„Mein vollständiger Name ist Neilton Moises Moca Santos Merces…

Interview mit dem Brasilianer Moca

…aber du kannst mich auch einfach Moca nennen“, sagt der 28-jährige Brasilianer und grinst. Moca spielte in Frankfurt am Main bereits das zweite Turnier der nationalen Serie in dieser Saison. In einem Gespräch mit beach-volleyball.de erzählt er über die Strukturen in seinem Heimatland, einen möglichen Generationswechsel und warum Emanuel und Ricardo seiner Meinung nach die weltbesten Spieler sind.

Moca ist 28 Jahre alt, seinen größten Erfolg erzielte er mit seinem Partner Vitor Felipe beim Auftaktturnier der World Tour in Brasilia, wo er Fünfter wurde. In Frankfurt wollte er ursprünglich auch mit Vitor Felipe einspringen, der aber verletzte sich an der Schulter, „es ist aber nichts ernstes, wir wollen nur im Hinblick auf den Grand Slam in Moskau kein Risiko eingehen“, so Moca. 

Eigentlich hat er gesagt, dass er nicht gut englisch sprechen würde, allerdings redet er im Laufe des Gesprächs sehr ausführlich und gerne über Beach-Volleyball. Er wirkt sowohl auf als auch abseits des Feldes sehr von sich überzeugt, was sich jedoch leicht auf sein südamerikanisches Temperament schieben lässt. In einem Gespräch zwischen den Spielen der smart beach tour ist er überaus freundlich.

Hallo Moca. Wie hast du dich gefühlt während der Spiele in Deutschland?

Moca: „Wir haben uns wohl gefühlt. Es ist alles sehr schön hier, aber natürlich viel kleiner als bei uns in Brasilien.“ 

Wie meinst du das?

„Ich wusste zum Beispiel gar nicht, um wie viel Geld wir auf dem Turnier gespielt haben. Ich habe nur gehört, dass es sehr wenig ist. Bei uns bekommt der Sieger 20.000 US-Dollar, wie viel sind es hier?“

 

So viel werden insgesamt auf dem Turnier ausgeschüttet, das Geld wird sowohl unter den Frauen als auch unter den Männern aufgeteilt.

„Ja genau, so etwas meine ich. Ich glaube hier die Spieler spielen mehr aus Spaß, das ist nicht so professionell wie auf unserer nationalen Tour. Markus und Mischa (Markus Böckermann und Mischa Urbatzka, Anm. d. Red.) kennen wir von der World Tour, viele andere Teams haben wir noch nie gesehen.“

 

Die Teams hier trainieren teilweise auch professionell.

„Ja das vielleicht. Aber viele arbeiten oder studieren nebenbei oder?“

 

Das stimmt.

„In Münster gab es beispielsweise eine Situation gegen ein deutsches Team, da haben wir uns sehr aufgeregt. Der gegnerische Blockspieler (Dirk Westphal, Anm. d. Red.) hat einen Ball nicht zugegeben, den er im Block deutlich berührt hat. Mit dieser Entscheidung hatten wir den Satz verloren. Warum macht er das? Die meisten sind doch keine Profis und spielen nur aus Spaß, da kann man so einen Ball auch mal zugeben.“

 

Wie ist denn die Situation in Brasilien, sind dort alle Beach-Volleyball Spieler Profis auf der nationalen Turnierserie?

„Wir haben viele gute Spieler, die diesen Sport professionell betreiben. Aber nicht viele Teams haben das Glück, so trainieren zu können wie die Topteams. Pedro Salgado ist zum Beispiel ein echt fleißiger Spieler. Er hat schon immer viel trainiert. Seit ich ihn kenne, hat er trainiert, trainiert und nochmals trainiert. Aber er hatte auch schon immer ein gutes Umfeld – gute Sponsoren, Trainingsorte und Trainer. Die guten Teams wie Alison/Emanuel oder Larissa/Juliana haben eine Menge Geld, mit dem sie sich das auch alles ermöglichen können.“

 

Viele brasilianische Spieler auf der World Tour sind an die 40 Jahre alt. Emanuel ist 39, Marcio Araujo 38, Ricardo und Harley sind jeweils 37 Jahre alt. Wird es Zeit für einen Generationswechsel nach den Olympischen Spielen?

„Die Situation ist für uns andere Spieler schlecht. Ich denke, Emanuel und Ricardo sind beide die besten Spieler auf der Welt, waren zwei Mal gemeinsam bei Olympia. Dann haben sie sich getrennt und es ist egal mit wem sie spielen, sie schaffen es auf jeden Fall zu Olympia. Dabei sind noch so viele andere Spieler in Brasilien, die auch gut sind, aber keine Chance haben, auf der World Tour zu spielen. Zum Beispiel mein Partner, Vitor Felipe, er ist erst 21 und schon unglaublich gut. Ich glaube, er kann einmal der beste Spieler auf der Welt werden. Wenn er in ein paar Jahren soweit ist, wirst du dich an mich erinnern, wie ich dir das einmal hier in Deutschland gesagt habe (lacht)

 

Also glaubst du, dass Spieler wie Emanuel und Ricardo nach den Olympischen Spielen aufhören werden?

„Das weiß ich nicht, vielleicht tun sie das. Aber sie sind dann wahrscheinlich immer noch gut, also könnten sie immer noch weiter spielen. Das wäre für uns jüngere Spieler natürlich nicht so gut. Bisher ist es so, dass wir warten müssen, bis die großen Teams mal ein Turnier nicht spielen. Dort müssen wir dann unsere Chance sofort nutzen. In der letzten Saison habe ich mit Alvaro Filho ein Turnier der World Tour in Kanada im Hauptfeld spielen können und wir sind Vierte geworden. Viele Teams bei uns in Brasilien sind gut genug für die World Tour, können es aber zu selten zeigen. Ich hoffe, dass sich diese Situation bald ändern wird.“

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Grand Slam der World Tour in Moskau!

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