Mit der Entscheidung im Reinen

DM Timmendorfer Strand 31.08. - 03.09.2017

Im September 2016 beendeten zwei Spielerinnen, die den deutschen Beach-Volleyball über Jahre mitprägten, ihre langen, erfolgreichen Karrieren. Knapp ein Jahr später haben wir mit Katrin Holtwick und Ilka Semmler über ihr Leben nach dem Sport, ihre Uni-Laufbahn und den deutschen Beach-Volleyball gesprochen.

Wohldurchdachte Entscheidung

Es war einer der bewegenden Momente der letztjährigen Deutschen Meisterschaften im Beach-Volleyball. Minutenlang applaudierten die Zuschauer vor der Timmendorfer Seebrücke. Es war, als wollten sie die Protagonistinnen zu einer Zugabe animieren. Doch an dem über und über mit Menschen gefüllten Strandabschnitt vor Court zwei hatte gar kein Konzert stattgefunden, sondern das letzte Spiel der Beach-Volleyball-Nationalspielerinnen Katrin Holtwick und Ilka Semmler.

Nach zehn gemeinsamen Jahren verabschiedeten sie sich vom professionellen Beach-Volleyball. Für die ehemalige Abwehrspielerin Holtwick, heute 33, war es „persönlich einfach an der Zeit, aufzuhören. Das war keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern ein Prozess, der schon über zwei Jahre andauerte.“

Die Einschränkungen von Beach-Volleyball-Profis sind groß. Bis zu 200 Tage im Jahr sind sie unterwegs, reisen von Trainingslager zu Trainingslager, von Turnier zu Turnier. Viel Zeit für Freunde und Familie bleibt da nicht. „Schlussendlich war genau das dann auch ausschlaggebend für die Entscheidung, die aktive Karriere zu beenden. Irgendwann wird das Leben nach dem Sport einfach wichtiger“, gibt Holtwick zu. Ein vorzeitiges Karriereende stand dennoch nie zur Debatte: „Meine Zeit als Beach-Volleyballerin hat mein Leben so bereichert. Ich habe so viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, habe so viele Ort gesehen, an die ich sonst nie gekommen wäre“, schwärmt ihre ehemalige Spielpartnerin Semmler, 31.


Früchte einer langen Zusammenarbeit

Der Erfolg gibt ihnen Recht: WM-Vierte 2015, EM-Zweite 2010, Grand-Slam-Sieg 2014, Olympia-Neunte 2012, 17 Medaillen auf der World Tour, sieben auf der europäischen Tour und zwei Meistertitel in Timmendorfer Strand 2009 und 2012 – die Liste der Triumphe von Kathrin Holtwick und Ilka Semmler ist lang.

Da verwundert es nicht, dass es Holtwick schwerfällt, eine Erinnerung hervorzuheben: „Es gab so viele schöne Momente, sich auf eine einzelne zu beschränken, würde der Sache nicht gerecht werden. Unser erstes Turnier und unsere erste Deutsche Meisterschaft werden mir sicherlich im Kopf bleiben. Genauso wie die Olympischen Spiele in London und unser Sieg in Gstaad. Aber am wertvollsten sind die Freundschaften, die sich über die Jahre gebildet haben, all die Erinnerungen und Erfahrungen fürs Leben.“

Der ganz große Erfolg blieb aber aus, einen großen Titel gewann das Team nicht: „Natürlich gibt es immer zwei Seiten, immer wieder Aufs und Abs. Gerade auf die Weltmeisterschaft schaut man schon mit einem kleinen weinenden Auge. Aber auch das gehört dazu“, so Semmler.

Im Gegensatz zu eingen anderen Duos waren Katrin Holtwick und Ilka Semmler auch neben dem Court befreundet: „Wir verstehen uns immer noch gut und sehen uns regelmäßig. Es wäre auch komisch, wenn das auf einmal aufhören würde“. Gemeinsam im Sand standen sie seit über einem Jahr nicht mehr: „Ich hatte seit Timmendorf vielleicht einmal den Beach-Volleyball in der Hand“, lacht Semmler, „den Abstand habe ich aber auch gebraucht“. Bei ihrer Partnerin sieht das nicht viel anders aus: „Ich habe seitdem vielleicht zwei- bis dreimal gespielt. Am Anfang hatte ich auch einfach genug vom Beach-Volleyball, danach fehlte in dem ganzen Uni-Stress aber auch einfach die Zeit. Da ist das einfach auf der Strecke geblieben“, so Holtwick.


Perspektive getauscht

Das Interesse für Profi-Beach-Volleyball ist aber nicht abgeflaut, ganz im Gegenteil: Die Berlinerinnen gehören nun zu denjenigen, die „sich immer hinterm Laptop klemmen“ (Holtwick), sich die Spiele als Fans anschauen – und die Entwicklungen des deutschen Beach-Volleyballs verfolgen. Dort hat sich seit ihrem Abschied einiges bewegt: Der „Strukturplan 2020/2024“ wurde vorgestellt, neue Bundestrainer und eine Sportdirektorin angestellt und der Bundesstützpunkt Hamburg eingeführt.

Grundsätzlich begrüßt Holtwick den Weg, alle Top-Spieler an einem Standort zu versammeln, sagt aber auch: „Für den Sportler ist dieser Ansatz mit einer riesigen Umstellung verbunden. Gerade die alten Hasen sind ein anderes System gewohnt. Die leistungssportliche Sicht ist aber der einzige Blickwinkel, der zählt. Gute Kommunikation ist jetzt wichtig, nach einem holprigen Start gilt es nun, die Basis richtig herzustellen.“

Das Duo hat sich sein Erfolg in Berlin selbst hart erarbeitet – eine Zentralisierung wie sie momentan angestrebt wird, hat ihnen dabei nicht gefehlt. „Es gab Spieler, die sich das schon früher gewünscht haben. Wir konnten dagegen von Anfang an in perfekten Strukturen trainieren, hatten immer ein großes Team und waren nie auf uns alleine gestellt. Ich bin aber froh, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen“, erklärt Semmler.


Schreibtisch als neuer Arbeitsplatz

Für beide ging es nach dem emotionalen Abschied in Timmendorfer Strand Schlag auf Schlag weiter. „Urlaub hätte ich gerne gemacht, aber dafür blieb leider keine Zeit. Die Uni hat gerufen, ab Oktober gingen direkt die Kurse los. Überhaupt war es ein hartes Jahr, in zehn Monaten hatten wir beide gleich fünf mündliche Prüfungen“, erzählt Semmler.

Noch während ihrer aktiven Laufbahn haben beide an die Karriere nach der Karriere gedacht und ein Studium begonnen, nun stehen sie kurz vor dem Abschluss in Reha-Pädagogik. „Es war immer im Hinterkopf, nach dem Beach-Volleyball das Studium abzuschließen. Jetzt fehlt nur noch die Diplomarbeit – die aber bis Ende September fertig sein muss“, berichtet Katrin Holtwick.

Pläne für eine Rückkehr in den professionellen Beach-Volleyball-Zirkus gibt es (noch) nicht. „Man soll ja niemals nie sagen, aber eigentlich ist das kein Thema für mich“, sagt Semmler. Auch für Holtwick, die mit dem Junioren-Bundestrainer Elmar Harbrecht verheiratet ist, spielt das keine große Rolle in ihren Plänen. „Nichts ist ausgeschlossen. Aber wenn ich ehrlich bin, ist das kein Thema in meinem Leben."

Für sie steht jetzt sowieso auch noch etwas anderes Großes an. Die ehemalige Weltklasse-Abwehrspielerin war bekannt für ihr Sixpack, beim World Tour Final in Hamburg war sie als Zuschauer vor Ort und sah glücklich aus, als sie ihre Hände auf den schwangeren Bauch legte.

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