Nach Frust kam Lust: Eric Stadie hat seinen Weg gefunden

Techniker Beach Tour

Vor einem Jahr wurde die Spielerkarriere des Berliners ausgebremst. Heute stehen neue Ziele als künftiger Trainer im Vordergrund.

Vor zwölf Monaten sah die Welt von Eric Stadie noch anders aus

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, als Eric Stadie in der deutschen Beach-Volleyball-Szene für Wirbel sorgte. Per Dekret durch den DVV hatte man den damals 22-Jährigen von seinem Partner Robin Sowa getrennt. Sowa gilt als großes Talent und sollte künftig an der Seite von Lukas Pfretzschner spielen. Per Facebook-Post machte Eric Stadie seinem Unmut Luft: „Robin wurde klar gemacht, dass er entweder mit Lukas Pfretzschner ein neues Team bilden kann, oder ihm mehrere Steine in seine sportliche Laufbahn gelegt werden”, sagte Stadie Anfang Januar 2019, der mit der Umgangsweise zwischen Entscheidungsträgern und Athleten haderte: „Ich distanziere mich von diesem System und bin fassungslos, dass einem jungen Sportler mit Förderungsentzug und weiteren Konsequenzen gedroht wird.”

Natürlich sah Niclas Hildebrand als DVV-Sportdirektor Beach das anders. Er berichtete, dass er Sowa einen Partnerwechsel zu Lukas Pfretzschner empfohlen hatte – dazu gezwungen habe er aber niemanden, so Hildebrand. Er könne den Frust von Stadie zwar verstehen, seine Aufgabe als Sportdirektor des Verbandes sei es aber, die Perspektivduos bestmöglich aufzustellen. „Wir schauen perspektivisch auf die Olympischen Spiele 2024. Da reden wir heute über Wahrscheinlichkeiten, welche Spieler dann dort starten”, sagte Hildebrand. Das Potenzial dafür sag er eher bei den Athleten Robin Sowa und Lukas Pfretzschner – und nicht bei Eric Stadie. „Ich war überrascht, dass Robin dann meiner Empfehlung gefolgt ist”, so Hildebrand. Er räumte ein, dass er „einmal mehr den Telefonhörer in die Hand” hätte nehmen können.

Der Blick geht nach vorn und die Sichtweisen ändern sich

Zwölf Monate später haben sich die Wogen der Entrüstung längst gelegt, man redet und arbeitet wieder miteinander. Stadie und Sowa haben sich sowieso immer gut verstanden, sagt Stadie: „Mein Verhältnis zu Robin hat nie darunter gelitten. Ich habe auch seine Entscheidung nachvollziehen können.” Aber: „Für mich war es im ersten Moment ein Schlag ins Gesicht.” Heute kann er sagen, dass die langfristige Planung mit Sowa/Pfretzschner nachvollziehbar ist. Zu seinem Aufschrei von damals steht er trotzdem: „Es wäre falsch gewesen, mich nicht aufzuregen und es sang- und klanglos hinzunehmen. Es zeigt nur, wie viel mir Beach-Volleyball Wert ist. Vielleicht habe ich ein wenig überzogen, inzwischen kann ich alles besser verstehen. Meine Kritik zielte darauf, dass nur mit Robin und nicht mit mir geredet wurde.” Das Thema ist für ihn abgehakt. „Ich glaube nicht, dass ich verbrannte Erde hinterlassen habe, heute sieht die Kommunikation viel besser aus.”

Stadie blickte schnell nach vorn und entwickelte neue Pläne. Als Spieler und künftiger Trainer. Für die Techniker Beach Tour fand er mit Dan John einen neuen Partner und lieferte starke Ergebnisse: Zweiter in Fehmarn, Vierter in Dresden und fünfte Plätze in Nürnberg, St. Peter-Ording sowie bei den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand. Künftig soll Dan John aber auch als Abwehrer spielen, weshalb sich das Team nach nur einem Sommer wieder auflöst. Stadie ist auf Partnersuche, unterschrieben sei noch nichts, sagt er, „aber mögliche Partner können Sebastian Fuchs oder Matti Binder sein”. Mit Fuchs, der noch an einem Achillessehnenabriss laboriert, hat er bereits 2017 ein Duo gebildet.

Es gab nur Volleyball, Volleyball und Volleyball

Für Eric Stadie hat die Zukunft auf dem Court aber nicht mehr oberste Priorität: „Ich will weiter spielen, bis ich mal zu schlecht oder zu alt bin. Aber meine spielerische Karriere steht jetzt unter dem Aspekt Spaß und Leidenschaft.” Zuletzt hat er sich ohnehin nicht mehr als Top-Leistungssportler gesehen und hatte auch keine Olympia-Träume mehr. „Meine Ziele als Spieler haben sich verändert. Das kam durch viele kleine Dinge. Zum einen durch die fehlende Anerkennung und Wertschätzung meiner Leistungen.” Immer wurde auf die internationale Perspektive geschaut und ihm wurde früh klar gemacht, dass es schwer für ihn bleibt: „Vor allem weil ich zu klein war. 1,89 Meter klingt gut, reicht aber heutzutage nicht für die Spitze.” Das sorgte für Frust. „Als 14-Jähriger war ich mit 120 Prozent dabei und es gab nur Volleyball, Volleyball und Volleyball. Entweder schafft man es trotzdem und sagt sich, jetzt erst Recht. Oder man kommt auf den Weg, dass es noch andere Dinge gibt, für die es sich lohnt zu arbeiten, privat wie im Sport. Ich war nicht bereit, für den Sport alles hintenan zu stellen.”

Eric Stadie hat sich für einen neuen Weg entschieden. „Es war schon früher mein Plan, nach der aktiven Karriere im Beach-Volleyball zu bleiben. Ich will jetzt einen Einstieg finden in das Trainergeschäft als Beruf und in den nächsten zwei, drei Jahren die notwendigen Scheine machen.” Den C-Schein hat er bereits in der Tasche. Aktuell arbeitet er als Honorartrainer und Übungsleiter, auch bei den Hallen-Teams des VCO Berlin, am Bundesstützpunkt Berlin. Seine Zukunft als Coach liegt aber im Sand: „Ich sehe mich eher im Beach-Volleyball.” Am Stützpunkt konnte er auch schon mal Kay Matysik vertreten, als der Nachwuchs-Bundestrainer zur Bundeswehr musste. „Aktuell sauge ich alles auf, was ich mitnehmen kann. Hier am Stützpunkt habe ich die besten Voraussetzungen. Das ist der perfekte Einstieg. Gerade bei Kay Matysik zu lernen, ist eine tolle Chance für mich.”

Die eigenen Erfahrungen helfen weiter

Den Stützpunkt kennt er aus eigener Erfahrung, von 2012 bis 2019 war Eric Stadie als Spieler Teil des Systems, überwiegend in der Halle, aber parallel auch als Beach-Volleyballer. Von Trainern wie Franko Hölzig, Elmar Harbrecht und Stefan Benderoth hat er sich einiges abgeschaut, weiß aber auch, dass der Umstieg nicht leicht ist. „Ich will lernen, die Spieler so abzuholen, dass sie das Training aufbaut und motiviert, aber auch zu akzeptieren, wenn mal einer nicht mit voller Kraft durchtrainieren kann, weil er noch in der Schule gefordert ist. Das ist neben dem Technik- und Taktikpart sicher der wichtigste Bereich.” Aus eigener Erfahrung weiß er, dass die Frage auf ihn zukommen wird: „Wie gehe ich mit Spielern um, die noch unter 18 und in der Schule sind und ihre pubertäre Phase noch nicht abgeschlossen haben? Ich weiß ja selbst, wie anstrengend dieses Leben ist.”

In der eigenen Ausbildungsphase hat er vermisst, darauf vorbereitet zu werden, „wie das Leben außerhalb dieses Systems ausschaut”: „Wie vermarkte ich mich, wie gehe ich mit meinem Kapital um? Darauf müssen die Talente vorbereitet werden, denn es geht ja nicht nur darum, gut zu spielen.” Eric Stadie freut sich auf die Herausforderungen: „Es spricht auch für den Verband, dass ich jetzt die Chance kriege, einen anderen Weg zu machen. Ich will dem Sport in neuer Funktion helfen, weil er mir am Herzen liegt.” Nur eins kommt in seinem Denken nicht vor: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mal passieren wird, dass ich den Ball nicht mehr sehen kann.”

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