Kurz vor der Krönung

Deutsche Meisterschaften 30.08. – 02.09.2018

Dass Teresa Mersmann und Cinja Tillmann am Ende des Jahres 2018 eines der erfolgreichsten deutschen Duos sein würden, hätte im Januar wohl kaum einer gedacht. Die Münsteranerinnen sind ein gutes Beispiel dafür, dass Deutschland auch hinter den Nationalduos qualitativ gut aufgestellt ist.

Spiel um Platz drei statt Karriereende

Dass sich aktuell – in Abwesenheit der Olympiasiegerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst – vier deutsche Teams unter den Top16 der Welt befinden, ist bemerkenswert. Ebenso bemerkenswert ist allerdings auch, wie breit der deutsche Damen-Beach-Volleyball aufgestellt ist. Denn Teams wie Sarah Schneider/Anna Behlen oder Teresa Mersmann/Cinja Tillmann beweisen regelmäßig sowohl national als auch international, dass auch sie in der Spitze mithalten können. 

Dabei dachte Teresa Mersmann vor einem Jahr noch, die Deutschen Meisterschaften von 2017 seien ihr letztes Turnier ihrer professionellen Karriere. Das jedenfalls schrieb sie ihrem früheren Trainer Christoph Kesselmeier in einer SMS – der aber hatte andere Pläne. „Wir sind verschiedene Optionen durchgegangen – neben der, dass sie aufhört“, erzählt Kesselmeier. Einer dieser Optionen war Cinja Tillmann, die Mersmann aus früheren gemeinsamen Jahren noch kannte. Gut, dass Kesselmeier sie noch überzeugen konnte, denn ein Jahr später steht sie gemeinsam mit Tillmann im kleinen Finale der nationalen Titelkämpfe.

Mit Ruhe zum Erfolg

Das ist nur logisch, denn damit bestätigt das Duo seine bisherigen Ergebnisse: Dreimal gab es auf der Techniker Beach Tour Gold, dazu kommen drei Siege bei internationalen Events. Das gibt viel Selbstvertrauen, außerdem zeichnet das Team vom USC Münster vor allem mentale Qualitäten aus. „Der Umgang untereinander ist von einem guten Verständnis füreinander geprägt. Dadurch schaffen wir es auch in kritischen Situationen Ruhe auf das Feld zu bringen“, erklärt ihr Cheftrainer die gute Bilanz.

Mit variablen Aufschlägen gelänge es seinem Team außerdem regelmäßig so viel Druck auszuüben, dass es seine Gegnerinnen in bestimmte Situationen zwingen könne. „Wenn wir den Gegner dort haben, wo wir wollen, ist es einfacher im Bereich Block-Abwehr zu spielen“, sagt Kesselmeier. Denn obwohl sich die Blockhöhe von Mersmann im Vergleich zu anderen Blockspielerinnen eher im guten Durchschnittsbereich bewegt, punktet das Duo auch häufig bei eigenem Aufschlag. „Cinja ist in der Abwehr unglaublich schnell“, bestätigt auch Sarah Schneider, die bei einem Drei-Sterne-Turnier in China mit Tillmann gemeinsam an den Start ging.

Ein Sieg zur Medaille

Vor Startschwierigkeiten hatte Mersmann und Tillmann aber auch nicht bewahrt, dass sie eben keine ganz neue Konstellation waren: „Die Ergebnisse bei den Turnieren in Luzern und Mersin waren nicht das, was wir uns vorgestellt hatten“ sagt Kesselmeier und hebt hervor: „Aber auch da sind wir ruhig geblieben und haben uns im mentalen Bereich weiterentwickelt. Wir wissen, was wir aneinander haben und wo unsere Stärken und Schwächen liegen.“

Mit diesem Wissen waren sie als nicht mehr ganz so geheimer Geheimfavorit nach Timmendorfer Strand gereist. Wie es sich anfühlt, auf dem Podium zu stehen, das haben Mersmann und Tillmann 2012 schon gemeinsam herausfinden können. Damals wurden sie sensationelle Dritte, 2015 wurde Mersmann an der Seite von Isabel Schneider sogar Vizemeisterin. Knapp zwölf Monate nach der SMS an Kesselmeier ist Teresa Mersmann an der Seite von Cinja Tillmann jetzt nur noch einen Schritt davon entfernt, die Medaillensammlung noch zu ergänzen und ihre gute Saison zu krönen.

Dass es nicht mehr der Titel werden kann, liegt unterdessen an der Stärke eines Nationalduos: Die an Position eins gesetzten Victoria Bieneck und Isabel Schneider verfolgen unbeirrt ihr Ziel, ihre erste gemeinsame Medaille bei Deutschen Meisterschaften zu holen. Die Hamburgerinnen stehen ohne Satzverlust im Endspiel und treffen dort auf Sandra Ittlinger und Kim Behrens, die sich im Halbfinale gegen das Interimsduo Leonie Körtzinger/Julia Sude durchgesetzt hatten.

 

 

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