Silber, dem Hut sei Dank

FIVB Open Xiamen - Silber für GER

Seit der Hut mitspielen darf, läuft es bei Lars Flüggen und Markus Böckermann. Beim FIVB Open in Xiamen gewann das Duo erneut Silber und schiebt sich im Olympiaranking weiter nach vorn.

Anglerhut von Mama Flüggen

Braungebrannt, durchtrainiert, angetan mit einer modischen Badeshorts und einer hippen Sonnenbrille - so stellt man sich gemeinhin einen jungen Mann vor, der sein Geld als Beach-Volleyballer verdient. Lars Flüggen ist anders. Der 25 Jahre alte Berliner erinnert eher an einen der hochintelligenten Physiker aus der Serie Big Bang Theory. Seine Haut ist beinahe alabasterfarben, seine Statur für einen Profisportler eher schmächtig, zum Training trägt er am liebsten das immer gleiche geringelte Baumwollshirt, seine braunen Locken bändigt ein weißer Anglerhut. Den hat ihm seine Mutter, von Berufswegen Physikerin, vor Jahren im Urlaub gekauft, damit der kleine Lars keinen Sonnenbrand bekommt, erzählt er.

Gelegenheit dazu gibt es oft, denn Lars Flüggen gehört mit seinem ebenso hellhäutigen Partner Markus Böckermann zu den besten Beach-Volleyballern Deutschlands. 15 Turniere haben die beiden Athleten in dieser Saison bereits gespielt, zuletzt gewannen sie die Silbermedaille beim FIVB Open in Xiamen. Da verloren sie im Endspiel gegen das US-Duo Phil Dalhausser/Nick Lucena mit 0:2 (16:21, 17:21). "Gerne hätten wir das Turnier mit einem Sieg beendet. Aber wir sind schlussendlich an deren Block-Abwehr gescheitert", erzählt Markus Böckermann. Später aber überwog die Freude, auch über die erzielten Punkte, die in die Weltrangliste einfließen: "Das war ein sehr wichtiges Turnier für uns."


Auf Frust folgten gute Ergebnisse

Die Olympia-Teilnahme ist die Zielsetzung für das Duo, das sich 2015 zusammenschloss und derzeit seine erste gemeinsame Saison spielt. Flüggen, der Olympische Spiele bislang nur von Fernsehbildern kennt, wollte sich eigentlich auf seinen Master in Chemie konzentrieren, den Bachelor hat er schon. Doch als der Anruf von Böckermann kam, hat er sich entschieden, das Studium erst einmal hinten anzustellen und zog nach Hamburg. „So ein Projekt macht nur Sinn, wenn beide am gleichen Standort trainieren“, sagt er.

Der Start des neu formierten Teams war furios: Beim Saisonauftakt der World Tour im April in Fuzhou gewannen Böckermann/Flüggen direkt Gold, doch auf dieses erste Ausrufezeichen folgte lange nichts. Immer wieder scheiterte das Duo knapp in der Qualifikation für die internationalen Turniere und konnte so kaum Punkte für die Olympiaqualifikation erspielen. Böckermann plagten zudem Knieprobleme. „Wir können einfach nicht die Ergebnisse erzielen, die wir wollen, das ist ganz schön frustrierend“, sagte Flüggen bei der Europameisterschaft Ende Juli in Klagenfurt.


Mit dem Hut läuft es

Zu diesem Turnier brachte ihm Partner Böckermann ein kleines Geschenk mit: Damit Flüggen seinen geliebten Anglerhut auch bei offiziellen Wettkämpfen tragen darf, hat Böckermann ihm das Logo des Sponsors auf die Seite genäht. „Seit der Hut dabei ist, läuft es wieder“, sagt Flüggen. Es folgte ein neunter Rang bei der EM und kurz darauf Platz fünf in Long Beach, ihr bislang bestes Ergebnis bei einem Grand Slam. Beim Open Turnier des Weltverbands in Rio de Janeiro Anfang September gewannen Böckermann/Flüggen die Silbermedaille. Dort, wo 2016 die Olympischen Spiele stattfinden, besiegten die amtierenden Europameister Aleksands Samoilovs und Janis Smedins aus Lettland sowie die Weltmeister Alison Cerutti und Bruni Oscar Schmidt aus Brasilien.

Nach dem Erfolg in Xiamen sind die erstmals im Olympiaranking dort, wo sie hinwollen: unter den 16 besten Teams, die den direkten Sprung nach Rio schaffen. Dabei profitierten sie auch von der Trennung von  Alexander Walkenhorst und Stefan Windscheif. Die ebenfalls auf Olympia 2016 ausgerichtete Partnerschaft scheiterte an den zu unterschiedlichen Vorstellungen der beiden Athleten. Da für das Olympiaranking nur gemeinsam erspielte Punkte berechnet werden, startete Windscheif, der sich inzwischen mit dem Berliner Sebastian Fuchs als Team der BR Volleys zusammengetan hat, bei null.

Bis zum 13. Juni können noch gemeinsam erspielte Ergebnisse eingebracht werden. „Die Trennung von Alex und Stefan hat uns noch einmal nach vorne gebracht“, sagt Lars. Es waren aber auch ihre eigenen guten Ergebnisse, die das Duo in der Weltrangliste nach oben schoben. Konkurrent Kay Matysik sieht das so: „Lars und Markus profitieren jetzt davon, dass sie auch in der schwierigen Zeit als Team zusammengeblieben sind.“ Und auch ein bisschen von den Nähkünsten Markus Böckermanns.

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