Poppeis Abschiedstour

Techniker Beach Tour

Ein Pendler zwischen den Volleyball-Welten hat das Ende seiner Karriere angekündigt: Marcus Popp will nach mehr als zwanzig Jahren aufhören.

Wer sich in der Rubrik Teams auf Tour-Website schlau machen will über die Vita des Marcus Popp, muss weit nach unten scrollen, um alle seine Erfolge nachlesen zu können. Und da sind nicht mal alle aufgelistet. Südamerikanischer Meister, Pokalsieger und Meister in Frankreich und Deutschland, Meister in Argentinien, zwei Olympia-Teilnahmen mit der Hallen-Nationalmannschaft. Deutscher Vizemeister bei den Beach-Volleyballern, Grand Slam-Fünfter in Sao Paulo. 2009 führte er mit Björn Andrae im Finale der Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand gegen die frischgebackenen Weltmeister Brink/Reckermann im Entscheidungssatz mit 14:12. „Es regnete in Strömen und die 6000 Zuschauer haben uns gefeiert.” Aber der Meistercoup klappte nicht, der Satz ging mit 14:16 verloren. Zu den Highlights gehörten Spiele gegen die brasilianischen Legenden Emanuel/Ricardo und ein Sieg gegen Alison/Emanuel.

Nach zwanzig Jahren lässt die Hitze nach

Marcus Popp hat viel erlebt und kann viel erzählen. Aber nun scheint das Ende seiner Karriere gekommen zu sein: Marcus Popp hat angekündigt, seine letzte Saison auf Sand zu bestreiten. „Irgendwann lässt die große Hitze nach, nach fast zwanzig Jahren ist das ja auch kein Wunder”, sagt er. Marcus Popp ist 37 Jahre alt und bestreitet die Saison 2019 mit einem Jungspund an seiner Seite. Milan Sievers ist erst 21 und hat schon das erlebt, was Marcus Popp bis heute erspart geblieben ist. Sievers hat Ende der letzten Saison die Lust verloren, sich international beweisen zu müssen: „Das war mir zu viel und hat mir den Spaß genommen.” Aber aufhören wollte er nicht und kam auf die Idee, Popp anzuschreiben: „Der hat sofort gesagt, lass uns telefonieren und danach war die Sache geritzt.” Popp hatte Bock auf was Neues: „Ich hab das große Potenzial bei Milan gesehen, das hat mich gereizt.” Allerdings läuft die Zusammenarbeit längst nicht so professionell, wie es scheint. Popp lebt in Berlin, Sievers in Kiel. Nach einem kurzen Trainingslager mit Betzien/Erdmann in Berlin, sind sie letzte Woche in Münster erstmals wettkampfmäßig aufgetreten. Im Achtelfinale war Schluss, genau wie in Düsseldorf.

Für Popp sind es erste Schritte in die richtige Richtung, die Zuversicht geben: „Wir kriegen das mit einer Portion Lockerheit und trotzdem mit Vollgas gut hin.” In seinem Alter geht sowieso nicht mehr alles, sagt er, manches geht einfach langsamer und flacher. „Und es ist nicht meine Mentalität, fünf Mal die Woche im Kraftraum zu sitzen.” Einen Trainer haben sie nicht. Während viele auf der Tour inzwischen mit einem eigenen Betreuerstab arbeiten, sagt er: „Ich bin mein eigener Staff.”

Nobody is perfect – auch Marcus Popp nicht

Für einen, der sich früher als Perfektionisten beschrieben hat, sind das ungewöhnliche Worte. „Ich wollte immer absolut fehlerfrei spielen”, sagt er. Bis ihn einst der argentinische Coach Julio Velasco, mit dem er zwei Jahre in Italien zusammen gearbeitet hat, zur Seite nahm und erklärte: „Marcus, es gibt keinen Spieler, der absolut fehlerfrei spielt. Lös Dich von dem Gedanken.” Popp tat wie ihm geheißen, „seither lässt sich auch das Leben einfacher leben.” Velasco und Stelian Moculescu sind die Trainer, die ihn am meisten geprägt haben. „Stelu hat mal zu mir gesagt, Du wirst ein guter Spieler.” Daran hat Popp geglaubt und ist seinen Weg erfolgreich gegangen. So wie die Starspieler Jochen Schöps, Björn Andrae oder Simon Tischer hatte er das Glück und Können, sich als Profi gut zu verkaufen und Karriere zu machen. „Heute kann ich gut davon leben”, sagt Popp.

Dabei war er immer ein Pendler zwischen den Volleyball-Welten, auch weil er das Privileg hatte, es selbst entscheiden zu können und Trainer zu haben, die das mitgetragen haben. Hallen-Volleyball war sein Beruf, da haben die Erfolge nicht so gezählt, wie das Glück, diesem Job nachgehen zu können und Länder und Leute kennenzulernen. Beach-Volleyball war der perfekte Ausgleich, zumal er viele prominente Partner an seiner Seite hatte: Kay Matysik, Eric Koreng, Björn Andrae beispielsweise. Kay Matysik, heute Nachwuchs-Bundestrainer im Beach-Volleyball, erinnert sich: „Viele hören auf, weil sie keinen Spaß mehr haben. Marcus ist immer noch mit Freude dabei. Er war in der Halle ein unfassbar gutes Bindeglied in seinen Teams. Er lebt extrem von seinen Emotionen. Da kann er vielen noch was vormachen.” Emotionen, die Matysik bei vielen Nachwuchs-Teams vermisst. „Viele sind zu brav”, sagt Matysik.

Abwarten was noch alles passiert

Popp will gern seine emotionale Spielweise weitergeben, beispielsweise an Milan Sievers. Aber als Trainer zu arbeiten, kann er sich derzeit nicht vorstellen. „Viele würden mich als Trainer sehen wollen, das kann ich wahrscheinlich auch am Besten, aber ob das was ist für jeden Tag, weiß ich nicht.” Er lässt es offen, was als nächstes kommt. Vieles passiert sowieso einfach so, wie die Beziehung zu Karo Fröhlich, mit der er seit fünf Jahren zusammen ist. Sie wohnen im „Kollwitz-Kiez” im Prenzlauer Berg in Berlin. Karo Fröhlich spielt auch Beach-Volleyball, hat sich aber im Oktober an der Schulter operieren lassen und pausiert in diesem Sommer. „Wir führen eine Topbeziehung, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal erleben darf.” In den Jahren als Wandervogel zwischen den Volleyball-Welten war so etwas unmöglich. Aber was ist nicht alles möglich, sagt auch Milan Sievers: „Warten wir mal ab, ob er wirklich aufhört. Ich glaube noch nicht so ganz dran.”

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