Tag 13: Brink/Reckermann holen GOLD

Olympia 2012 - Finaltag

GOLD FÜR DEUTSCHLAND! Julius Brink und Jonas Reckermann holen die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London. In einem dramatischen Endspiel saß nach einer 14:11-Führung erst der vierte Matchball gegen die Brasilianer Alison/Emanuel. „Da ist mir das Herz kurz in die Hose gerutscht, aber der Volleyball-Gott war zum Glück auf unserer Seite", so Julius Brink.

Die Krönung für Brink/Reckermann

Drei Jahre Schweiß, harte Arbeit und am Ende steht der größte Erfolg eines jeden Beach-Volleyball Spielers der Welt: der Olympiasieg. Julius Brink und Jonas Reckermann haben es geschafft. In einem dramatischen Finale setzten sie sich gegen die im Vorfeld favorisierten Weltmeister und an eins gesetzten Emanuel Rego und Alison Cerutti in drei Sätzen durch (23-21, 16-21, 16-14). Bereits der Einzug ins Finale im mit 15.000 Zuschauern voll besetzten Stadion auf der Horse Guards Parade war der bisher größte Erfolg im deutschen Beach-Volleyball. Nach dem Weltmeistertitel 2009 und zwei Europameistertiteln 2011 und 2012 krönen sie mit ihrem Auftritt in London ihre bisher dreijährige Zusammenarbeit und gehören fortan zu den wenigen Spielern, die in ihrer Karriere alle wichtigen Titel gewannen. Zudem sind sie das erste europäische Team, das je Gold bei Olympischen Spielen holte. 

Spannung, Aufregung, Leidenschaft, Ungewissheit und ein historischer Glücksmoment – eben Beach-Volleyball pur. Die letzten Minuten des Finalspiels waren nichts für schwache Nerven. Julius und Jonas führten im entscheidenden dritten Satz bereits mit 14-11. Julius hatte gar den Matchball nach einer Abwehraktion auf der Hand, doch den Blockabpraller haute Alison auf die Mütze von Reckermann und von dort auf die Tribüne – 14-12. Emanuel setzte mit Sprungaufschlägen die deutsche Annahme unter Druck, die erste davon spielte Julius zu dicht ans Netz, der zweite Aufschlag ging als Ass durch die Mitte – nur noch 14-14 - Brink: "Das war natürlich unglücklich, dass ich mich da aus der Mitte, auf Deutsch gesagt, verpisst habe“. Der nächste Aufschlag ging auf Jonas, der seinen Angriff durchbrachte. Jonas' Aufschlag nahm Emanuel an, dessen Angriff aber im Aus landete (16-14). Es war der letzte Ballwechsel dieses dramatischen Endspiels, dem große Gefühle folgten.

Schulterzucken, Kopfschütteln

Julius schaute ungläubig zum Schiedsrichter, dessen Arm zum Punktgewinn auf seine Seite zeigte. Ein Pfiff. Spielschluss. Olympiasieg Brink/Reckermann. Der Blockspieler schnellte zu seinem Abwehrspieler, wollte Julius in die Höhe stemmen. Doch dieser rannte weg, wusste nicht wohin mit seinen Gefühlen. Emanuel ging auf die Seite der Deutschen; zwei, drei, vier Mal zeigte er kopfschüttelnd auf den Abdruck, den er auf der Linie gesehen hatte. Da waren die Deutschen schon wild über den Platz gelaufen. Julius stand nach dem Triumph allein auf einer Feldhälfte, zuckte mit den Schultern, schüttelte mit dem Kopf. Haben wir das tatsächlich geschafft? - offenbarte der Gesichtsausdruck des deutschen Abwehrspielers.

Breits im ersten Satz zeigte Ikone Emanuel Nerven. Zwei Satzbälle hatten die Deutschen gegen sich, ehe der Brasilianische Abwehrspieler einen Angriff verzog (22-21). Jonas spielte den nächsten Aufschlag erneut druckvoll auf Emanuel und reagierte auf das ungenaue Zuspiel seines Gegners mit einem Fakeblock – Abwehr Jonas, der nach Zuspiel seines Partners den Punkt zum Satzgewinn machte (23-21). Im zweiten Durchgang war es mit der deutschen Souveränität allerdings vorbei. Die Weltmeister erhöhten den Aufschlagdruck, machten im eigenen Angriffsspiel kaum Fehler und gewannen deutlich mit 21-16. Im Tiebreak übernahmen Julius und Jonas wieder die Kontrolle über das Geschehen, bis zu den letzten Ballwechseln sprach alles für ein schnelles, gutes Ende für die Deutschen. „Als wir dann nochmal zwei Bälle da reinfallen lassen… ei, ei, ei… da ist mir das Herz kurz in die Hose gerutscht, aber der Volleyball-Gott war da zum Glück auf unserer Seite. Jonas hat mir unglaublich geholfen, hat immer gesagt ‚Komm, ist egal, kühler Kopf‘. Das war natürlich unglücklich, dass ich mich da aus der Mitte auf Deutsch gesagt, verpisst habe, aber das ist jetzt egal“, so Julius Brink nach dem Finale.

Großer brasilianischer Teddy

Emanuel Rego, nun mit Gold (2004), Silber und Bronze (2008) bei Olympischen Spielen dekoriert, sagte: „Das waren die schönsten und erfolgreichsten Olympischen Spiele im Beach-Volleyball, weil alle guten Teams dabei waren. Wir wollten das Finale gewinnen, das Endspiel war eine große, große Show. Aber manchmal muss man sich zurücknehmen und sagen, dass es ein großartiges Spiel war.“ Emanuel war bereits bei allen Olympischen Spielen, seit 1996 in Atlanta, im Beach-Volleyball dabei, küsste bei der Siegerehrung seine Medaille. Sein Partner Alison war untröstlich, tapfer winkte er in die Menge, doch mit Silber freundete er sich in den ersten Augenblicken nur widerwillig an - in diesem Moment wollten sicherlich viele seine weiblichen Fans diesen großen, tieftraurigen brasilianischen Teddybär knuddeln. 

Jonas Reckermann hingegen war noch voll des Glücks und knuddelte nach dem Spiel seine schwangere Frau Katja. Später sagte er: „Unbeschreiblich. Es war ein unfassbares Spiel mit Höhen und Tiefen. Einfach unglaublich. Wir haben solche Situation schon häufiger erlebt, als wir auch in Moskau gegen die beiden 14-11 geführt und trotzdem noch verloren haben. Aber diesmal hab ich mir gesagt, 'diesmal nicht'. Das geben wir nicht mehr aus der Hand. Ich hab zu Julius gesagt ‚Komm, komm. Einfach abhaken und der nächste Ball‘. Da denkt man sich dann kurz ‚scheiße‘, aber für solche Momente haben wir ja trainiert.“ 

Eine Vorahnung für einen möglichen Beach-Volleyball-Boom

„Keine Worte. Keine Kraft und bin nassgeschwitzt. Ohne Worte. Nach dem zweiten Satz, wo viele schon den Glauben verlieren, spielen die beiden einfach ihr Ding runter“, so Markus Dieckmann, ehemaliger Partner Reckermanns und einer der Balltrainer des Teams. 

Laura Ludwig, Olympiafünfte in London, fieberte erst auf der Tribüne mit und schrieb dann auf ihrem Facebook-Profil: „GOOOOOOOOOLD!!!!! Aaaahhhhhh!!!!!:)))))))) die Jungs sind einfach nur Bombe!!!!!“

Das Fernsehen berichtete wie bereits in mehreren Partien zuvor live aus dem Stadion auf der Horse Guards Parade in London, das im Endspiel mit 15.000 Zuschauern voll besetzt war. Julius und Jonas erfreuen sich mit ihrem wachsenden Erfolg auch über eine rasant wachsende Fangemeinde. Waren es vor den Olympischen Spielen rund 1.500 User, die auf Facebook den „Gefällt mir“-Button drückten, sind es kurz nach dem Finale bereits über 22.000. Es ist eine Vorahnung dessen, was die olympische Goldmedaille für einen Beach-Volleyball-Boom in Deutschland auslösen könnte. 

Die Redaktion von beach-volleyball.de zieht Hut, Kappe und Sonnenbrille vor den Olympiasiegern und dankt Julius und Jonas sowie den anderen drei Teams - Sara Goller/Laura Ludwig (5.), Katrin Holtwick/Ilka Semmler (9.) und Jonathan Erdmann/Kay Matysik (9.) - für die spannende Zeit während der Olympischen Spiele in London. Nicht nur wir, sondern ganz Volleyball-Deutschland hat mitgfiebert, mitgejubelt und sich über die tollen Ergebnisse erfreut!

=> Hier geht es zur Bildergalerie des Endspiels und der Siegerehrung


Gänsehaut pur: Die letzten Ballwechsel des Finalspiels nochmal zum mitjubeln im Videostream...

 

21:15 Bronze für Plavins/Smedins

Die Letten Martins Plavins und Janis Smedins sind die Überraschung der Olympischen Spiele in London. Mit einem Sieg im kleinen Finale über Reinder Nummerdor und Richard Schuil sicherten sie sich die Bronzemedaille auf dem Horse Guards Parade. 

Martins Plavins und Janis Smedins aus Lettland gewinnen Bronze bei den Olympischen Spielen in London 2012. Im kleinen Finale setzten sie sich gegen die Holländer Nummerdor/Schuil in drei Sätzen durch (19-21, 21-19, 15-11). Nach 56 gespielten Minuten fassten sich die Außenseiter aus Osteuropa ungläubig an den Kopf, denn wohl nicht einmal sie selbst hätten mit einer Medaille auf den wichtigsten Beach-Volleyball Turnier gerechnet. Mit einigen einstelligen Platzierungen in den vergangenen beiden Jahren auf der World Tour haben sie sich als 14. der Rangliste für London qualifiziert. Wenn es darauf ankam, waren sie stets voll da: Im vergangenen Jahr überraschten sie bei der Weltmeisterschaft in Rom bereits mit dem Einzug ins Halbfinale, verpassten gegen Julius Brink und Jonas Reckermann jedoch eine Medaille. 

Reinder Nummerdor und Richard Schuil stehen hingegen seit vier Jahren – mit Ausnahme von 2010 – unter den Top fünf der Welt. Schuil hätte nach Karch Kiraly der zweite Volleyballspieler werden können, der sowohl in der Halle als auch im Sand olympisches Edelmetall gewinnt. 1996 wurde er in der Halle Olympiasieger. Für den 35-jährigen Nummerdor und den 39-jährigen Schuil werden es wohl die letzten Olympischen Spiele sein. 

 

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