Simone Kuhn und Nadine Zumkehr: "Großer Traum sind die Olympischen Spiele"

Interview

Simone Kuhn, 29, und Nadine Zumkehr, 24, Nummer Eins in der Schweiz, bewiesen gleich in ihrer ersten gemeinsamen Saison auch auf internationaler Ebene ihre Qualitäten. Mit beach-volleyball.de sprachen sie über den Winter in der Schweiz, ihre Zukunftspläne und die Weltmeisterinnen.

Hallo Simone und Nadine! Ist der Winter gut zu euch?

Nadine Zumkehr: "Er schafft es trotz alljährlichen Versuchen nicht, etwas an unserer Vorliebe für den Sommer zu ändern. Es ist zwar schön, einmal mehr Zeit zu Hause zu verbringen, dennoch fehlen uns Sonne, Wärme und natürlich die Wettkämpfe! Die Vorbereitung ist hart, läuft aber bisher nach Plan und ohne Verletzungen. So gesehen ist er also doch ganz gut zu uns."(lacht)

 

Wie kriegt man denn als Beach-Volleyballer in der Schweiz den Winter rum?

Simone Kuhn: "Natürlich gibt es seit einigen Jahren auch Beach-Hallen in der Schweiz, wir trainieren also nicht im Schnee (lacht). Die meisten bisherigen Beach-Hallen waren aber sehr provisorisch, in alten und ungemütlichen Lagerhallen, und es gab meistens nur ein Feld. Seit Dezember gibt es im Beachcenter Bern neben den sechs Außenplätzen auch drei Felder in einer neu gebauten Halle mit geheiztem Sand. Dort trainieren nun täglich die Teams des Nationalen Trainingscenters, sprich die meisten Nationalkader der Schweiz. Aber natürlich darf für uns Schweizer im Winter auch der eine oder andere Trainingstag auf dem Snowboard oder den Skis nicht fehlen... das gehört fur uns halt einfach auch dazu."

 

In welcher Trainingsphase steckt ihr gerade? Wie sieht euer Alltag aus?

Zumkehr: "Wir stecken mitten in unserer Saisonvorbereitung. Diese besteht im Moment aus sehr harten physischen Einheiten und viel technischer Basisarbeit. Sicherlich nicht meine Lieblingszeit des Jahres...der allwöchentliche Muskelkater tut weh und man weiß nie genau wo man steht, da der direkte Vergleich zu anderen Teams fehlt. Dennoch ist es wohl eine der wichtigsten Phasen des Jahres, in welcher man den Grundstein zu Erfolgen der Saison legen kann, wenn man hart und konsequent arbeitet."

 

Ihr habt in Sanya gewonnen und damit die erste FIVB-Goldmedaille in der Frauen-Konkurrenz für die Schweiz geholt. Simone, Du wurdest zum MVP des Turniers ausgezeichnet. Was bedeutet euch dieser Erfolg?

Kuhn: "Dieser Erfolg ist ein riesiges Geschenk und eine Entschädigung für die vielen Trainingsstunden und anderen Aufwände, die wir und unser Umfeld leisten. Aber noch wichtiger ist es, zu wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das motiviert extrem. Mit dem Sieg in Sanya haben wir in unserem ersten gemeinsamen Jahr sicherlich nicht gerechnet, dafür war er natürlich umso schöner und sehr emotional. Beach-Volleyball macht mir auch nach vielen Jahren Spitzensport noch unglaublich viel Spaß und ich bin happy, dass es momentan so gut läuft."

 

Hat sich seit diesem Erfolg für euch etwas verändert?

Zumkehr: "An unserer Art zu arbeiten und am Trainingsalltag hat sich nichts verändert. Es wäre falsch, diesen Erfolg jetzt als Maßstab zu nehmen und sich damit unnötig zusätzlichen Druck zu machen. Wir wollen den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Der Turniersieg hat uns gezeigt, dass die Richtung sicherlich stimmt und uns enorm motiviert! Er hat auch aufgezeigt, was möglich ist und dass auch große Favoriten schlagbar sind. Ich hoffe, dass wir diese Gewissheit und das Selbstvertrauen in die kommende Saison mitnehmen können."

 

Die FIVB-Turniersiege europäischer Frauen-Teams sind bisher rar gesät. Bisher ist dies u.a. den Deutschen Pohl/Rau (Marseille 2008) und den Griechinnen Vasiliki Arvaniti/Vasiliki Karantasiou (Stavanger 2005) gelungen. Wann werden die Brasilianerinnen und US-Amerikanerinnen vom Thron gestoßen?

Kuhn: "Das ist eine sehr schwierige Frage... Ich kann dazu nur sagen, dass wir weiter hart an uns arbeiten, fleißig trainieren und dann schauen wir diese Saison auf dem Court weiter. Aber ich denke schon, dass die vielen guten Ränge, unter anderem auch die unglaubliche Konstanz von Laura Ludwig und Sara Goller und anderen europäischen Teams zeigen, dass auch wir Europäer vorne mitspielen können. Und vielleicht konnten wir ja mit unserem Sieg in Sanya auch andere anspornen und ihnen zeigen, dass sehr viel möglich ist..."

 

Ihr habt vier Turniere der Schweizer Nationaltour und auch die Meisterschaft in Bern gewonnen. Spielt ihr diese oder die internationalen Turniere lieber?

Zumkehr: "Das ist nur schwer vergleichbar. Es macht unglaublich viel Spaß, zu Hause zu spielen, sich direkt mit der Konkurrenz im eigenen Land zu messen. Oft sind Freunde und die Familie mit dabei und unterstützen mich vor Ort, das genieße ich sehr! Ich finde es sehr wichtig, dass man diesem internen Vergleichen nicht aus dem Weg geht. Es ist ein erklärtes Ziel von uns, Nr. 1 der Schweiz zu sein. Da wäre es falsch, dies nur aufgrund einer Punktewertung und ohne direkten Vergleich zu beurteilen und es ist wichtig zu zeigen, dass man dem Druck der Favoritenrolle standhalten kann. Zudem sind die Auftritte in der Schweiz auch für unsere Sponsoren meist sehr wichtig.

Bei internationalen Turnieren werden wir mit einer ganz anderen Situation konfrontiert. Die Dichte ist größer, gegen einen Großteil der Teams hängt es wirklich von der Tagesform ab, ob wir gewinnen oder verlieren. Eine Situation, die viel Spannung verspricht und immer höchste Konzentration und bestmögliche Leistung erfordert. Das spornt mich an und treibt mich voran!"

 

Wie beurteilt ihr eure Saison 2009, die eure erste gemeinsame war, insgesamt?

Kuhn: "Wir sind mit dem 9. Rang in Brasilia sehr gut in die Saison gestartet, haben uns dann aber im Sommer oftmals an der Schwelle zu den Top 10 die Zähne ausgebissen. Die Top 10 Ränge kamen nicht, obwohl wir meistens sehr gut gespielt hatten. Da war es gar nicht mal so einfach, geduldig zu bleiben. Aber die Gewissheit, jeweils so nahe dran zu sein, hat uns da sehr geholfen. Und mit der Ausbeute bei der EM (Bronze, Anm. d. Red.) sind wir dann nochmals top motiviert an die letzten zwei Turniere herangegangen. Und dass der Abschluss dann natürlich so 'goldig' war, das war hammermäßig. Das hat unsere Erwartungen natürlich um einiges übertroffen."

 

Und was sind eure Pläne und Visionen für die Zukunft?

Zumkehr: "Wie bereits gesagt, wollen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Fernziel und großer Traum sind die Olympischen Spiele 2012 in London. Für Simone wäre er bereits die dritte Teilnahme, für mich eine Premiere. Um dieses Ziel zu erreichen, sind viele Zwischenziele möglich. Für die kommende Saison erhoffen wir uns, den Schritt in die Top Ten konstanter zu schaffen und uns im World Ranking Schritt für Schritt nach vorne zu kämpfen. In der Schweiz wollen wir die Nummer 1 bleiben!"

 

Noch eine Frage: Die Weltmeisterinnen Kessy/Ross scheinen euch zu liegen. Ihr habt sie in Den Haag in zwei Sätzen vom Feld geschickt und euch dann noch einmal im Finale von Sanya mit 17:21, 22:20, 15:13 den Sieg erkämpft. Was ist euer Erfolgsrezept?

Kuhn: "Das mit dem Spiel in Den Haag ist leider so eine Sache... Ross/Kessy ließen uns da gewinnen, da sie nach Hause zu einem AVP-Turnier mussten... Aber dafür waren wir natürlich umso mehr motiviert, ihnen in Sanya zu zeigen, dass wir gut spielen können. Und das ist uns ja gar nicht mal so schlecht gelungen." (lacht)

 

Wird beach-volleyball.de auch in der Schweiz gelesen?

Zumkehr: "Ja, ich als kleiner Internet-Junkie schaue auch regelmäßig auf beach-volleyball.de vorbei. Wir kennen die deutschen Teams ziemlich gut, gerade mit Holtwick/Semmler trainieren wir relativ oft. Da interessiert das Beach-Geschehen beim Nachbar natürlich auch! Und schließlich will ich ja wissen, wie es Deutschland gelingt, immer so starke Konkurrenz ins Rennen zu schicken." (lacht)

 

Möchtet ihr etwas an die User von beach-volleyball.de loswerden?

Kuhn: "Wir sind beide sehr beeindruckt, was in Sachen Beach-Volleyball auf allen verschiedenen Ebenen bei Euch in Deutschland so abgeht! Und wenn ihr auf beach-volleyball.de mal nichts mehr Neues zu lesen findet, dann schaut doch mal auf www.kuhn-zumkehr.ch rein!"

 

Vielen Dank für das Gespräch, ihr beiden, und viel Erfolg in der Saison 2010.

 

 

Zum Spielerprofil Kuhn/Zumkehr

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