„Punkt für Punkt” zum Turniersieg: Zwei Premierenerfolge auf der deutschen Tour in Nürnberg

Techniker Beach Tour Nürnberg

Zwei durchaus überraschende Turniersieger in Nürnberg: Doch dass Aulenbrock/Ferger in dieser Saison durchstarten, ist kein Zufall. Und für Erdmann/Betzien ist der erste gemeinsame Erfolg eine wichtige Bestätigung ihrer internationalen Ambitionen.

Als der offizielle Teil der Siegerehrung vorüber war, gab es für Christine Aulenbrock und Sandra Ferger kein Halten war. Ausgelassen jubelten sie mit den Männer-Kollegen und spritzten die Magnumsektflaschen bis auf den letzten Tropfen leer. Momente zum Genießen für das Duo vom VfL Oythe, das an diesem Wochenende in Nürnberg erstmals überhaupt auf der deutschen Tour gemeinsam im Finale stand und sich gegen die Topfavoritinnen Gernert/Kiesling in einen Rausch gespielt und 2:1 triumphiert hatte. „Ich hatte Tränen in den Augen, ich realisiere das noch gar nicht so richtig”, sagte Sandra Ferger strahlend.

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Im Finale überzeugte die Abwehrspielerin mit aufopferungsvollen Rettungsaktionen und sicherem und blickigem Angriffsspiel. Partnerin Christine Aulenbrock glänzte mit herausragenden neun Blocks gegen die abgezockten Altmeisterinnen. Insgesamt eine äußerst nervenstarke Leistung, weil beide im dritten Satz bereits mit drei Punkten abgeschlagen waren, sich aber unermüdlich herankämpften und drei Matchbälle abwehrten und ihren zweiten durch einen Aulenbrock-Block nutzten. Danach sanken die Premierensiegerinnen auf die Knie in den Sand.

Trainingslager in Timmendorf

Dass in dieser Saison mit Aulenbrock/Ferger auf der deutschen Tour zu rechnen ist, lässt sich durchaus erklären. Vor Saisonstart absolvierte das Duo aus Nordrhein-Westfalen erstmals ein viertägiges Trainingslager in Timmendorf. Im Mekka der deutschen Szene, wo die Spielzeit im September mit einer guten Platzierung bei den Deutschen Meisterschaften enden soll. Ihr neuer Trainer Malte Nagursky, der das Team neben Christoph Bielecki betreut, schliff sie dort. Eine professionelle Einstimmung auf die Saison.

„Wir sind athletisch besser geworden, und wir sind mehr bei uns”, sagt Sandra Ferger. „Wir konzentrieren uns mehr auf uns als auf die anderen.” Christine Aulenbrock ergänzt: „Wir schlagen besser auf als vergangenes Jahr und sind in unserem ganzen Spielaufbau und der Block-Feldabwehr variantenreicher und ruhiger geworden.”

Neue mentale Stärke
 
Das hat auch viel mit der neuen mentalen Stärke zu tun, die sich das Team vor der Saison aneignete. „Wir haben vor der Saison das Motto festegelgt: Punkt für Punkt”, berichtet Blockerin „Tine” Aulenbrock. „Das hört sich so banal an, aber wir leben das unglaublich bewusst auf dem Spielfeld. Das gibt uns Ruhe, Konzentration und Vertrauen in die nächste Aktion.” Der aktuelle Erfolg ist der größte seit ihrer Juniorinnenzeit, als sie unter anderem U19-Weltmeisterin und U20-Europameisterin war, danach aber die Ergebnisse nicht bestätigen konnte und 2014 eine Pause vom Leistungssport einlegt.

Wie die Vorbereitung zeigt, versuchen die beiden 27-Jährigen, ihren Sport aktuell so professionell wie möglich zu betreiben. So gut das eben geht, wenn man nebenher einem Beruf nachgeht. Ferger arbeitet Vollzeit als Referentin beim Caritasverband. Aulenbrock ist Förderlehrkraft an einer Realschule und arbeitet dort unter anderem mit Geflüchteten. „Das ist super spannend, macht viel Spaß, gerade mit den Geflüchteten, die sehr wissbegierig sind”, sagt sie.

So bleibt in der Regel nur Zeit für zwei Trainingseinheiten pro Woche. Dann treffen sich die Freundinnen in Holzwickede bei Dortmund. „Die Zeit, die wir haben, nutzen wir aber immer sehr intensiv”, sagt Christine Aulenbrock, die nun erstmals als Turniersiegerin zum nächsten Techniker-Tour-Stopp in 14 Tagen nach Dresden reist.

Jonathan Erdmann: „Niveau kontinuierlich zeigen”

Das Premierensieger-Gefühl genossen auch Max Betzien und Jonathan Erdmann. Beide bejubelten nach dem knappen 2:0 gegen das Interimsduo Lohmann/Schröder ihren ersten gemeinsamen Turniersieg auf der deutschen Tour. Für das DVV-Perspektivteam ein weiterer Schritt zu mehr internationaler Qualität. „Wir haben hier einige Dinge mitgenommen, die uns für die nächste Quali beim FIVB-Turnier in Polen übernächste Woche helfen”, sagt Blocker Jonathan Erdmann.

In der kommenden Woche ist das Duo in die Schweiz zum Trainingslager eingeladen. „Wir wollen das Niveau, das wir zwischenzeitlich schon zeigen, kontinuierlich anbieten”, sagt der 31-Jährige. „Im Annahme-Zuspiel-Komplex sind wir größtenteils deutlich besser als die anderen Teams hier, wir haben einen guten Spielaufbau und so fast immer gute Situationen für einen Angriff. Das macht den Unterschied. Nach und nach greift auch unsere Block-Feldabwehr besser ineinander. Dazu kommt ein stabiler Sideout.” Abwehrspieler Betzien glänzte mit überlegtem Angriffsspiel und stabiler Defensivleistung und Erdmann mit mitreißenden Blockaktionen und hammerharten Angriffen.

Nach dem Aus ins Ostrava war Erdmann mit einem dicken Hals nach Franken gereist. Nach dem Turniersieg wischte er sich glücklich die Champagner-Tropfen aus den Augen. „Mit Nürnberg bin ich jetzt zufrieden”, sagte der ehrgeizige Berliner. Das können auch Christine Aulenbrock und Sandra Ferger von sich behaupten.

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