Mit Blick auf Olympia 2024: Tillmann trainiert ab sofort in Hamburg

Beach national

Vize-Europameisterin Cinja Tillmann wechselt an den Bundesstützpunkt in Hamburg und bildet dort mit Nachwuchshoffnung Svenja Müller ein neues Beach-Volleyball-Duo. Auch Lukas Pfretzschner und Robin Sowa wagen den Schritt in die Hansestadt.

Neue Gesichter in Hamburg

In der vergangenen Woche war sie noch mit einer Klage gegen die Nominierungspraxis des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) erfolgreich, nun wechselt Vize-Europameisterin Cinja Tillmann an den Bundesstützpunkt in Hamburg und damit in die Strukturen des Verbandes. „Ich habe mich zu diesem Schritt entschlossen, um perspektivisch für mich passende Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Paris zu schaffen”, erklärte Tillmann in einer Pressemitteilung des DVV. Im gleichen Zuge gab der Verband bekannt, dass auch die Nachwuchstalente Svenja Müller (19 Jahre), Lukas Pfretzschner (20) und Robin Sowa (21) nach Hamburg gehen werden.

Der Wechsel nach Hamburg bedeutet gleichzeitig die Trennung von Kim Behrens, denn Tillmann wird im kommenden Jahr mit Svenja Müller spielen. Nachdem Behrens sich schon Anfang des vergangenen Jahres auf Partnersuche machen musste, ist jetzt erneut erst einmal offen, mit wem sie weiterspielen wird. Sie befindet sich allerdings ebenfalls in Gesprächen mit dem “Head of Beach-Volleyball” Jürgen Wagner und soll weiterhin gefördert werden.

Dass Behrens und Tillmann sich zur Klage gegen den Verband entschlossen haben, obwohl sie der Weg in ihrer sportlichen Karriere in das System des DVV führt, zeigt den Mut der beiden Sportlerinnen. Schon während der Saison liefen Gespräche zwischen Tillmann und Jürgen Wagner, im Juli war Tillmann wie auch Behrens zu einer Sichtung der Abwehrspielerinnen in Hamburg. Beide standen vor der großen Herausforderung, mental zwischen dem laufenden juristischen Streit und sportlichem Fortschritt trennen zu müssen. Es scheint, als wäre es ihnen gelungen.

Entwicklung steht im Vordergrund

“Trotz der sicherlich angespannten Situation bin ich frohen Mutes, dass sich über eine sportliche Zusammenarbeit wieder ein anderes Verhältnis entwickeln kann. Das ist zumindest mein Wunsch”, sagt Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beach des DVV. Hildebrand betont, dass der Verband Tillmann (und auch Behrens) bereits gefördert habe, über die Perspektive für die Olympischen Spiele 2021 habe eine unterschiedliche Meinung bestanden. Für Olympia 2024 “hatten wir sie bei einer entsprechenden Entwicklung die ganze Zeit auf dem Zettel”, sagt Hildebrand. Diese Entwicklung hat die 29-jährige Tillmann unter dem Trainerteam Hans Voigt, Thomas Kaczmarek und Klaus Martin Stuhlmann genommen, ihren Höhepunkt fand sie vor wenigen Wochen bei den Europameisterschaften.

“Wir möchten Cinja und Svenja individuell auf ihrer Position bestmöglich entwickeln. Im Team kann Cinja als der erfahrene Part ihre Ruhe, Zuversicht und ihr taktisches Verständnis einbringen”, erhofft sich Hildebrand. Jürgen Wagner bescheinigt der neuen Konstellation ebenfalls großes Potential: “Cinja gehört zu den besten Abwehrspielerinnen Deutschlands, Svenja ist eines der größten Talente im Block. Ich sehe in diesem Team eine sportliche Zukunft, in der sie international oben angreifen können.”

Drei weitere neue Spieler und Spielerinnen in Hamburg

Für Nachwuchshoffnung Svenja Müller ist der Schritt an den Stützpunkt in Hamburg der nächste von langer Hand geplanter Schritt. Schon seit ihrem 14. Lebensjahr wird die 1,93 Meter große Blockspielerin von Wagner bei einem behutsamen Aufbau ihrer Karriere beraten. Bisher lebte sie in Dortmund und fuhr einmal in der Woche aus ihrer Heimatstadt zum Beach-Volleyball-Training nach Düsseldorf. Dort trainierte sie unter der Regie des ehemaligen Europameisters und mehrfachen Deutschen Meisters, Markus Dieckmann, der auch schon mit Julius Thole und Clemens Wickler erfolgreich weiterentwickelt hat. „Die Zusammenarbeit mit Markus ist super und das Techniktraining bringt mir total viel”, zeigte sich Müller im Januar trotz der Pendelei begeistert. „Selbst Außenstehende sagen, dass ich mich in letzter Zeit technisch verbessert habe.” In Eigenregie stand darüber hinaus wöchentlich noch dreimal Krafttraining und zweimal Hallentraining mit ihrem bisherigen Verein, dem TV Hörde, in Dortmund an. 

Für Aufsehen sorgte Müller in diesem Jahr bei der Beach-Liga, die sie an der Seite von Nationalspielerin Karla Borger gewann. Erstmals gelang ihr außerdem gemeinsam mit Sarah Schulz die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Dort belegte das Duo einen sehr guten fünften Platz, unter anderem, weil sie das Perspektivnationalteam Leonie Körtzinger/Sarah Schneider schlugen. Weil die 19-Jährige in diesem Jahr ihr Abitur bestand, ist nun der Weg frei für die nächste Phase. “Ich finde es sehr gut, dass ich den Fokus voll auf den Sport lege und blicke auch mit ein wenig Aufregung in die Zukunft”, wird Müller in der Pressemitteilung zitiert.

Pfretzschner und Sowa wagen sich in den Erwachsenen-Bereich

Ebenfalls lange geplant ist der Wechsel des Nachwuchsteams Lukas Pfretzschner (20) und Robin Sowa (21) von Berlin nach Hamburg. Beide Spieler gehören zu den größten Nachwuchshoffnungen des DVV, seit 2019 bilden sie ein Duo und arbeiteten am Berliner Stützpunkt unter Kay Matysik. In ihrer ersten gemeinsamen Saison wurden sie U22-Vize-Europameister und WM-Fünfte, national blieben sie eher unter den hohen Erwartungen.

In diesem Jahr plagten Robin Sowa lange Schulterprobleme, Lukas Pfretzschner gewann mit dem Niederländer Steve van de Velde ein Turnier der Top-Teams. Mit dem 13. Platz bei den Deutschen Meisterschaften können sie nicht zufrieden sein. “Individuell haben sie sich gut entwickelt, die sportlichen Leistungen sind ganz unterschiedlich, insgesamt eher durchwachsen”, so Hildebrand. “In Hamburg möchten wir ihnen den Weg für eine international erfolgreiche Karriere ebnen”, ergänzt Wagner.

Alle Spieler und Spielerinnen stehen nun vor der Herausforderung, aus einem bekannten Umfeld in ein neues System mit neuen Trainern und Trainerinnen zu kommen. In der Vergangenheit hat das für einige Athleten funktioniert, für andere nicht. Jürgen Wagner und Niclas Hildebrand sind davon überzeugt, dass der Wechsel fruchten wird.

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