Mental stark wie nie: Karnbaum/Niemczyk kündigen erneut Karriereende an – Winzer Brand feiert Finalpremiere

Techniker Beach Tour

Fünf ist Trumpf: Natascha Niemczyk und Sabrina Karnbaum spielen in ihrer fünften gemeinsamen Saison so stark wie nie. In St. Peter Ording waren beide wieder im Finale. Die Youngster Brand/Reinhardt feierten ihre erste Endspiel-Teilnahme.

Die Experten waren sich beim Techniker Beach Turnier in St. Peter Ording einig gewesen. Den Sieg würden das DVV-Team Beerens/Tillmann und das polnische Gastteam Brzostek/Gromadowska unter sich ausmachen. Doch das stimmte nur zum Teil. Denn die erfahrenen Natascha Niemczyk und Sabrina Karnbaum grätschten dazwischen, stoppten die starken Polinnen in einem heiß umkämpften Halbfinale mit 2:1 (21:14, 19:21, 15:13) und unterlagen im Endspiel trotz Führungen in der Schlussphase beider Durchgänge nur knapp den Premierensiegerinnen Beerens/Tillmann mit 0:2 (25:27, 19:21).

Natascha Niemczyk kündigt Karriereende an

Keine Frage, Karnbaum/Niemczyk sind gerade in der besten Verfassung, in der man beide in den vergangenen Jahren gesehen hat. Den vierten Stopp der deutschen Tour in Dresden hatten beide gewonnen. Zweimal hintereinander im Finale waren sie laut eigenem Bekunden noch nie. Und das, obwohl sie im Alter von 29 beziehungsweise 28 Jahren ihre letzte Tour spielen. „Man sollte aufhören, wenn es am Besten ist”, sagt Karnbaum. Und Niemczyk ergänzt: „Das ist unser letztes gemeinsames Jahr.” Der Grund sei die hohe zeitliche Belastung. Gerade die Turniere an der Küste sind von ihrem Wohnort München aus nicht gerade um die Ecke. „Wir sind fünf Tage unterwegs für ein Turnier”, sagt Niemczyk. Zumindest, wenn sie wie zuletzt bis zum Finalsonntag dabei sind. Karnbaum arbeitet als Architektin, Niemczyk als ihr eigener Ausrüster in der Sportartikelbranche. Das kostet Zeit und Energie.

Bereits zwei Mal hatten sie ihre Karriere beenden wollen. Zuletzt vor dieser Saison. Doch Niemczyk überredete ihre Partnerin zum Weitermachen. „Meine Lieblingszahl ist fünf. Bei mir sind aller guten Dinge fünf”, sagt die Tochter des früheren Hallen-Bundestrainers der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. „Ich habe Sabrina vor der Saison gesagt, wir müssen unbedingt noch die fünfte Saison spielen.” Mit Erfolg. Aktuell ist das Duo so sicher in seinen Aktionen, dass es kaum zu bezwingen ist.

„Wir sind mental stärker geworden”

„Wir sind nicht besser geworden, es ist einfach eine Kopfsache”, erklärt Karnbaum. „Wir sind mental stärker geworden. Wir vertrauen uns einfach blind, was andere Teams, die sich neu formiert haben, vielleicht noch nicht so können”, weiß Niemczyk. Ihr Rezept im fünften Jahr: die Gelassenheit der Routiniers. „Wir haben Spaß, setzen uns nicht unter Druck”, so Niemczyk. Das erklärt auch ihre Stärke in den engen Spielen, so wie im Halbfinale gegen die Polinnen. Der Sieg zeigt den Bayerinnen, dass sie auch international mithalten könnten. „Es ist eine schöne Bestätigung. Wir wissen, dass die deutsche Tour hochklassig ist. Es ist schön zu sehen, dass wir auch die mal schlagen können”, sagte Niemczyk, die sich als „großer Fan” ihrer Gegnerin Monika Brzostek outete. Früher schaute sie Brzostek bei deren Olympia-Teilnahmen zu. „Da ist es cool, mal gegen sie spielen zu dürfen. Das hätte ich hier in Deutschland nicht erwartet.”

Traumhaft verlief das Turnier auch für Tobias Brand und Jonas Reinhard, die sich überraschend bis ins Finale schmetterten und blockten. Für die Youngster der größte Erfolg ihrer Karriere. „Das bedeutet uns alles, ich bin unfassbar glücklich, weiß gar nicht, was ich sagen soll”, sagt Brand strahlend. Nach den ersten Spielen, in denen sie angesichts des Windes „steif gegangen seien” stellten sie ihr Spiel um, spielten überlegter und passten sich perfekt an den Wind an. „In Riccione haben wir schon mit Wind gespielt, haben daher etwas Gefühl dafür”, berichtete Brand.

Tobias Brand spielt in der Halle und im Sand auf Topniveau

Das Duo aus Mainz, das für Düren startet, ist seit 2018 so richtig auf der deutschen Tour dabei. In der Halle spielten beide zusammen in Mainz 2. Liga. „Wir sind beide nicht die Kleinsten, beide nicht die Größten und wechseln uns in Block und Abwehr ab”, sagt Brand. „Wir kennen uns so lange, wissen genau, was der andere kann.” Im Halbfinale setzten sie sich nervenstark gegen die Leipziger Glücklederer/Kühlborn mit 2:1 durch. Im Finale hielten sie gegen die Turnierfavoriten Poniewaz einen Satz lang auf Augenhöhe mit und mussten beim 0:2 (19:21, 12:21) erst im zweiten Satz Lehrgeld zahlen.

Den Erfolg in St. Peter Ording werden beide mit einem guten Tröpfchen feiern. Denn Tobias Brand ist als angehender Winzer Fachmann dafür. Ab Herbst wird er in der Halle in der 1. Liga für Düren aufschlagen. Auch Jonas Reinhardt hatte Angebote aus der 1. Liga, will sich aber auf sein Bauingenieursstudium und Beach-Volleyball konzentrieren. Bei Brand ist noch unklar, ob er sich für die Halle oder den Sand entscheidet. „Bei mir läuft das gerade parallel, mir macht beides Spaß”, sagt er. „Ich werde die erste Saison in der 1. Liga abwarten und mich dann entscheiden.” Vielleicht bei einem guten Tropfen Wein.

    beach-volleyball.de Partner

    • Mikasa
    • Schauinsland Reisen
    • Techniker Beach Tour
    • Die Techniker
    • Website WM