Pannenhelfer, verspätete Lieferungen und abgehängte Netze

Deutsche Meisterschaften

Die Nicht-Nationalteams haben in der Corona-Krise spannende Geschichten zu erzählen und waren immer auf der Suche nach Trainingsmöglichkeiten. Die Wettkämpfe in Düsseldorf taten so richtig gut.

Ohne Netze macht Training wenig Sinn

Wohl dem, der den Status eines Nationalteams hat und so in den letzten Monaten ein paar Privilegien nutzen konnte. „Wir mussten ja eigentlich nur den Lockdown aussitzen”, sagt Nationalspieler Yannick Harms, „dann wurde der Trainingsbetrieb Stück für Stück wieder hochgefahren.” Harms trainiert mit seinem Partner Philipp Arne Bergmann am Hamburger Olympiastützpunkt, genau wie die WM-Zweiten Julius Thole/Clemens Wickler und Nils Ehlers/Lars Flüggen. Da hatte die übrige deutsche Konkurrenz mit ganz anderen Widrigkeiten zu kämpfen, die ihnen das Leben schwer machten. „Wir Nicht-Nationalteams”, sagt stellvertretend Paul Becker, „mussten uns alle irgendwie durchwurschteln. Wir haben am Mittwoch das erste Mal wieder in Mainz trainieren können, sonst mussten wir uns immer was suchen.” Becker und Jonas Schröder hatten deshalb auch Angst, beim Turnier der Top Teams vernascht zu werden, was sie aber gut verhindern konnten und nicht untergingen.

Benedikt Sagstetter wusste am Rande der „Road To Timmendorfer Strand”-Serie zu erzählen, woran es in Landshut haperte. Mit seinem Bruder Jonas hätte er im Freibad der kreisfreien Stadt trainieren können. „Wir hatten alle Genehmigungen von den Gesundheitsbehörden, was in Bayern nicht selbstverständlich ist.” Doch im Freibad hatten die Verantwortlichen zu Beginn der Corona-Krise die Netze an den Beach-Volleyball-Feldern abgehängt und bei den Hausherren, den Landshuter Stadtwerken, gab es kein grünes Licht, sie wieder aufzuhängen. „Also mussten wir uns ständig Alternativen suchen”, so Benedikt Sagstetter, der die erste Chance auf ein DM-Ticket verpasste, in vierzehn Tagen aber den zweiten Anlauf machen will.

Teurer Einkauf kann erst zu spät genutzt werden

Armin Dollinger merkte nach den vier Spielen, an dessen Ende er sich mit Simon Kulzer über einen Startplatz in Timmendorfer Strand freuen konnte, dass ihm die Kraft ausgegangen war. „Ich konnte nicht so viel Kraft trainieren, wie ich wollte.” Als die Fitness-Studios ihre Türen zumachten, bestellte sich Dollinger für rund 800 Euro Hantelstangen, Scheiben, Gewichte, was man eben so braucht, um sich zuhause fit zu halten. „Aber leider sind die Sachen so spät angeliefert worden, da konnte ich schon wieder einen Kraftraum im Studio nutzen.” Jetzt will er sich daheim trotzdem einen Fitnessbereich aufbauen. Bis zu den Meisterschaften an der Ostsee gilt es mehr denn je, die Muskulatur zu stärken. Das Spielvermögen wollen Dollinger/Kulzer bei den Turnieren der Top Teams aufbauen, an denen sie jetzt teilnehmen dürfen.

Dort werden sie auch auf Manuel Harms und Richard Peemüller treffen, die ebenfalls ein Ticket in der Tasche haben. Im letzten Jahr schafften sie so gerade den Sprung zur DM, jetzt überwanden sie die Qualifikationshürde bereits im ersten Anlauf. Richard Peemüller, der in der Hallen-Bundesliga für Lüneburg als Diagonalangreifer aufgelistet ist, freut sich auf die Herausforderung: „Wir haben noch nie gegen so viele Top Teams in der Dichte gespielt, die sind ja sonst bei der deutschen Tour nicht dabei.” Vor einem Monat ist er nach Köln gezogen, um mit Harms und ihrem neuen Trainer Bernd Werscheck trainieren zu können. Mit dem hatten sie schon im Februar eine Zusammenarbeit beschlossen, sie aber wegen Corona auf Eis gelegt. Jetzt ist Werscheck dabei „und hat uns seine Philosophie aufgedrückt”, sagt Peemüller, „von der wir schon einen Bruchteil umsetzen konnten.”

Kein Geld als Profi – da ist Pannenhilfe gefragt

Von all diesen Problemen blieben die Nationalteams verschont, die mussten sich nur darauf umstellen, endlich wieder Wettkämpfe zu haben, und das gleich ganz viele. Julius Thole sagte am ersten Tag: „Drei Spiele in sechs Stunden habe ich seit fünf Jahren nicht mehr erlebt. Wir hatten nur 30 Minuten Vorbereitung, sind aber effizient gut durch den Tag gegangen.” Am Sonntag war allerdings für Julius Thole und Clemens Wickler nach dem Halbfinale der Job beendet. Ihre Hamburger Sparringspartner Nils Ehlers und Lars Flüggen zogen ins Endspiel ein, wo sie auf Lukas Pfretzschner und Steven van de Velde trafen. Lukas Pfretzschners etatmäßiger Partner Robin Sowa laboriert eine Schulterverletzung aus, weshalb sich Lukas kurzfristig mit dem Niederländer zusammentat. Gemeinsam trainiert hatten sie kein einziges Mal vor dem Düsseldorfer Turnier. Steven van de Velde, der mit Kim Behrens verlobt ist, muss Geld verdienen, da er in diesem Jahr keine Einnahmen als Beach-Profi bekommt. So hat er vorübergehend bei der holländischen Pannenhilfe angeheuert: „Letzte Woche hatte ich Telefondienst, aber nächste Woche muss ich 50 Stunden arbeiten.” So macht jeder das Beste aus der Notlage, da kam so ein Wochenende mit Wettkämpfen als sportliche Herausforderung mal wieder richtig gut an.

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