Major Porec - Der Neue

Major Porec - Halbfinale

Eigentlich war Adrian Carambula Fußballspieler. Seit dieser Saison mischt der Italiener die World Tour auf. Bei seinem erst zweiten Turnier steht er im Halbfinale. Dabei entnervt er seine Gegner vor allem mit seinem außergewöhnlichen Aufschlag.

Der Skyballer

Adrian Carambula hat einen außergewöhnlichen Aufschlag. Dabei stellt er sich ganz außen an die Linie, wirft den Ball ein Stück hoch und katapultiert ihn mit seinem linken Arm weit in den Himmel. So weit, dass die Zuschauer den Kopf in den Nacken legen, während die Gegner schon darüber nachdenken, wo in ihrem Feld der Ball wohl einschlagen wird. Das passiert nämlich gar nicht so selten. Im Viertelfinale gegen die Brasilianer Pedro/Evandro hat Carambula allein drei Asse mit diesem Aufschlag produziert. In drei Sätzen gewann er mit seinem Partner Alex Ranghieri gegen die Brasilianer und steht nun bei seinem zweiten World-Tour-Turnier im Halbfinale.

„Er gibt dem Ball immer eine andere Rotation, mal springt er nach vorn und mal nach hinten, den würde ich so gerne mal annehmen“, schwärmt Karla Borger. Mit diesem Wunsch steht die in Porec Fünftplatzierte allerdings alleine da. „Dieser Aufschlag bringt einen total aus dem Rhythmus“, sagt der US-Amerikaner Stafford Slick, der im Achtelfinale das Vergnügen mit Carambula hatte. „Das ist auch der Plan dahinter“, verrät Carambula. Egal ob Lars Flüggen, Evandro Emanuel Rego oder Slick, sie alle hatten Probleme, den mit viel Rotation servierten Ball zu kontrollieren. Ein bisschen wehmütig sei er schon, den quirligen Athleten nicht mehr an seiner Seite zu haben, gibt Slick zu. 2013 und 2014 spielten die beiden zusammen auf der AVP Pro Beachvolleyball Tour. In den USA hat Carambula den Skyball gelernt. „In Miami hatten wir am Strand immer einen heftigen Wind. Dort habe ich das perfektioniert“, sagt er.


Einfach mal mitgemacht

Geboren ist der inzwischen 27-jährige Adrian Ignacio Carambula in Uruguay. Als er 14 Jahre alt war, wanderten seine Eltern mit ihm nach Amerika aus, um sich und vor allem ihm ein besseres Leben zu ermöglichen, sagt er. „Eigentlich war ich Fußballer, habe sieben Jahre mit Luiz Suarez gespielt.“ Eine Leistenverletzung trieb ihn dann aber in den Sand. Während der Reha verbrachte Carambula viel Zeit an den Stränden Miamis und schaute den Beach-Volleyballern zu. „Irgendwann habe ich ein wenig mitgemacht und als ich wieder gesund war, habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Sport zu beschäftigen“, sagt er.

Dabei begegnete er vielen Zweiflern, die aufgrund seiner Größe (1,83 Meter) und seiner mangelnden Athletik nicht daran glaubten, dass er es weit bringen könnte. Doch Carambula ist ein ausgesprochen kreativer Spieler. Und er ist ein herausragender Analytiker. Obwohl er gegen die meisten der Athleten, denen er gerade auf der World Tour begegnet, noch nie gespielt hat, wirkt er nicht wie ein Rookie. Stets gibt er seinem Partner Ranghieri Anweisungen und taktische Hinweise. „Es ist meine Leidenschaft, das Spiel zu studieren. Das muss ich auch machen, denn physisch kann ich die Anderen nicht schlagen“, sagt er.


Mit Dalhaussers Hilfe


Die Zuschauer in Porec begeistert der gebürtige Uruguayer mit seiner außergewöhnlichen Spielweise. Mal pritscht er einfach den zweiten Ball über das Netz, mal spielt er seinem Partner direkt aus der Annahme auf und blockfrei zieht er nicht durch, sondern setzt den Ball unerreichbar diagonal auf die Linie. Für die anderen Teams bedeutet dieser neue Spieler eine Umstellung. Er fordert sie heraus. „Als ich ihn das erste Mal gesehen habe wusste ich sofort, dass ich mit ihm spielen will“, sagt Ranghieri. Den Tipp bekam er von dem US-Amerikaner Phil Dalhausser. Durch seine italienische Großmutter besitzt Carambula nämlich die italienische Staatsbürgerschaft, für die USA hätte er nicht antreten dürfen.

Doch auch die Freigabe als italienischer Spieler war nicht so einfach zu bekommen. „Obwohl ich keine internationalen Turniere gespielt habe, hatte die FIVB mich beim amerikanischen Verband gelistet“, sagt Carambula. Durch die bürokratischen Vorgänge verpassten Ranghieri/Carambula die ersten Turniere der World Tour, bei denen Ranghieri stattdessen mit Marco Caminati antrat. „Ich bin froh, dass ich jetzt spielen darf. Ich war die ganze Zeit bereit, ich habe nur gewartet, dass ich mal einen Partner finde, um international anzutreten“, sagt Carambula.


Rio ist das Ziel

Das Ziel der beiden Athleten sind die Olympischen Spiele in Rio. Dafür verließ Carambula Florida und lebt jetzt  in Rom, wo er mit Ranghieri bei dem Brasilianer Paulao Moreira trainiert. Ich bin normalerweise kein Typ für Zielsetzungen, aber dabei habe ich ein richtig gutes Gefühl und bekomme Gänsehaut“, sagt Carambula und streicht sich über den Arm. Nach Nicolai/Lupo und den Ingrosso-Zwillingen sind Carambula/Ranghieri derzeit das dritte Team in Italien.

Acht Spiele haben sie in Porec inzwischen bestritten, weil sie zunächst durch die Qualifikation mussten. Am Sonntag (11.20 Uhr) spielt Carambula dann gegen die Weltmeister Alexander Brouwer und Robert Meeuwsen sein erstes Halbfinale bei einem FIVB-Turnier. Jetzt aber, so Carambula, werde er sich aber erst einmal mit einem Bier vor den Fernseher setzen und das Champions-League-Finale mit Beteiligung seines ehemaligen Fußball-Kollegen Luiz Suarez (FC Barcelona) anschauen. Den Skyball gibt es dann am Sonntag wieder zu sehen. Oder, für alle, die es nicht abwarten können geht es hier zum Video.

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