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In Timmendorfer Strand gehen die 32 besten deutschen Teams bei der Deutschen Meisterschaft an den Start. Einer, der normalerweise dazu gehören würde, wird dieses Jahr fehlen: Lorenz Schümann. Für ihn ist die Saison 2018 zum Albtraum geworden. Ob er seine Profi-Karriere fortsetzt, entscheidet sich nach der Deutschen Meisterschaft.

Trennung während der Saison ein „No-Go“

Nicht nur die deutsche Beach-Volleyball-Szene war überrascht, als Markus Böckermann sein Karriereende bekannt gab. Selbst der Deutsche Volleyball Verband (DVV) wurde von Böckermann erst eine Woche zuvor darüber in Kenntnis gesetzt. Diese Entscheidung war der Auslöser für den Dominoeffekt, der schließlich bei Schümann endete. Lars Flüggen suchte einen Blockspieler, fragte bei Ehlers an und dieser entschied sich dazu, während der laufenden Saison den Partner zu wechseln. So stand Schümann – genau wie Flüggen – von einem auf den anderen Moment ohne Partner da. Mit einem großen Unterschied: Denn ohne einen Blockspieler an seiner Seite – und der Verband scheint im Moment keinen alternativen Blockspieler mit Nationalkader-Niveau im Blick zu haben – war Schümann auf einen Schlag in keinem Nationalteam mehr.

Aus Sicht seines ehemaligen Partners war es „eine Entscheidung für Lars und nicht gegen Lorenz“, wie Ehlers betont, „ich habe mich dann mit unseren Trainern abgesprochen und auch mit Lorenz geredet. Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, weil Lorenz und ich auf einem guten Weg waren und hart gearbeitet haben.“

Auch Schümann sah das so und ist daher so enttäuscht von Ehlers: „Es ist zwar kein schriftlicher Vertrag, den man eingeht, dennoch trifft man vor der Saison eine Vereinbarung, dass man in der gesamten kommenden Saison gemeinsam in den Sand geht. Insofern ist eine Trennung während der laufenden Saison für mich ein ‚No-Go‘.“

Für Ehlers war es eine Entscheidung (die er für sich allein ohne Druck von den Bundestrainern fällte), die die Chancen einer erfolgreichen Karriere über die Saison hinaus verbessern soll, Schümann trifft sie jedoch unmittelbar. Wohl deshalb beklagt er die fehlende Rückendeckung von den Bundestrainern Martin Olejnak und Eric Koreng. „Die Bundestrainer waren grundsätzlich gegen die Auflösung des Teams inmitten der Saison. Als Nils und Lars sich jedoch entschieden hatten, kam kein Widerspruch von den Bundestrainern, da hätte ich mir mehr erhofft“, sagt Schümann.

„Es wäre zu Veränderungen gekommen“

Vielleicht fehlte der Rückhalt für Schümann, „weil es unabhängig davon, wie es jetzt gelaufen ist, zu Veränderungen gekommen wäre nach der Saison“, wie Eric Koreng sagt. Wieso also warten und Ehlers/Flüggen nicht sofort Spielpraxis sammeln lassen? Schümann bemängelt die fehlende Kommunikation: „Es wäre fair mir gegenüber gewesen, wenn ich von vornherein in die Gespräche mit einbezogen worden wäre“. Er fügt hinzu: „Ich habe Nils am Anfang der Saison auf dieses Niveau hochgezogen. Wir haben sehr lange an seinem Spiel gearbeitet und ich musste warten bis ich an meinen Punkten arbeiten konnte.“

Koreng zeigt Verständnis für Schümann, er könne verstehen, dass er frustriert sei. Der Verband würde jedoch gerne mit Schümann weiter arbeiten. „Wir wünschen uns, dass Lorenz weiter spielt. Er wäre weiterhin am Stützpunkt in Hamburg und würde in der Anschlusstrainingsgruppe mit einem jüngeren Blockspieler an seiner Seite in den Strukturen des Verbands bleiben“, sagt Koreng über die zukünftigen Pläne mit Schümann. Schümanns Plan, die Chance auf Olympia 2020 zu nutzen, sei jedoch eigentlich nicht mehr existent, stellt Koreng klar.

Zukunft bleibt offen

Das Angebot der Bundestrainer steht also, ob Schümann jedoch auch diese Pläne verfolgt, bleibt noch offen. Er habe sich ein wenig Bedenkzeit gegeben und stehe jetzt vor der Entscheidung, die Karriere auf einem etwas niedrigeren Level fortzuführen oder sie zu beenden. „In den nächsten zwei bis drei Wochen werde ich eine Entscheidung fällen“, sagt Schümann. Sollte Schümann seine Karriere beenden, dann hat er zwei Ideen. Entweder er macht ein Master-Studium in Management oder er ergreift seine „letzte Chance“, um ein Medizin-Studium zu beginnen. Die Zeit an der Uni würde dann im Oktober 2019 beginnen, ob er den Sommer 2019 dann trotzdem im Sand auf der deutschen Tour verbringen würde, lässt er offen.

Abgelehnter Antrag für DM

Heute Morgen starten die ersten Spiele bei den Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaft in Timmendorfer Strand. Lorenz Schümann wird nicht aufschlagen, auch wenn er sich mit Armin Dollinger gemeldet hatte. Ihr Antrag wurde jedoch vom Beach-Volleyball Ausschuss (BVA) des DVV abgelehnt. Offizielle Begründung: „Der BVA sieht keinen schwerwiegenden Grund in die sportliche Qualifikation zur DBM einzugreifen, was bedeuten würde ein Team auszuschließen, das alle Zulassungskriterien erfüllt.“ Dollinger/Schümann würden natürlich nicht alle Zulassungskriterien erfüllen, da sie bisher kein einziges Turnier gemeinsam bestritten haben in diesem Jahr. Schümann wollte jedoch vom Top10-Zusatz im Regelwerk des DVV Gebrauch machen.

Dass der BVA diesen Antrag ablehnt, ist für Schümann unverständlich: „Der BVA wollte diesen Zusatz im Regelwerk und ich finde ihn sinnvoll in gewissen Fällen, wie zum Beispiel in diesem. Ich habe alleine so viele Punkte wie Bevers/Geukes gemeinsam. Ich habe mir mit Armin keinen ‚Allerwelts-Blocker‘ ausgesucht, also hätten wir schon einmal einen qualitativen Aspekt erfüllt. Zudem kommt, dass ich der Meinung bin, dass sich Bevers/Geukes nur dadurch qualifizieren, weil Markus Böckermann und ich nicht bei der DM spielen und dadurch ein Platz für ein Team frei wird.“

Lennart Bevers und Lars Geukes sehen das sicher anders, qualifizierten sie sich doch sportlich für die Deutsche Meisterschaft. Ihre zwei fünften Plätze auf der Techniker Beach Tour beweisen, dass mit ihnen zu rechnen ist und sie berechtigt bei den Deutschen Meisterschaften starten. Zudem wäre der sportliche Mehrwert eines Interimsduos, das nur für ein Turnier gemeinsam spielt, sicher überschaubar. Die sportliche Qualifikation hat also Vorrang.

Für Schümann passt es ins Bild einer verkorksten Saison, dass der BVA in einem anderen Fall eine Ausnahme machte: Sein ehemaliger Partner Nils Ehlers und Lars Flüggen erfüllen auch keine der Zulassungskriterien, dürfen jedoch aufgrund einer Wildcard an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen – auf Ehlers und Flüggen liegen die Hoffnungen für die Zukunft, Schümann hingegen muss sich mit seinem möglichen Karriereende auseinandersetzen.

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