Raus aus Berlin, ab nach Hannover und hoffentlich bald nach Hamburg

Techniker Beach Tour

Für Robin Sowa begann das neue Jahr mit einschneidenden Veränderungen. Der 20-jährige Blocker freut sich auf die Herausforderungen.

Kurz beim Bund reingeschnuppert und dann wieder Beach-Luft geatmet

Der Einstieg ins neue Jahr war für Robin Sowa mit großen Veränderungen verknüpft. Für den 20-Jährigen stand ein Umzug an, raus aus dem Bundesstützpunkt im Berliner Sportforum in Hohenschönhausen, ab zur Grundausbildung bei der Bundeswehr in der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne in Hannover-Vahrenheide. Schluss mit dem Leben als Sportler unter dem Dach des Deutschen Volleyball-Verbandes, rein in die Förderung als Soldat bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr.

Der Anfang war gewöhnungsbedürftig, sagt Sowa: „Man muss sich ja erst einmal orientieren, und wenn was nicht klappt, gibt’s gleich einen Rüffel.” Nach nur einem Tag war er wieder in der Welt, die er bis dahin besser kannte. Am 3. Januar reiste er verspätet zur Sichtungsmaßnahme des DVV am Olympiastützpunkt in Hamburg an, gemeinsam mit Leonie Klinke, die ebenfalls als Soldatin ihren Dienst in Hannover angetreten hatte. „Jetzt muss ich mich erst mal wieder sortieren”, sagte Sowa in Hamburg, was ihm aber nach wenigen Aktionen mit dem gewohnten Lieblingsspielzeug, dem Beach-Volleyball, wieder gut gelang. Gut einen Monat lang dauert die Grundausbildung, dann wird Sowa abkommandiert, genauer gesagt freigestellt und darf sich wieder nur um Beach-Volleyball kümmern. „Das ist eine Unterstützung, auch in finanzieller Hinsicht, die mir total weiter hilft, an meiner sportlichen Zukunft zu arbeiten.”

Seit Oktober 2014 war Robin Sowa Teil des Stützpunktsystems. 15 Jahre war er jung, als er den Sprung aus Bitterfeld nach Berlin, vom Dorf in die Hauptstadt wagte. „Es war anfangs eine sehr hohe Belastung”, erinnert er sich, „von zwei Mal Training in der Woche hoch auf mindestens fünf Einheiten.” Aber es war der richtige Schritt für den 2,03 Meter langen Schlaks, „sportlich wie schulisch”. 2018 schloss er die schulische Laufbahn mit dem Abitur ab, seither studiert er Wirtschafts-Informatik an der TU in Wedding, aber, so gibt er zu, „eher nebenher”. Das Hauptinteresse liegt im Beach-Volleyball.

Die Wiedervereinigung mit Lukas Pfretzschner tat gut

Im vergangenen Jahr hatte der Verband für die Gründung des Teams Lukas Pfretzschner und Robin Sowa gesorgt, weil er beide als Perspektivspieler eingestuft hat. Dass die beiden gut miteinander können, haben sie bereits 2016 mit dem Gewinn der U-18-Europameisterschaft im tschechischen Brünn bewiesen. Die Ergebnisse in der Saison 2019 zeigten, dass die Entscheidung weiterhin passte. Fünfte Plätze bei der Techniker Beach Tour in Münster, Düsseldorf, Nürnberg und Zinnowitz, Neunter in Kühlungsborn und bei den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand.

Da wurde ihnen eine besondere Ehre zuteil, als sie auf dem Center Court das Erstrundenmatch gegen die frischgebackenen Vizeweltmeister Julius Thole und Clemens Wickler bestreiten durften. „Wir haben zwar haushoch verloren”, mit 15:21 und 16:21, „aber es war trotzdem ein geiles Gefühl, gegen sie spielen zu dürfen.” Und Erfahrungen zu sammeln: „Zu sehen, was die können, was wir schon können, was wir aber auch noch besser machen müssen.” Zudem kamen bei Robin Sowa Erinnerungen auf an das Dresdner Turnier 2018 bei der Techniker Beach Tour. „Da durfte ich mit Clemens Wickler spielen, der zwar im Grunde alles allein gemacht hat, aber das Erlebnis hat mich angespornt, mich noch schneller zu entwickeln.” Immerhin wurden Sowa/Wickler Zweite in Dresden.

Pfretzschner/Sowa durften sich 2019 auch international beweisen, dabei war die Ausbeute breit gefächert. Von Platz 33 beim Vier-Sterne-Turnier der World Tour in Tokio über Rang fünf bei der U-21-Weltmeisterschaft in Thailand bis zu Platz zwei bei der U-22-Europameisterschaft im türkischen Alanya. Im Sommer 2020 sollen weitere internationale Stopps erfolgen. Sowa fasst die Ziele so zusammen: „Weiter nach oben kämpfen, die Alteingesessenen ärgern und bei der deutschen Tour mal eine Medaille holen.” Vier fünfte Plätze heißt auch, vier Mal im Viertelfinale ausgeschieden zu sein. Das soll sich ändern.

Gemeinsam haben sie sich auch auf den Weg gemacht, sich selbst besser zu vermarkten. Sie sind mit einer Münchner Agentur im Gespräch, haben ihre Bewerbungsunterlagen aufgepeppt mit professionell gemachten Fotos und hoffen auf Förderer. „Wir müssen uns ja um alles selbst kümmern”, sagt Sowa, „und wären schon zufrieden, wenn wir am Saisonende eine schwarze Null stehen haben.”

Auch ohne Trainer muss es laufen

Zu den neuen Herausforderungen im letzten Jahr gehörte auch, dass sie international ohne Trainer unterwegs waren. Während ihnen in Berlin ständig Nachwuchs-Bundestrainer Kay Matysik viel abverlangt, müssen sie auf den Courts im Ausland auch mal allein klar kommen oder auf Unterstützung durch den Verband bauen. In Kanada konnten sie mit Bundesstützpunkt-Trainer Eric Koreng arbeiten, in Tokio mit Männer-Bundestrainer Martin Olejnak.

„Wir profitieren von allen”, sagt Sowa, der davon träumt, einen Platz im Olympiastützpunkt Hamburg ergattern zu können. Wie für alle anderen Kandidaten ist der Weg dorthin davon abhängig, was nach den Olympischen Spielen in Tokio mit den aktuellen Nationalteams passiert. Bis dahin fährt Robin Sowa weiter zweitgleisig, mal nach Hannover zum Bund, mal zurück nach Berlin zur alten Heimat, wo er bis Saisonende wohnen wird. Ein kompletter Umzug nach Hamburg würde erst im Herbst stattfinden, wenn er einen Platz am Olympiastützpunkt bekommt.

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