Mit der Leichtigkeit im Sand

EM-Klagenfurt: Gruppenphase Männer

Vor vier Monaten wurde bei dem italienischen Beach-Volleyballer Daniele Lupo ein Tumor diagnostiziert. Acht Wochen später stand er schon wieder im Sand. Bei der Europameisterschaft in Klagenfurt will er mit Partner Paolo Nicolai seinen Titel verteidigen.

Bis zum Ende gehen

Daniele Lupo wirkt manchmal ein wenig abwesend. Wenn sein Partner Paolo Nicolai Interviews in unterschiedlichen Sprachen gibt, steht der italienische Beach-Volleyballer stumm daneben, blickt unruhig in die Ferne und kaut auf der Innenseite seiner Wange herum – so als würde ihn der ganze Rummel überhaupt nichts angehen.

Dabei hat nicht nur Nicolai sondern auch Lupo durchaus ein Wörtchen mitzureden beim europäischen Kräftemessen, das am Dienstag in Klagenfurt begann. 2014 gewannen das Duo die EM in Cagliari, jetzt sind sie nach Österreich gereist, um ihren Titel zu verteidigen. Lupo, 24 ist aber kein großer Redner. Vor allem vor einer große Ansammlung an Menschen scheut er sich zu sprechen. Seine Englischkenntnisse seien für solche Anlässe zu schlecht, verrät er. Trifft man den zurückhaltenden Abwehrspieler abseits des Trubels, hat er allerdings so einiges zu erzählen:


Lehrgeld in Fregene


Aus Fregene stammend, einem der bekanntesten Badeorte an der römischen Küste, hat Lupo, anders als die meisten Beacher, noch nie Hallen-Volleyball gespielt. Von Kindesbeinen an trieb er sich am Strand seines Heimatortes herum und wurde dort schnell in den von seinem Vater und Großvater initiierten Wettbewerb integriert: Stundenlang spielten sie in der Form Drei gegen Drei mit Freunden am Strand. „Sie konnten das eigentlich gar nicht, es gab auch keine Regeln, außer, dass man das Netz nicht berührend durfte“, sagt Lupo. Diese Spiele arteten teilweise in richtige Schlachten aus, es wurde sogar um Geld gezockt. „Man durfte bloß keine Fehler machen, dann gab es richtig Ärger, das war eine gute Schule“, sagt Lupo lachend.

Mit Paolo Nicolai gehört er seit 2011 zu den stärksten Teams der Welt. Die beiden Italiener fallen vor allem durch ihre Unbeschwertheit auf. Selten sieht man, dass Lupo sich ärgert und selbst, wenn er ein Spiel verliert, huscht kurz nach dem Schlusspfiff wieder ein Lächeln über sein Gesicht. „Ich mache das vor allem aus Spaß“, sagt er. Diese Leichtigkeit im Sand hätte er in den vergangenen Monaten beinahe verloren: Im März fuhr Lupo wegen eine Entzündung im Knie nicht mit ins Trainingslager nach Teneriffa. Kurz darauf ging er ins Krankenhaus. „Das war aber nicht wegen des Knies, ich habe insgesamt gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist“, sagt Lupo.


Das kann noch nicht alles gewesen sein


Das Gefühl täuschte ihn nicht, die Ärzte diagnostizierten einem Tumor. „Wo der genau war, darüber möchte ich nicht sprechen“, sagt Lupo. Nur wenige Tage später wurde er operiert. Doch am schlimmsten seien die Tage nach der Operation gewesen, berichtet Lupo. Es war nicht klar, ob sich schon Metasthasen gebildet hatten und er sich noch einer Chemotherapie unterziehen müsste. „Es gab Tage, an denen habe ich gedacht, ich bin doch erst 24, es kann doch noch nicht alles gewesen sein“, sagt er.

Doch dann kam der Anruf des Arztes. „Er sagte, es ist alles vorbei und ich müsse nur zwei Wochen warten, bis die Wunde verheilt ist. Ich bekam Gänsehaut und fühlte mich wie neu geboren“, sagt Lupo. Im Mai stand er schon wieder auf dem Platz. Es folgten drei neunte und ein fünfter Platz auf der World Tour. Bei der Weltmeisterschaft im Juni musste sich Italiens stärkstes Duo aber mit einem enttäuschenden 17. Rang begnügen. „Am Anfang habe ich nicht mit der gleichen Leichtigkeit gespielt - sicher, weil ich viel nachgedacht habe, und durch die Pause hatte ich auch ein bisschen die Automatismen der Technik verloren“, sagt Lupo.


Dalhausser und Rosenthal entzweit


Inzwischen aber hat sich das Duo wieder eingespielt. Beim Grand Slam vergangene Woche in Yokohama bezwangen sie die brasilianischen Altmeister Ricardo/Emanuel, Olympiasieger 2004. Außerdem siegten sie gegen den US-Amerikaner Phil Dalhausser, Olympiasieger 2008, der gestern seine Trennung von Teampartner Sean Rosenthal bekannt gab.

Beide Teams sind bei der Europameisterschaft logischerweise nicht dabei, was die Chancen für Nicolai/Lupo nur verbessert. 500 Weltranglistenpunkte bekommen die Sieger. Die können die Italiener gut gebrauchen, um sich noch weiter von ihren nationalen Konkurrenten Adrien Carambula/Alex Ranghieri und den Zwillingen Matteo und Paolo Ingrosso abzusetzen im Kampf um die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Zunächst müssen sie aber die Gruppenphase der EM überstehen. Heute spielen sie gegen Gregory/Sheaf aus England (13 Uhr), bevor sie  am Donnerstag, ebenfalls um 13 Uhr auf das Berliner Duo Sebastian Fuchs und Thomas Kaczmarek treffen. Im Hinblick auf das sportliche Ziel ist Lupo wenig zurückhaltend: „Wir wollen hier auf jeden Fall bis zum Ende gehen“, sagt er.

Mehr über die Spiele mit deutscher Beteiligung und alle Infos rund um die EM findet ihr in unserem Special.

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