Pfretzschner/Sowa wollen ihren „Spielstil vom Mainstream abheben”

U21 Weltmeisterschaft 2019

Lukas Pfretzschner und Robin Sowa sind bei der U21-Weltmeisterschaft in Thailand die größte deutsche Hoffnung. Für das neu formierte DVV-Perspektivteam ist die WM der erste große Höhepunkt. Wenn es nach ihnen und Trainer Kay Matysik geht, sollen weitere folgen. Ihre Vision ist es, sich durch Spielwitz und Athletik von der Konkurrenz abzuheben und 2024 bei Olympia aufzuschlagen.

Qualifikation: geschafft

Auf ein spektakuläres Team – sonst auf der deutschen Serie regelmäßig dabei – mussten die Fans bei der Techniker Beach Tour am vergangenen Wochenende in Dresden verzichten. Lukas Pfretzschner und Robin Sowa, sonst fester Bestandteil der Tour in diesem Jahr, waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg nach Thailand. In Udon Thani im Norden des südostasiatischen Landes nahe der Grenze zu Laos begannen an diesem Dienstag die U21-Weltmeisterschaften.

Und das DVV-Perspektivteam Pfretzschner/Sowa geht als hoffnungsvollstes deutsches Gespann ins Rennen. „Erstmal wollen wir die Qualifikation schaffen, und dann schauen wir schon in Richtung top Fünf. Das ist ein kleiner Traum von uns”, sagte Blocker Robin Sowa vor dem Turnier – das erste Ziel ist geschafft, Sowa und Pfretzschner haben sich mit zwei Siegen für die Gruppenphase qualifiziert (im Übrigen genau so wie auch Filipp John und Rudy Schneider). „Die WM ist unser erster gemeinsamer Höhepunkt, für diese Saison das Highlight Nummer eins.”

Lukas Pfretzschner, der 19-Jährige aus dem bayrischen Dachau, und Robin Sowa (20) aus der Chemiestadt Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt kennen sich schon lange. 2016 wurden sie zusammen ins kalte Wasser geworfen und gewannen bei ihrem zweiten gemeinsamen Turnier überhaupt überraschend den U18-EM-Titel. Anderthalb Jahre spielten beide daraufhin zusammen, später waren sie auch Teamkollegen in der Halle beim VC Olympia Berlin.

Trainer Matysik: „Robin Sowa ist der höchste Blocker auf der deutschen Tour”

Anfang dieses Jahres nun forcierte der neue Nachwuchs-Bundestrainer Kay Matysik, dass beide auch im Sand wieder ein Team bilden. Auch wenn es bei der Teamgründung gewaltig knirschte, glaubt Matysik, dass die Mentalität im Team Pfretzschner/Sowa stimmt: „Beide passen von der Teamchemie her sehr gut zusammen.” Lukas sei auf dem Court ein „Heißsporn”, der nach gelungenen Aktionen nicht nur sich, sondern auch den eher ruhigeren Robin hochpushen kann. „Robin braucht diesen emotionalen Antrieb”, sagt der Coach. Andererseits kann es in schwierigen Situationen hilfreich sein, wenn Sowas Gelassenheit auch auf Pfretzschner ausstrahlt.

Und natürlich haben beide außergewöhnliche Anlagen. „Robin ist der höchste Blocker auf der deutschen Tour”, sagt Matysik über den schlaksigen 2,03-Meter-Mann. Nach intensivem Blocktraining weiß er diese Höhe mittlerweile auch immer besser zu nutzen und in Blockpunkte umzuwandeln. Und Pfretzschner gehört mit seinen spektakulären Abwehraktionen, seinem Spielwitz und seinen technischen Fertigkeiten im Angriff trotz seiner jungen Jahre zu den Hinguckern in der Szene. Bereits als 17-Jähriger wurde der Bayer an der Seite von Markus Böckermann Fünfter bei den Deutschen Meisterschaften – und schlug Matysik im letzten Spiel in dessen langer Karriere mit 1:2.

 

Spielspaß und Flexibilität statt Mainstream

Ambitioniert, aber nicht abgehoben sagt Lukas Pfretzschner: „Wir wollen unseren Spielstil vom Mainstream abheben.” Sowa führt aus: „Wir wollen nicht das statische Spiel aufziehen, wie derzeit die meisten deutschen Teams, sondern wollen mehr Spielspaß integrieren, flexibler spielen.” Das wird bereits jetzt immer wieder deutlich, wenn etwa Pfretzschner trickreich und frech zweite Bälle übers Netz pritscht oder seine Sprungaufschläge mit vollem Risiko übers Netz donnert. Die Fähigkeit, sich regelmäßig in einen Flow zu spielen, haben beide zweifellos.

Glänzende Voraussetzungen also, die es nun zu auszubauen gilt. „Ich denke, dass bei uns – weil wir athletisch sehr stark sind –, ganz viel möglich sein kann, aber nicht muss”, sagt Lukas Pfretzschner reflektiert. „Der Bereich, in dem wir spielen können, ist noch sehr groß. Das kann sehr gut sein, aber es geht auch noch in die andere Richtung.” Kurz vor dem Gespräch mit beach-volleyball.de sind beide im Viertelfinale der deutschen Tour in Nürnberg an den Poniewaz-Zwillingen gescheitert. Danach redete Matysik eine halbe Stunde auf beide ein. Dem Duo fehle aktuell „noch die Konstanz, ihr Potenzial immer abzurufen”, sagt Matysik. „Da fehlt es manchmal noch an Ruhe, auch Selbstsicherheit beim Sideout.” In Nürnberg hatte Matysik erstmals die Vorgabe gemacht, unter die letzten Vier zu kommen. Das hat trotz toller Leistungen auf dem Weg ins Viertelfinale nicht geklappt. „Wir sind noch nicht ganz dort, wo wir sein wollen”, sagt Matysik.

 

Kay Matysik für das unorthodoxe Spiel genau der richtige Trainer

Der ehrgeizige Trainer hat am Berliner Olympiastützpunkt um Pfretzschner/Sowa herum eine sechs- bis achtköpfige, funktionierende Trainingsgruppe aufgebaut. Die Athleten sollen sich nicht als Einzelkämpfer, sondern als größeres Team begreifen, in dem sich die ehrgeizigen Sportler gegenseitig fördern. „Wir können uns in allen Elementen noch steigern. Kay ist ein Trainer, der uns in jedem Element Neues vermitteln kann”, schwärmt Pfretzschner, der gerade sein Abitur macht. „Wir wollen unseren Spielaufbau festigen und zunehmend variabler spielen. Kombiniert mit unserer Handlungshöhe kann das ein großer Pluspunkt sein.” Sowa, der ein Studium begonnen hat, betont, dass Matysik gerade für das teils unorthodoxe Spiel „genau der richtige Trainer” sei. „Er hat eine wahnsinnig gute Übersicht über jede Spielsituation und hilft uns sehr mit der Entscheidungsfindung.”

Die WM in Thailand, bei der Pfretzschners Ex-Partner Filip John und Rudy Schneider bei den Männern und Müller/Schulz sowie Ziemer/Schieder bei den Frauen als weitere deutsche Teams am Start sind, hat der Olympia-Neunte von 2012 für seine Athleten in drei Etappen gegliedert. Erstens: die Hürde Qualifikation. Zweitens: das Hauptfeld. Und drittens: „die Kür”, wie er sagt. Von übersteigerten Erwartungshaltungen hält der 39-Jährige nichts. Angesprochen auf das Potenzial seines Top-Duos sagt er nur: „Beide sollen die beste Version ihrer selbst werden. Wenn sie es weiterhin schaffen, so viel Spaß und Leidenschaft aus dem Beach-Volleyball zu ziehen, dann ist viel möglich und dann können auch weitere Leistungssprünge kommen.”

 

„Olympia 2024 ist unsere Vision”

Nach der U21-WM wollen beide in kleinen Schritten vorwärts kommen. Zunächst mal ein Halbfinale bei der Techniker Beach Tour erreichen, dann bei den Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand teilnehmen und möglichst gut abschneiden. Und wenn sich die Chance bietet, bei einem FIVB-Turnier internationale Erfahrung sammeln. Gleich zu Beginn der Saison haben beide bei Two-Star- und One-Star-Turnieren die Qualifikation überstanden und bereits einen fünften Platz errungen. Später war es wegen der Rangelei um die Olympia-Qualifikation nahezu unmöglich, überhaupt in die Qualifikation zu kommen.

Doch Pfretzschner/Sowa müssen nichts überstürzen. „Es ist mein Traum, Beach-Volleyballer zu sein, ein paar Jahre davon leben zu können und um die Welt zu reisen”, sagt Lukas Pfretzschner. Und Robin Sowa ergänzt: „Bei uns beiden hat sich eine Leidenschaft entwickelt. Ich möchte das nicht mehr missen.” Perspektivisch gilt das Team im Verband als Hoffnung für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Ein weiter Weg mit vielen Unwägbarkeiten. „Über fünfeinhalb Jahre hinweg kann man schlecht ein Ziel festlegen”, sagt auch Pfretzschner. „Aber Olympia ist auf jeden Fall unsere Vision.”

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