Plan A, Plan B und Plan C?

Olympische Spiele 2021

In vielen Sportarten liegt die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele auf Eis – so auch im Beach-Volleyball. Wie kann der neue Weg nach Tokio aussehen?

„Wir brauchen unbedingt Klarheit über den Qualifikationsmodus“

Sämtliche Sporteinrichtungen? Geschlossen. Techniker Beach Tour? Abgesagt. Deutsche Meisterschaften 2020? Noch offen, eher unwahrscheinlich. Nahezu alle geplanten World-Tour-Turniere? Auf unbestimmte Zeit verschoben oder abgesagt. Olympische Spiele 2020? Um ein Jahr verschoben. In der Welt des Beach-Volleyballs, überhaupt in der Welt sämtlicher Sportarten, ist nichts mehr so, wie es für dieses Jahr geplant war. Ganze Spielzeiten sind unterbrochen oder abgebrochen, planbar ist nicht nur im Sport momentan eigentlich nichts mehr.

Und doch müssen Entscheidungen getroffen werden. Neben vielen anderen Aspekten drängt sich eine Frage den Verantwortlichen des Internationalen Volleyball-Verbands (FIVB) und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf: Wie soll unter diesen Umständen eine Qualifikation für die Spiele in Tokio geplant werden?

Beach-Volleyball gehört zu den Sportarten, in denen der Qualifikationsprozess noch voll im Gange war, qualifiziert ist bis auf wenige Ausnahmen noch niemand. Es gibt lediglich einige Verbände, die ein Ticket sicher hatten, weil sie bei den Weltmeisterschaften oder beim Olympia-Qualifikationsturnier ganz vorn landeten. Bei den Herren sind das Russland, Italien und Lettland, bei den Damen waren Teams aus Kanada, Lettland und Spanien erfolgreich. „Wir brauchen unbedingt Klarheit über den Qualifikationsmodus“, fordert Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beach des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). „Das ist das, was uns am meisten verunsichert.“

Zur Erinnerung: So hätten die Olympia-Tickets eigentlich vergeben werden sollen

15 Plätze werden über eine Rangliste vergeben, in der die besten zwölf Ergebnisse aus dem Qualifikationszeitraum eingebracht werden. Jeweils ein Platz wurde bei der Weltmeisterschaft 2019 den Verbänden zuteil, die das Weltmeister-Duo stellen, außerdem wurden bei einem Qualifikationsturnier im Herbst des vergangenen Jahres jeweils zwei Tickets pro Geschlecht vergeben. Dazu wird dem Gastgeberland der Spiele jeweils ein Platz in beiden Konkurrenzen zugesichert. Über die fünf Continental Cups wären schließlich die letzten Tickets für das 24er-Feld verteilt worden. Stichtag sollte in diesem Zyklus der 15. Juni 2020 sein.

Wichtig: Die Plätze werden nicht den Teams, sondern den Verbänden zugesprochen, die im Anschluss die Duos nominieren können.

Sicher ist bisher nur, dass die Punkte, die im vergangenen Jahr gesammelt wurden, behalten werden. Aus deutscher Sicht sind das gute Nachrichten, Julius Thole und Clemens Wickler können so weiterhin für die Spiele planen, auch Karla Borger/Julia Sude und Laura Ludwig/Margareta Kozuch bleiben gut im Rennen.

Andere Duos trifft es härter

Dass der Prozess jetzt unterbrochen werden musste, ist dagegen ein Nachteil für die Teams, die sich zwar in Schlagdistanz befanden, aber noch aufholen mussten – zu denen zählen unter anderem Nils Ehlers und Lars Flüggen, die Mitte März bereits mit einem Achtungserfolg in Doha (Platz fünf) in die Saison gestartet waren. „Sie waren aus den Startlöchern für den 100-Meterlauf raus, hatten schon einen ersten guten Erfolg und wollten jetzt nachlegen“, sagt Hildebrand. Danach folgten diverse Absagen – eine harte Bremse. Ohne Turniere gibt es keine Möglichkeit, Punkte für das Olympia-Ranking zu sammeln. „Man kann den Höhepunkt einer sportlichen Leistung nicht unendlich herauszögern. Was wir machen können, ist, einen klaren Cut zu ziehen und einen neuen Aufbau zu starten“, betont der Sportdirektor.

Nur weiß aktuell niemand, wann es möglich sein wird, mit diesem Aufbau anfangen zu können. Die Trainingsmöglichkeiten sind weiterhin arg beschränkt: Der Olympia-Stützpunkt in Stuttgart ist seit Wochen geschlossen, für den Stützpunkt in Hamburg gab es zwischenzeitlich eine Sondergenehmigung, die nach der Verschiebung der Spiele wieder aufgehoben wurde. Für die Einrichtung in Berlin gilt eine solche Sondergenehmigung weiterhin, in Anspruch genommen wird sie nur selten. Wie also soll es jetzt weitergehen?

Eine Kopie in das nächste Jahr?

Eine naheliegende Option ist es, den Qualifikationsprozess so lange zu pausieren, wie es aufgrund der Einschränkungen notwendig ist und ihn im nächsten Jahr an der Stelle, an der man aufgehört hat, fortzusetzen. Dafür plädiert auch der DVV: „Am sinnvollsten wäre es unserer Meinung nach, den Prozess so einfach zu halten wie möglich. Das würde bedeuten, den Qualifikationszeitraum zu verlängern“, sagt Hildebrand. „Weiterhin sollten die besten zwölf Ergebnisse zählen, möglicherweise gibt es mehr Turniere und damit mehr Möglichkeiten, sich noch zu verbessern.“ Das sei gut für die Teams, die noch aufholen wollen, aber vielleicht ein Nachteil für diejenigen, die jetzt im Mittelfeld und auf den hinteren Plätzen waren.

Und was sagen die Athleten und Athletinnen? „Es ist wirklich schwierig, das neutral zu betrachten. Man findet immer einen Vor- oder Nachteil für irgendjemanden, jeder schaut auf sich selbst“, sagt Anouk Vergé-Dépré, die Vizepräsidentin der Spielergewerkschaft ibvpa. Um ein möglichst breites Stimmungsbild zu erhalten, führte die ibvpa eine Umfrage durch, an der alle Athleten teilnehmen konnten. „Die meisten Spieler und Spielerinnen sprechen sich dafür aus, möglichst nahe an den Prozess heranzukommen, wie er dieses Jahr stattgefunden hätte“, so die Schweizerin.

Die nationalen Verbände werden ebenso wie die Spieler und Spielerinnen auf der Arbeitsebene zwar in den Entscheidungsprozess miteinbezogen, sie konnten ihre Vorschläge einreichen – die Entscheidung liegt aber letztlich bei der FIVB und dem IOC, die sich weiterhin bedeckt halten. Auf Anfrage teilte der Weltverband lediglich mit, an der Anpassung der Qualifikation zu arbeiten und im regelmäßigen Austausch mit der Athleten- und Beach-Volleyball-Kommission zu stehen.

Die Lage ist zu unsicher

Doch selbst wenn zeitnah eine erste Entscheidung getroffen werden würde – endgültig kann sie nicht sein. Dafür gibt es zu viele Fragezeichen: Wann gibt es einen Impfstoff gegen das Corona-Virus? Wie schnell wird er für die breite Gesellschaft verfügbar sein? Wann werden die weltweiten Reisebeschränkungen wieder aufgehoben?

Gerade letzteres ist für Beach-Volleyball eine entscheidende Frage. Denn, und das macht diesen Sport so besonders, er bedingt globales Reisen – und das ist wahrscheinlich das Letzte, was wieder gehen wird. Wie soll unter diesen Bedingungen ein Turnierplan erstellt werden? „Im Moment ist die Lage sehr unsicher, wir wissen alle nicht, welche wirtschaftlichen Folgen es geben wird. Ob Events noch Sponsoren finden, wie viele Turniere stattfinden können“, betont Vergé-Dépré.

Und was, wenn vor den Spielen 2021 überhaupt keine internationalen Turniere mehr stattfinden können? Wird dann der aktuelle Stand zurate gezogen? Es ist unumgänglich, einen Plan B zu entwickeln, vielleicht auch einen Plan C – in dem Bewusstsein, dass Abstriche gemacht werden müssen.

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