Mit kubanischem Blut aufs Podium

Beach-WM Wien 28.07.2017 - 06.08.2017

Kuba überrascht bei der Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft in Wien, mal wieder. Während Nivaldo Diaz und Sergio Gonzalez hohe Ziele haben, sind die Frauen Lidiannis Echeverria und Leila Martinez froh, überhaupt spielen zu dürfen.

Späte Hilfe vom Verband

Als Nivaldo Nadhir Díaz Gomez und Sergio Reynaldo Gonzalez Bayard bei der Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft 2015 in Den Haag das erste Mal international in Erscheinung traten, rieben sich sowohl Zuschauer als auch Spieler und Trainer ungläubig die Augen. Die beiden jungen Männer schienen aus dem Nichts zu kommen, belegten direkt den neunten Platz, ein Jahr später wurde sie sogar Fünfte bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro – und das alles, ohne je zuvor ein Turnier der FIVB World Tour gespielt zu haben.

„Das war ein finanzielles Problem“, erzählt Nivaldo. „Wir hatten keine Unterstützung vom Verband für internationale Turniere.“ Inzwischen hat sich das Blatt für den 23-Jährigen und Partner Sergio Gonzales (26) gewendet. Durch ihren großen Erfolg bei Olympia haben sie Beach-Volleyball in Kuba, dem Land, in dem Hallen-Volleyball nach wie vor das Maß aller Dinge ist, populär gemacht.

„In dieser Saison zahlt der Verband all unsere Reisen“, sagt Nivaldo. Er und Sergio haben die Investition direkt zurückgezahlt, indem sie bei ihrem ersten World-Tour-Turnier überhaupt, dem Ein-Stern-Turnier in Langkawi, direkt die Goldmedaille gewannen. Mit drei weiteren guten Ergebnissen auf der internationalen Turnierserie gelang ihren die Qualifikation für die Weltmeisterschaft über die Weltrangliste.


Auch kubanische Frauen in Wien top

Einen WM-Spot hatte Kuba schon sicher, weil Karell Peña und Daisel Quesada, die Trainingspartner von Diaz/Gonzales, den kontinentalen Platz über die NORCECA-Beach-Volleyball-Tour erspielt haben. Damit haben zum ersten Mal seit 2005 wieder zwei kubanische Männerteams bei einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Peña/Quesada sind am Dienstag bereits ausgeschieden. In drei knappen Partien kämpften die Kubaner um den Einzug in die K.o.-Phase, am Ende mussten sie sich aber mit drei Niederlagen aus dem Turnier verabschieden.

Kubanische Leidenschaft zeigten auch Lidy/Leila. Das einzige kubanische Damenteam im Wettbewerb besiegte am Dienstag zunächst Kolumbien und warf dann im Lucky Loser die Russinnen Birlova Makroguzova aus dem Turnier (21:14, 21:19). Am Mittwoch besiegten sie in der ersten K.o.-Runde auch noch das holländische Top-Team Meppelink/Van Gestel 2:0.

„Wir wollen möglichst weit kommen bei dieser WM, danach wird sich wieder niemand dafür interessieren“, sagt Leila Ortega. Auf der World Tour dürfen sie und Partnerin Lidianny Bentinez nicht starten. „Unser Verband interessiert sich nur für die großen Turniere“, sagt die 23-Jährige. Ohne finanzielle Unterstützung haben sie keine Chance, auf auf der internationalen Turnierserie ihr Können zu zeigen, von dem Sport zu leben, kann sich die Studentin der Zahnmedizin daher auch nicht vorstellen.


Vom Schachbrett aufs Beach-Feld


Diaz/Gonzales haben höhere Ziele. „In Wien wollen wir es aufs Podium schaffen“, sagt Nivaldo. Vor zehn Jahren wusste er noch nicht einmal, wie Beach-Volleyball funktioniert. „Ich war ein erfolgreicher Schachspieler und hätte es beinahe ins kubanische Nationalteam geschafft“, erzählt er. Beim entscheidenden Turnier für die Auswahl scheiterte er aber.

„Mein Vater hat dann gesagt, ich wäre ohnehin zu groß, um am Schachbrett zu sitzen“, sagt Nivaldo lachend. Beach Volleyball begann er, weil nicht wusste, was er sonst tun sollte. „Im Hallen-Volleyball gab es keinen Platz für mich, ich war mega dünn, hatte keine Ahnung. Im Beach hatte ich dann aber eine super Trainerin, die mich extrem gefördert und weiterentwickelt hat.“


Traum von erster WM-Medaille für Kuba


Die Physis der Kubaner ist außergewöhnlich. „Ich glaube, kein Spieler, der bei der WM antritt, verfügt über unsere Ausdauer- und Widerstandsfähigkeit, das ist unser größter Vorteil“, sagt Nivaldo. Über ihre Körperlichkeit kompensieren sie auch ihre fehlende internationale Turniererfahrung. Eine andere Basis für ihren Erfolg sieht Nivaldo in ihrer Herkunft: „Kubaner sind einfach gut im Volleyball, wir haben das im Blut.“

Gemeinsam wollen Diaz/Gonzales die erste WM-Medaille für Kuba holen und ihr Land damit ins Scheinwerferlicht der Beach-Volleyball-Welt rücken. „So ein großer Erfolg könnte dem Beach-Volleyball in Kuba einen großen Schub verleihen“, glaubt Nivaldo.

Alle Infos zur WM 2017 gibt es hier

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