Taktik schlägt Athletik

FIVB World Tour Finals Hamburg 23.08.2017 - 27.08.2017

Mit dieser Dominanz hatte wohl keiner gerechnet: Das Herren-Finale des World Tour Finals in Hamburg zwischen den Weltranglisten-Ersten und den Weltmeistern glich einer Demonstration der Stärke der US-Amerikaner Dalhausser/Lucena.

Zum Taktikwechsel gezwungen

Wer sich für die Qualität der Aufschläge von Evandro Goncalves Oliviera Junior interessiert, möge bei den Österreichern Doppler/Horst nachfragen. Die beiden werden die Aufschläge des 27-jährigen Brasilianers mit Sicherheit noch im Kopf haben, führten sie letztlich doch zum Satzverlust im Weltmeisterschafts-Finale in Wien. Wenn jener Evandro also seinen so gefürchteten Aufschlag umstellt, hat das schon etwas zu bedeuten.

Phil Dalhausser und Nick Lucena haben das geschafft, was den Österreichern trotz Unterstützung durch 10.000 lautstarke Zuschauer nicht gelungen war: Sie sind durch konstanten Druck in den Kopf Evandros gekommen, der daraufhin ungewöhnlich viele ungezwungene Aufschlag- und Angriffsfehler beging. 

Das sollte der Schlüssel zum Erfolg sein: Die US-Amerikaner Dalhausser/Lucena haben das World Tour Final in Hamburg für sich entschieden. Im Finale siegten sie gegen die brasilianischen Weltmeister Evandro/Andre deutlich mit 2:0 (21:15, 21:13). Für die Weltranglisten-Ersten aus den USA ist der Erfolg ein äußerst lukrativer: Als Sieger erhalten sie 100.000 US-Dollar Preisgeld. „Der Scheck wird sicherlich helfen, ein paar Rechnungen zu bezahlen. Das Geld ist toll, aber gewinnen wird nie langweilig. Und das wollen wir immer“, kommentierte Dalhausser im Feldinterview nach dem Spiel.


US-amerikanische Dominanz im Sonnenschein von Hamburg

Zum Finale präsentierte sich Hamburg von seiner besten Seite: 22 Grad bei strahlendem Sonnenschein und ein zum Nachmittag hin gut gefülltes Stadion boten beste Bedingungen. Das „Thin Beast“ Dalhausser brauchte im Gegensatz zum Halbfinale auch keine Anlaufzeit und war gleich voll im Spiel: Insgesamt sieben Blocks sprechen ihre eigene Sprache. Von Beginn an dominierte das erfahrene US-Duo das Match und hatte vor allem den 2,10 Meter großen Evando unter Kontrolle, dem ungewöhnlich viele Eigenfehler unterliefen. Sei es in der Annahme, im Angriff oder im Aufschlag: Der Brasilianer zeigte in fast allen Elementen Schwächen, die die Amerikaner routiniert auszunutzen wussten. Exemplarisch dafür der Satzball im ersten Durchgang, den Evandro ohne Bedrängnis ins Aus setzte.

Auch im Anschluss änderte sich an diesem Bild nichts. Dalhausser/Lucena blieben den brasilianischen Weltmeistern in sämtlichen Bereichen überlegen, vor allem Evandro war weiterhin völlig neben der Spur. Unterstützung von seinem jungen Partner Andre blieb aus, die US-Amerikaner konnten auch im zweiten Satz konsequent ihr Spiel durchziehen und feierten nach dem Sieg beim smart Major 2016 schon den zweiten Turniersieg in Hamburg: „Hamburg scheint ein gutes Pflaster für uns zu sein. Wir lieben es hier, die Fans sind toll“, zeigte sich Dalhausser dementsprechend begeistert. 


Die freie Zeit nachholen

Für das amerikanische Duo steht nun nur noch das AVP in Chicago an, danach ist ihre Saison beendet. Dalhausser hat schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie die Zeit aussehen wird: „Im ersten Monat werde ich nur auf der Couch sitzen, mit meinen Kindern spielen, an den Strand fahren, baden gehen – also die freie Zeit nachholen, die ich nicht hatte. Dann fahre ich mit zu meinen Eltern nach Florida, die wollen die Kinder schließlich auch sehen“. Mit einem Turniersieg und 100.000 US-Dollar Preisgeld im Gepäck lässt sich das sicherlich unbeschwerter genießen. 

 

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