Nach dem Wechsel-Wusel: Das sind die Frauen-Nationalteams

Nationalteams

Der große Winter-Wirbel ist vorüber, jetzt messen sich die deutschen Frauen-Nationalteams erstmals auf internationaler Bühne. Wir haben uns die vielversprechenden Konstellationen um Ludwig/Kozuch und Co. einmal genauer angeschaut.

Wenn sich das Karussell dreht

Mit dieser Konstellation hatte niemand in der Beach-Szene gerechnet. Als der Verband Ende März zu einem Media Day einlud, um im Hamburger Olympiastützpunkt seine Nationalteams für die Saison 2019 zu präsentieren, mussten die Macher fast alle alten Namensschilder wegschmeißen, die noch im Archiv 2018 schlummerten, und neue ausdrucken.

Die einstigen Kombinationen Ludwig/Walkenhorst, Laboureur/Sude, Borger/Kozuch und Ittlinger/Behrens sind Geschichte. In der Hansestadt stellten sich drei umformierte Duos vor: Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur, Karla Borger und Julia Sude sowie Margareta Kozuch und Laura Ludwig. Einzig Victoria Bieneck und Isabel Schneider waren nicht auf das sich rasant drehende Personalkarussell aufgesprungen. „Wir sind in dem ganzen Wechsel-Gewusel gut gefahren, nur bei uns zu bleiben”, sagt Isabel Schneider.

Zur Erinnerung: Bislang lauteten die Teams, die in der Vergangenheit international für den Verband aufgetreten sind, Ludwig/Walkenhorst, Borger/Kozuch, Laboureur/Sude und Ittlinger/Behrens.

Kurz begrüßt, mehr aber auch nicht

Die Vorstellungsrunde am Dulsbergbad in Hamburg war für die eine oder andere das erste Wiedersehen mit ehemaligen Teamkolleginnen. Wie für Chantal Laboureur und Julia Sude. „Wir sehen uns heute das erste Mal wieder, haben uns kurz begrüßt, mehr aber auch nicht”, sagte Chantal Laboureur. Für die Abwehrspielerin ist die Trennung von Sude abgehakt, sagt sie zumindest: „Der Zeitpunkt war falsch, aber es bringt nichts, weiter darüber nachzudenken.” Mit Verweis auf die kommenden Wochen und Monate: „Wir sehen uns ja noch häufiger bei den Turnieren.”

Und vielleicht schon bald als Gegnerinnen, wie möglicherweise beim Vier-Sterne-Turnier im chinesischen Xiamen, das in dieser Woche beginnt. Dort präsentieren sich die Nationalteams erstmals komplett. Kozuch/Ludwig kommen in den Genuss einer Wild Card, die anderen haben auch in neuer Formation genug Weltranglistenpunkte, um gleich im Hauptfeld zu starten.

Interessant dabei: Ittlinger/Laboureur liegen aktuell mit 2.440 Punkten im Entry Ranking vor Borger/Sude (2.400), Bieneck/Schneider (2.160) und Kozuch/Ludwig (1.985). Xiamen wird somit gleich zur ersten und extrem wichtigen Standortbestimmung. Denn für die Zukunft hat Niclas Hildebrand als Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes eine unmissverständliche Stallorder ausgebeben: „Nur die ersten drei der Weltrangliste bekommen einen Platz im Hauptfeld, die Nummer vier muss sich durch die Qualifikation quälen.“

Ludwig/Kozuch suchen gemeinsame Sprache

Und dort kennt sich nicht jeder wirklich aus. Bei Laura Ludwig, immerhin Olympiasiegerin und Weltmeisterin, liegt es fast vierzehn Jahre zurück, als sie sich noch über die Quali-Runde ein Ticket für die Main-draw-Spiele erarbeiten musste.

Insbesondere ihr erstes Auftreten mit Margareta Kozuch an der Seite wird mit Spannung erwartet. Ludwig ist es gewohnt, im Fokus zu stehen, doch jetzt erfährt sie eine neue Herausforderung. „Wir müssen noch auf eine gemeinsame Sprache kommen”, sagte sie in Hamburg. Codewörter und Gesten wollen nicht nur im Training, sondern vor allem im Wettkampf einstudiert werden. Außerhalb des Spielfeldes brauchen sie das nicht, da strahlen sie eine tolle Harmonie aus. Man kennt sich ja bereits seit vielen Jahren.

Borger/Sude: Zwei Routiniers mit Know-How im Trainerteam

Das gilt auch für Karla Borger und Julia Sude, die gern darauf verweisen, bereits als Kinder am Rand nationaler Beach-Turniere zusammen gespielt zu haben, während Mama Cordula Borger und Papa Burkhard Sude noch selbst aktiv waren. Nun gilt für die Töchter die Devise: „Anderthalb Jahre Vollgas geben”, sagt Karla Borger, „dann sind wir in Tokio und spielen bei Olympia mit.” Für sie wäre es nach 2016 (mit Britta Büthe) die zweite Teilnahme an Sommerspielen; für Julia Sude die erste, obwohl sie – genauso wie Laura Ludwig – bereits seit 2003 auf der internationalen Bühne den Sand durchwühlt.

Im Kampf um ein Ticket für die nächsten Sommerspiele werden sie von Burkard Sude und Igor Prielozny unterstützt. Prielozny ist in Deutschland bislang nur als früherer Bundestrainer der Hallen-Männer bekannt, im Sand hat er sich einst um ein österreichisches Frauen-Team gekümmert. Hildebrand sieht in der Kombination viel Power: „Karla und Julia sind zwei Routiniers mit sehr viel internationaler Erfahrung. Dazu kommt das Know-how im Trainerteam, das die beiden pushen wird.”

Borger/Sude trainieren in der Regel am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Kozuch/Ludwig und Bieneck/Schneider haben ihre Zelte in Hamburg aufgeschlagen. Ittlinger/Laboureur haben dagegen noch keine feste Homebase und wollen erst einmal die Entwicklung der Saison abwarten. Ihre Coaches sind Kay Matysik, Ex-Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer, und der Brasilianer Ricardo Brunale de Andrade Vento, der zuvor Laboureur/Sude betreute.

Unterschätzte Jung-Nationalspielerin mit Potential

Sandra Ittlinger ist mit 24 Jahren die jüngste Nationalspielerin, die sich riesig auf die Herausforderung freut: „Ich war völlig überrascht, als mich Chantal angerufen hat.” Für Niclas Hildebrand ist das weniger ungewöhnlich: „Sandra wird oft unterschätzt, ich halte sie für eine heiße Kandidatin für die Spiele 2024.”

Im Gegensatz zu den anderen Nationalteams, haben sie noch kein Turnier zusammen bestritten. Das ändert aber nichts an der Zuversicht und Unbekümmertheit, die vor allem Ittlinger ausstrahlt. „Am Ende der Saison wäre es schön, wenn wir sagen können, als neue Kombi durch viel Power überrascht zu haben und eine große Chance auf Tokio zu haben”, sagt sie.

Bieneck/Schneider: Feilen an der Stabilität

Aber wer will das nicht. Bis zum 15. Juni 2020 läuft die Qualifikations-Phase für die Spiele in der japanischen Hauptstadt. Es ist mehr als ein Marathon, jedes Turnier hat seine Wichtigkeit. Dementsprechend sind Victoria Bieneck und Isabel Schneider froh, den Winter über konsequent und zielstrebig trainieren haben zu können. Vor allem an der Stabilität haben sie gefeilt, denn im letzten Jahr war dieses Element der Hemmschuh zu größeren Erfolgen. Von allen FIVB-Starts kehrten sie mit einer Top-Ten-Platzierung zurück und etablierten sich in der Weltspitze. Was fehlte, war der Sprung auf ein Siegerpodest und damit die längst fällige Medaille.

Das wollen die Deutschen Meisterinnen von 2018 in diesem Jahr ändern: „Nach den guten Leistungen im letzten Sommer wollen wir stabiler auftreten und endlich auch bei internationalen Events wieder eine Medaille gewinnen”, sagt Victoria Bieneck. Mit Platz neun beim Drei-Sterne-Turnier in Sydney hat es noch nicht geklappt, doch die Zuversicht ist groß: „Wir haben im letzten Jahr viele Top-Teams geschlagen und trauen uns jederzeit ein Halbfinale zu”, so Isabel Schneider. Schon in Xiamen könnte der Knoten endlich platzen.

Das Turnier in der Hafenstadt an der Südostküste Chinas ist im Übrigen für Bieneck/Schneider ein gutes Pflaster: 2017 holten sie dort Bronze. Sie sind nicht die einzigen Deutschen, die dort gute Platzierungen einfahren konnten: Ludwig/Walkenhorst wurden 2013 Dritte, Holtwick/Semmler im gleichen Jahr und zwei später Vierte, Laboureur/Sude landeten 2016 ebenfalls auf Rang vier.


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