sein, und ich glaube, das ist mein Antrieb als professionelle Sportlerin. Ich liebe Gewinnen. Wenn man sich – auch im Training – Ziele setzt und diese dann erreicht, treibt mich das an. Deshalb würde ich wohl am ehesten c), Erfolg, nehmen. Ich will in meiner sportlichen Karriere erfolgreich sein, aber nicht berühmt sein oder sowas. Das ist eine andere Art von Erfolg. Für mich persönlich heißt Erfolg, sich im Leben Ziele zu setzen und zu erreichen. Manche Menschen wollen berühmt sein, aber das ist nicht meine Motivation.


Wann warst du zuletzt glücklich?

Glücklich – lass mich nachdenken… Da hätte ich zwei Antworten im Kopf. Als ich das letzte Mal nach Hause kam, meinen Freund sehen konnte und ein sehr schönes Wochenende verbracht habe, nachdem ich lange weg war. Und, als wir die Europameisterschaft gewonnen haben.


Welchen Gedanken findest du eher beunruhigend...
a) ...unverzichtbar zu sein?
b) ...verzichtbar zu sein?

(zögert) Auch, wenn jeder einzigartig und besonders sein will, glaube ich, dass jeder in etwa die gleichen Probleme hat. Jeder kämpft mit ähnlichen Dingen, auch, wenn man sich für einzigartig hält. Ich glaube, jeder ist ersetzbar. Welche Antwortmöglichkeit nehme ich dann? (lacht) Wahrscheinlich finde ich es beunruhigender, unverzichtbar zu sein, weil ich glaube, dass jeder ersetzbar ist.


Wovor hast du am ehesten Angst am Arbeitsplatz?
a) Überforderung
b) Langeweile
c) Mitarbeiter

Angst? Ich glaube, das ist Langeweile, weil ich mir dann nicht den Arsch aufreißen würde (lacht). Wenn mir langweilig wäre, würde ich mich nicht verbessern und nicht mein ganzes Potenzial ausreizen.


Wirst du gerecht bezahlt?

Also ich tue, was ich liebe und werde dafür bezahlt, deshalb würde ich sagen, es ist schon fair. International ist es aber schwer für Beach-Volleyball-Profis, den Lebensunterhalt zu verdienen. Es kommt stark darauf an, in welchem Land man lebt. Jeder arbeitet, glaube ich, sehr sehr hart dafür, dahin zu kommen, wo er ist. Wenn du zur Weltspitze gehörst, kannst du bei jedem Turnier vielleicht viel Geld verdienen, aber darunter verdient man nicht viel. Sportler aus anderen Sportarten bekommen aber natürlich noch weniger. Insofern habe ich schon Glück, denn ich bin mit meinem Lebensstandard zufrieden und glaube, ich werde fair bezahlt.


Wovon hättest du in deinem Job gern mehr?
a) Freizeit?
b) Sinn?
c) Geld?
d) Freiheit?

(zögert) Den Sinn im Leben bestimmt man, denke ich, selbst. Das muss man allein erledigen. Ich habe genug Sinn und Ziele in meinem Leben, deshalb fehlt mir da nichts. Geld ist mir wie gesagt nicht so wichtig (lacht). Freizeit und Freiheit (zögert)... Ich glaube, manchmal am ehesten Freiheit. Im niederländischen Verband haben wir ein strenges Programm. Dabei entscheidet am Ende immer mein Trainer. Das ist teilweise sehr viel wert, weil wir als Sportler manchmal durch unsere Emotionen blockieren, was das Beste für uns wäre. Wir denken uns zwar etwas, aber weil wir emotional an ein Spiel, einen Sieg, eine Niederlage gebunden sind, fehlt es uns vielleicht an Rationalität, und unser Coach kann das Ganze dann in einen größeren Rahmen setzen. Also denke ich, das Programm funktioniert schon.

Auf der anderen Seite kommt es auch dazu, dass man gerne mal zwei Wochen frei hätte, aber dann abhängig von der Entscheidung des Trainers ist. Das ist der Teil, der mich manchmal ärgert. Ich hätte gerne mehr Kontrolle darüber und würde solche Sachen gerne mehr selbst entscheiden. Also einerseits will ich gerne eine Pause und Freiheit, wenn ich nicht mehr kann, andererseits brauchst du manchmal jemanden, der dir sagt, 'Dann und dann willst du fit sein, also machst du zwei Monate frei, aber wir fangen eher an zu trainieren'. Also ist es Freiheit, die ich am ehesten vermisse. Freizeit haben wir zwar, aber manchmal ist man einfach zu müde. Wenn ich ein Wochenende frei habe, kann ich zum Beispiel nicht gerade zu Festivals gehen (lacht). Das vermisse ich schon manchmal. Was ich aber dafür kriege: Ich kann die Welt bereisen und bei Turnieren wie diesem mitmachen.

 

Über die Interview-Reihe

Die Interview-Reihe, die in den kommenden Monaten auf beach-volleyball.de sukzessive veröffentlicht wird, verfolgt einen etwas alternativen Ansatz der Fragestellungen. Unser Beach-Academy-Trainer, Berufs-Lehrer und Hobby-Journalist Jan Leifels hat sich vom Buch „Fragebogen“ des Autors Max Frisch inspirieren lassen und 14 Fragen entwickelt, die teilweise auf Beach-Volleyball abzielen, jedoch stets den weitestgefassten Erwartungshorizont an Antwortmöglichkeiten zulassen.

Es sind Fragen an Arbeitnehmer, deren Beruf der Sport ist. Es sind Fragen über Glück, Geld und Freundschaft. Es sind Fragen, die sich jeder von uns auch stellen kann. Er stellt sie den Profis am Rande der Veranstaltungen; ganz in Ruhe. Die Antworten – jene der Profis als auch unsere eigenen auf die selben Fragen – sind bestenfalls horizonterweiternd und bereichernd zugleich.

Hier findest du eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Interviews

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