Ohne Training kein Fortschritt

Techniker Beach Tour

Trennung nach einem tollen Sommer: Leonie Klinke und Lisa Kotzan mit neuen Zielen.

Mit Leonie Klinke und Lisa-Sophie Kotzan trennt sich eines der erfolgreichsten Teams der Techniker Beach Tour-Saison 2019, weil Klinke in ihrer Entwicklung den nächsten Schritt gehen möchte. Auf der Suche nach einer festen Trainings- und Spielpartnerin wurde sie in Lena Ottens fündig.

Jahr des Durchbruchs

Nicht ohne Grund wurden Leonie Klinke (22) und Lisa-Sophie Kotzan (23) von ihren Mitspielern und Mitspielerinnen zum „Most Outstanding Team“ des Jahres gewählt. Die Erfolge des jungen Duos waren beachtlich: Klinke/Kotzan stießen bei jedem Stopp der Techniker Beach Tour mindestens bis ins Viertelfinale vor, bei den letzten drei Turnieren holten sie drei Medaillen. Auch bei der Deutschen Meisterschaft überzeugte das Team und schlug die späteren Titelträgerinnen Karla Borger/Julia Sude. Am Ende wurden Klinke und Kotzan hervorragende Fünfte.

In ihrer zweiten gemeinsamen Saison feierten sie national den Durchbruch. Leonie Klinke macht den Hauptgrund für das erfolgreiche Jahr an einer besseren Saisonplanung fest: „Im letzten Jahr haben wir versucht, national und international viel zu spielen und dabei vor allem das Reisen unterschätzt“, erklärt die Abwehrspielerin, „teilweise sind wir von der Qualifikation über Nacht zur Tour geflogen, haben fast gar nicht geschlafen und am nächsten Tag direkt wieder gespielt.“ Im Versuch, es besser zu machen, spielten Klinke und Kotzan 2019 fast gar nicht international, sondern fokussierten sich auf die deutschen Turniere. „Dadurch hatten wir weniger Stress und haben uns weniger unter Druck gesetzt.“ Sie profitierten außerdem davon, dass sie sich auf und neben dem Feld von Anfang an sehr gut verstanden haben, wie Klinke immer wieder betont. Trotzdem erfolgte nun die Trennung.

Klinke möchte „ein eigenes Spiel aufbauen“

"Ich habe zum ersten Mal selber meinen Fortschritt und meine eigene Entwicklung wahrgenommen und weiß, dass ich noch mehr kann. Ich möchte den nächsten Schritt gehen", betont Klinke, „ich bin der Meinung, dass es dafür wichtig ist, eine feste Partnerin zu haben, mit der ich im Idealfall täglich trainieren kann, damit wir in der kommenden Saison das spielerische Niveau halten, uns ein eigenes Spiel erarbeiten und unser Zusammenspiel perfektionieren können. Das habe ich mit Lisa kommuniziert, leider haben wir keinen guten Kompromiss gefunden." Bisher war das mit Kotzan nur bedingt möglich: Während Klinke in Stuttgart studiert und trainiert, lebt Kotzan in Berlin. Vor dieser Saison absolvierten sie ein gemeinsames Trainingslager, im Sommer schafften sie es, als Team genau einmal zusammen zu trainieren.

Daran hätte sich in Zukunft auch nichts geändert. Denn dafür hätte Kotzan, die seit vergangenem Jahr nicht mehr Teil des Perspektivkaders ist und am Bundesstützpunkt in Berlin „quasi allein und selbstständig ohne festen Coach“ trainiert, die Hauptstadt und damit ihren Lebensmittelpunkt verlassen müssen. Weil die Priorität der 23-Jährigen aber auf dem Abschluss ihres Lehramts-Bachelors liegt, „war es für sie nicht möglich, dass wir so oft gemeinsam trainieren“, so Klinke.

Künftig an der Seite von Lena Ottens

Klinkes Wahl fiel auf Lena Ottens, 22 Jahre alt und 1,80 Meter groß, aus der Nähe der Volleyball-Hochburg Münster. Auch deswegen, weil sich die beiden Studentinnen schon gut kennen: 2014 wurden sie gemeinsam U18-Europameisterinnen und sind seitdem befreundet. Seit 2015 ist Ottens mit wechselnden Partnerinnen auf der Tour unterwegs, im Dezember 2017 musste sie sich aber nach monatelangen Schmerzen an der Schulter operieren lassen und setzte deswegen 2018 komplett aus. An der Seite von Hannah Ziemer ging es daher in der abgelaufenen Saison vor allem darum, den Anschluss an die nationale Szene wieder zu schaffen, sich zu stabilisieren. Für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) ist Ottens eine Perspektivspielerin: „Sie ist sehr ehrgeizig und sehr professionell. Als Rechtshänderin* hat sie viele Möglichkeiten, die sie für uns sehr interessant machen“, sagt Niclas Hildebrand, Beach-Sportdirektor des DVV.

Mit Ziemer blieb ein fünfter Platz zu Saisonbeginn in Münster die beste Platzierung auf der ranghöchsten deutschen Tour, das Duo verpasste die Meisterschaften in Timmendorfer Strand. Ottens/Ziemer hatten am Stützpunkt in Hamburg gemeinsam mit Anika Krebs und Leonie Welsch trainiert. Weil Ziemer nach ihrem Abitur für ein Jahr in die USA gegangen ist, Krebs ihre Karriere beendet hat und Welsch ihren Fokus auf das Studium legen will, stand Ottens mehr oder weniger ohne Trainingspartnerinnen da. Eine Situation, in der es zumindest leichter fiel, vorerst nach Baden-Württemberg zu gehen. Wie es für Kotzan weitergeht, ist unterdessen noch offen.

Seit Ende Oktober weilt Ottens nun in Stuttgart, wo sie und Klinke von Alexander Prietzel und Chef-Nachwuchsbundestrainer Jörg Ahmann trainiert werden. Gerade Stuttgart bietet ihnen die besten Möglichkeiten, sagt Klinke. „Aber im Frühjahr könnte es sein, dass wir auch Hamburg sind. Wir haben noch keinen festen Plan, sondern wollen flexibel schauen, was das Beste für das Team und uns als Spielerinnen ist. Das wird sich mit der Zeit zeigen und je mehr wir zusammen trainieren.“ Endlich eine feste Trainingspartnerin – um in der Entwicklung den nächsten Schritt gehen zu können.

Den Volleyball in die Wiege gelegt bekommen

Klinke kommt aus einer Volleyball-Familie, ihre Eltern und Geschwister waren ebenfalls in der Sportart aktiv. „Ich bin praktisch neben dem Beachfeld und in Sporthallen groß geworden“, erzählt sie, „daher wollte ich schon immer Volleyball spielen.“ Ihre Mutter wird zu Klinkes erste Trainerin, in einer Ballschule lernt sie die Grundlagen. 2014 ging sie aus ihrer Heimatstadt Heidelberg nach Stuttgart, trainierte am Bundesstützpunkt in Stuttgart und war Teil der zweiten Mannschaft des MTV Stuttgart. Frühe Erfolge feierte Klinke aber vor allem im Sand: Gemeinsam mit der heutigen Bundesliga-Spielerin Annie Cesar (Allianz MTV Stuttgart) gewann sie bei den Deutschen Jugendmeisterschaften die Titel in den Altersklassen U17, U18, U19 und U20. „Im Beach-Volleyball hatte ich die Möglichkeit, Volleyball auf Leistungssportniveau zu spielen“, bekräftigt die 22-Jährige.

Von 2014 bis 2017 spielte Klinke an der Seite von Elena Kiesling, damals auch gleichzeitig ihre Trainerin. Eine Konstellation, für die sie noch heute dankbar ist: „Ich konnte unglaublich viel lernen und profitieren. Es ist untypisch, während des Spiels die Möglichkeit zu haben, gecoacht zu werden. Als junge Spielerin ist sehr hilfreich, jemand Erfahrenes an der Seite zu haben, der einem helfen kann, wenn man selber nicht weiß, woran es gerade liegt oder keinen eigenen Lösungsansatz hat.“ 2018 ging Klinke den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung und wechselte zu Kotzan. „Zum ersten Mal hatte ich mehr Verantwortung, das war ungewohnt und eine Herausforderung. Daran bin ich gewachsen.“

Darauf setzt man auch beim DVV, wo Leonie Klinke wie Ottens zu den Perspektivspielerinnen gezählt werden. „Leonie ist eine absolute Zockerin, eine sehr gute Abwehrspielerin. Nicht überragend groß, macht sie das aber mit viel Spielintelligenz wett“, sagt Hildebrand. Klinkes Körpergröße von 1,79 Meter muss kein Hindernis sein, aber die Tendenz gehe auf internationalem Niveau hin zu großen Abwehrspielerinnen, sagt er. Dennoch: „Entwickelt sie sich noch einmal so wie in diesem Jahr, ist sie für die Zukunft eine sehr interessante Spielerin.“

 

* Korrektur: Wir haben nach Rücksprache mit dem von uns zitierten Niclas Hildebrand den Artikel an dieser Stelle korrigiert. Vorher stand in dem Zitat fälschlicherweise, dass Lena Ottens Linkshänderin ist. Danke an die Hinweisgeber auf unserer Facebook-Seite.

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