Lernen von den Großen

Junioren

Die U22-EM am vergangenen Wochenende war die letzte internationale Nachwuchs-Meisterschaft des Jahres. Die zwei Silbermedaillen der deutschen Teams schließen eine Saison ab, mit der Nachwuchs-Bundestrainer Ahmann „sehr zufrieden“ ist. Für die Zukunft bräuchten seine Duos aber mehr Einsätze auf hohem Niveau.

Ein silberner Sonntag

Es ist ein Abschluss, wie man ihn sich aus deutscher Sicht kaum besser hätte wünschen können: Am letzten Tag der U22-Europameisterschaften im türkischen Antalya waren mit Lukas Pfretzschner/Robin Sowa und Julika Hoffmann/Sarah Schulz noch zwei Teams aus Deutschland im Rennen um den Titel. Zwar ging Gold am Ende an deren Gegner, mit gleich zwei Silbermedaillen hatte aber trotzdem niemand gerechnet: „Bei den Mädels hatten wir auf das Halbfinale gehofft, bei den Jungs hatten wir das Halbfinale eingeplant, das darf man schon so sagen“, erzählt Jörg Ahmann, leitender Bundestrainer im Nachwuchs-Bereich.

Gerade für Pfretzschner/Sowa lag die Goldmedaille im Bereich des Möglichen: Im ersten Durchgang lagen sie schon mit 19:14 vorne, gaben den Satz aber noch ab. Nach dem deutlichen Satzgewinn entschieden im Tiebreak schließlich Kleinigkeiten. „Mit der Konstanz ist das immer so eine Sache. Die bekommt man nur durch internationale Turniere“, sagt Ahmann. Zu Beginn der Saison konnte das Duo sich noch zweimal für ein World-Tour qualifizieren, danach gab es dazu keine Gelegenheit mehr. Stattdessen starteten sie auf der deutschen Tour, wo das Team schon dreimal Fünfter wurde.

Das Viertelfinale auf einem Stopp der deutschen Tour haben auch Julika Hoffmann und Sarah Schulz schon zweimal erreicht. Die Stuttgarterinnen spielen ihre zweite gemeinsame Saison, der zweite Platz bei der Europameisterschaft ist der bisherige Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit. „Hier sind viele Teams, die international spielen, wo wir nicht hereinkommen. Deswegen ist die Medaille so ein riesiger Erfolg“, lobt Ahmann seine Schützlinge.

Die zwei Silbermedaillen runden eine Saison ab, die als erfolgreich bezeichnet werden kann. Insgesamt gab es einen Titel und drei Silbermedaillen bei Europameisterschaften, zwei Top-5-Ergebnisse bei der U21-WM, dazu kommen weitere gute Platzierungen. Ahmann ist mit dieser Bilanz „sehr zufrieden. Früher gab es Medaillen am Fließabend, dann wurden sie immer weniger, jetzt wird es wieder besser.“

Russland dominiert im Nachwuchs

Er erklärt sich diese Entwicklung mit der Talentlage: Es sei weiterhin eine Herausforderung, gute Volleyballer für den Beach-Volleyball zu gewinnen. Andere Länder verfügen da über eine größere Zahl an Talenten. Dazu zählt auf europäischer Ebene vor allem Russland, denn auch in diesem Jahr durften sich zumeist russische Duos die Goldmedaille um den Hals hängen. Im vergangenen Jahr waren sogar alle Titel an das Land gegangen.

„Wir sind genauso athletisch, aber die Russen sind extrem spielfähig und auch ganz schön cool im Kopf. Sie haben in Russland viele Gegner auf hohem Niveau, Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Ahmann, „sie müssen sich immer wieder durchsetzen.“ Das bringt Talente wie die 17-jährige Mariia Bocharova hervor.

Die Blockspielerin trat in diesem Jahr bei allen drei Europameisterschaften an – und holte in jedem Turnier Gold. Dazu kommt Silber bei der U21-WM. „Ein absolutes Riesentalent“, wie der Bundestrainer betont, „davon hat man nicht so viele.“ Bisher ist es Russland vor allem bei den Damen noch nicht gelungen, diese Talente auch bis in die Weltspitze zu bringen. Bei den Herren stellen sie dagegen mit Oleg Stoyanovskiy (22) seit knapp zwei Wochen den jüngsten Weltmeister der Geschichte.

Über Erfahrung und Spielpraxis zu den Erwachsenen

Jörg Ahmann und sein Team arbeiten daran, dass das erfolgsverwöhnte Beach-Volleyball-Deutschland auch in Zukunft Medaillen bei Weltmeisterschaften sammeln kann. Die Nachwuchs-Duos sollen dafür so früh wie möglich Erfahrung auf höchstem nationalen wie auch internationalem Niveau sammeln. „Nur so lernen sie, woran sie arbeiten müssen, was die anderen besser machen“, so Ahmann, der 2000 gemeinsam mit Axel Hager als erster deutscher Beach-Volleyballer überhaupt eine Medaille bei Olympischen Spielen holte.

International reichen die Punkte für seine Duos nur selten für die Qualifikation der World Tour-Turniere. „Wenn das nicht geht, dann muss es eben das höchste nationale Niveau sein“, fügt er hinzu. Deswegen gingen in dieser Saison einige Wildcards für die Techniker Beach Tour an junge Spieler und Spielerinnen.  „Sie brauchen ein bis zwei Einsätze im Jahr auf der deutschen Tour, das prägt. Der Erfolg gibt uns recht“, bekräftigt Ahmann, „Meier/Wüst haben dort gelernt, dass sie sich die drei bis vier Minuten Auszeit nicht nehmen dürfen. Das hat sie dazu gebracht, bei der U18-EM das mit Abstand beste Team zu sein.“ Langfristig hilft laut dem Bundestrainer eben nur eines: Spielen, spielen, spielen. Und das so früh so hoch wie möglich.

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