Schlaflos ins Hauptfeld

Techniker Beach Tour

Die kurzfristige Einführung der Qualifikation in Kühlungsborn sorgte für Verwirrung – aber auch für die Erfüllung eines Traums: Hinkelmann/Witt nutzten ihre Chance

Quali ja oder nein, sie wurde abgeschafft vor der Saison nach einer Abstimmung unter den Spielerinnen und Spielern, in der sich eine knappe Mehrheit für die Streichung entschied. Und dann wurde sie vor dem letzten Turnier der Techniker Beach Tour in Kühlungsborn kurzfristig wieder eingeführt. Die Verwirrung war groß, selbst die Veranstalter erfuhren erst am Dienstag, dass sie mit ihrem Turnieraufbau nicht mehr wie gewohnt Zeit bis Freitag Mittag 14 Uhr hatten, sondern bereits um 9:30 Uhr alles stehen haben mussten, damit in jeweils zwei Dreiergruppen für Männer und Frauen eine Qualifikationsrunde möglich war.

Daniel Wernitz, neben Melanie Gernert einer der Spielervertreter der deutschen Beach-Szene, war in den Entscheidungsprozess involviert. Als am vergangenen Wochenende in Zinnowitz ein Kompromissvorschlag erarbeitet und beschlossen wurde, hieß es in einer Pressemitteilung als Begründung: „Auf diese Regelung einigten sich die Spielerinnen und Spieler mit dem Deutschen Volleyball-Verband. Somit können zusätzliche Teams, die noch eine Chance auf die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften haben, am Turnier teilnehmen.” So weit so gut, aber zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, dass es im Wochenverlauf mehrere Absagen geben würde: „Die kamen, warum auch immer, erst im Laufe der Woche auf den Tisch”, so Wernitz. In Kühlungsborn, als die Hauptfeldspiele bereits in vollem Gang war, sagte er: „Die Quali hier war im Grunde nicht notwendig.”

Von Riga über Hamm und Köln nach Kühlungsborn

Zu denen, die ihre Chance, endlich mal bei der Techniker Beach Tour spielen zu können, nutzen wollten, gehörten Edgar Witt und Felix Hinkelmann, die dafür einen irren Aufwand betrieben. Edgar Witt war für eine Woche in Riga im Urlaub, Felix Hinkelmann war in Hamm, als sie am Donnerstag per SMS vom Verband die Nachricht erhielten: „Ihr könnt in der Quali spielen.” Stundenlang haben sie überlegt und gecheckt, ob sich der Aufwand lohnen würde. Ergebnis: „Wir machen das. Einmal bei der Tour zu spielen war unser großes sportliches Ziel.” Also begann die Odyssee. Witt landete am Donnerstag Abend um 23.30 Uhr am Köln-Bonner Flughafen, Hinkelmann (25) fuhr von Hamm nach Köln, um seinen Partner abzuholen, von da ging es die Nacht durch nach Kühlungsborn. Geschlafen haben sie keine Sekunde, sich am Steuer aber dauernd abgewechselt. Morgens um halb sieben kamen sie nach rund 740 Kilometern Autofahrt in Kühlungsborn an und fanden noch eine halbe Stunde Zeit, um im Auto liegend in einem Parkhaus eine kleine Mütze Schlaf zu nehmen. Um 10:30 Uhr hatten sie Spiel eins in der Qualifikation gegen Wüst/Wüst, um 11:30 Uhr Spiel zwei gegen Krippes/Meyer. Meyer ist Trainingspartner der beiden und hat Edgar Witt (26) noch eine Hose geliehen, weil der in seinem Urlaubsgepäck keine Beach-Klamotten hatte. Hinkelmann/Witt gewannen beide Spiele auf Court drei ohne Satzverlust, dann kam im Hauptfeld der Aufstieg auf den Center Court, als Nummer 16 der Setzliste gegen die Poniewaz-Brüder, die Nummer eins. Spielerisch war nix drin, zu zehn und zu acht gingen die Sätze verloren. Aber dann hatten sie endlich Feierabend und Zeit zum Ausruhen. Samstag morgen verloren sie zwei Mal zu 19 gegen Peemüller/Stadie. Damit war das Turnier für sie beendet, aber sie hatten eine Erinnerung, „von der wir noch unseren Kindern erzählen werden”, sagt Witt. Überschrift: „Schlaflos ins Hauptfeld”.

Für Hinkelmann/Witt hat sich ein Traum erfüllt

Für die beiden hatte sich ein Traum erfüllt: „Weil es keine Quali gab, hatten wir nie die Chance, mal auf der Tour zu spielen.” Sie waren auf Kat-1-Turnieren unterwegs, in Münster, auf Norderney, aber all die Punkteklauberei dort brachte keinen Platz im Hauptfeld der ranghöchsten Serie ein.

Eigentlich wollten sie an diesem Wochenende in Marl ein A-Plus-Turnier spielen, was sie noch brauchten, um an den Westdeutschen Meisterschaften teilnehmen zu können. Da können sie jetzt nicht mitspielen, weil sie nicht genügend Turnierteilnahmen im WVV haben. „Die DVV-Ranglistenpunkte zählen nicht für die Westdeutschen Meisterschaften.” 15 Punkte erhielten sie in Kühlungsborn.

Spielervertreter Daniel Wernitz sagt, „dass es uns wichtig gewesen ist, dass es trotz der Abschaffung der Quali eine Durchlässigkeit gibt und die Saison hat gezeigt, dass es geklappt hat.” Wernitz nennt auch Beispiele: „Harms/Peemüller, Klein/Sagstetter oder Hoffmann/Schulz und Ottens/Ziemer haben es geschafft. Bestes Beispiel für mich sind Matthes/Rübensam, die nur Kat-1-Turniere in ihrer Region gespielt haben und es so nach Zinnowitz geschafft haben. Die sind nicht mal wild durch die Republik gereist und haben sportlich abgeliefert. Moritz Klein ist auch überall herumgereist und belohnt sich jetzt mit regelmäßigen Tour-Teilnahmen.”

Witt: „Es gab keine Durchlässigkeit”

Hinkelmann/Witt sehen das ganz anders: „Es gab keine Durchlässigkeit. Wir müssen bei den A-plus-Turnieren auf mindestens acht Halbfinals kommen, um genug Punkte mitnehmen zu können. Aber da spielen dann auch Tour-Teams wie die Poniewaz-Brüder, oder Walkenhorst/Winter”, so Edgar Witt. Sie ärgern sich: „Es gibt leider keine echte 2. Liga, über die man sich hoch spielen kann.

So werden auch nach der missglückten kurzfristigen Einführung die Diskussionen weitergehen über Sinn oder Unsinn der Streichung der Qualifikationsrunden. Ein klares Votum kann auch Wernitz zu diesem Zeitpunkt nicht abgeben: „Für die nächste Saison muss nach wie vor ein Kassensturz gemacht werden, was wollen die Sponsoren, die TV-Partner, die Macher, um die Rahmenbedingungen zu klären, wie wir die Tour weiterentwickeln können.” Ob es Hinkelmann/Witt noch einmal erleben, ist ihnen fast egal. In Timmendorf werden sie nicht sein, „an dem Wochenende feiere mich meinen Geburtstag.” Auch ein wichtiger Termin.

 

 

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