Thole/Wickler begeistern weiter in Hamburg

WM 2019

12.000 Zuschauer und sie bleiben trotzdem cool: Warum Julius Thole und Clemens Wickler bei ihrer WM-Premiere so souverän auftreten und im Viertelfinale stehen.

Fünf Siege ohne Satzverlust

Der Weg vom Spielerhotel zum Gelände der Beach-Volleyball-Arena am Rothenbaum ist für Julius Thole wie eine Zeitreise. Es geht vorbei an seiner Grundschule und an der Universität, wo der 22-Jährige heute studiert. Thole ist hier ganz in der Nähe in Hamburg geboren und der Hansestadt bis heute treu geblieben. Das ist einer der Gründe, warum die Zuschauer ihn und seinen Partner Clemens Wickler (24) bei den Beach-Volleyball-Weltmeisterschaften ins Herz geschlossen haben.

Und natürlich wegen der Leistungen, die Thole und Wickler auf den Platz bringen. Fünf Siege ohne Satzverlust haben Thole und Wickler seit Turnierstart mittlerweile aneinandergereiht, der jüngste 2:0-Erfolg (21:14, 21:15) am Freitagabend gegen Alison/Alvaro Filho aus Brasilien brachte sie bei ihrer WM-Premiere ins Viertelfinale. Rund 12.000 Zuschauer jubelten ihnen dabei zu – es ist auch ihr Verdienst, dass bei der zweiten Weltmeisterschaft hierzulande nicht mehr viel Platz ist in der größten Beach-Arena Deutschlands.

„Ich hatte vor dem Spiel die Hosen voll und jetzt bin ich unglaublich stolz, wie souverän wir hier aufgetreten sind“, sagte Wickler nach dem Spiel, das unerwartet einseitig für die Deutschen lief. „Es ist beeindruckend, mit wie viel Ruhe und Übersicht die beiden das hier machen“, sagt auch David Klemperer, der ehemalige Weltklasse-Spieler und Beach-Experte.

Erstaunliche Zielstrebigkeit

Seit der vergangenen Saison gelten sie zurecht als die neuen deutschen Hoffnungsträger im Beach-Volleyball. Sie scheinen das nicht als Bürde zu verstehen. Dabei sind sie noch in der Entwicklung. „2018 war die Marschroute, aus der Qualifikation zu kommen und sich im Hauptfeld zu etablieren“, sagt Eric Koreng, der als Bundestrainer gemeinsam mit dem Chef-Bundestrainer Martin Olejnak das Duo in Hamburg betreut. Das funktionierte schneller als erwartet; in Espinho gewannen Thole und Wickler Bronze bei einem Vier-Sterne-Turnier, in Hamburg bei den World Tour Finals kamen sie bis ins Halbfinale, holten Gold bei den Deutschen Meisterschaften.

„Und 2019 wollten wir vor allem die Konstanz reinbekommen in das Spiel. Das haben die beiden in dieser Saison über weite Teile schon gut umgesetzt“, sagt Koreng. Trotz ihres jungen Alters agieren Thole und Wickler bei der WM in Hamburg abgeklärt, jede Bewegung auf dem Feld hat eine erstaunliche Zielstrebigkeit. „In der Weltspitze geht es verdammt eng zu, da brauchst du eine Variabilität im Sideout. Und du brauchst ein Selbstverständnis, um Drucksituationen gut überstehen zu können. Und da haben sie sich weiterentwickelt.“

Für Koreng ist es das Ergebnis aus dem intensiven Training am zentralen Stützpunkt in Hamburg und einem großen Team, dass sich mittlerweile um Thole und Wickler kümmert. Neben den Bundestrainern haben sie in Markus Dieckmann noch einen ehemaligen Weltklassespieler an ihrer Seite, der sich in Blockeinheiten um die technischen Weiterentwicklungen kümmert, Anett Szigetti ist als Sportpsychologin ein entscheidender Faktor des Erfolgs. Und seit dieser Saison gehört auch Jürgen Wagner mit dazu, der für das Athletiktraining verantwortlich ist.

Im Viertelfinale gibt es ein Generationenduell

Der Doppel-Olympiasiegertrainer Wagner gilt (nicht nur) auf diesem Gebiet als Koryphäe und gerade dort liegt noch immer Entwicklungspotenzial. Beispiel: Thole blockte in der ersten K.o.-Runde die Holländer Brouwer/Meeuwsen zwölf Mal in einem Spiel, im Vergleich zur Vorsaison ist er in diesem Element athletisch  deutlich stabiler geworden. „Aber da haben wir ihn noch nicht da, wo wir ihn haben wollen“, sagt Koreng, „im Vergleich zu anderen Spielern blockt er noch verhältnismäßig wenig.“

Im Vergleich mit dem US-Amerikaner Phil Dalhausser (39) zum Beispiel; der 2,06 Meter-Mann zählt seit mehr als einem Jahrzehnt zu den weltbesten Blockspielern. Auf ihn und Partner Nick Lucena (39) treffen Thole und Wickler am Samstag um 11.45 Uhr. Es ist beinahe ein Generationenduell, in das Thole und Wickler mit guten Chancen gehen. Mittlerweile haben sie so viele Qualitäten, dass ihnen in Hamburg auch eine Medaille zuzutrauen ist.

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