Unbekannte Exoten auf der großen Bühne

Weltmeisterschaft

Teams aus Ruanda, Paraguay, Nigeria oder Marokko sind die Exoten der WM. „Aber sie gehören zum Bild eines solchen Events dazu”, sagt Olympiasieger Julius Brink. Problem ist nur: Keiner kennt sie.

Wie gut, dass es Youtube gibt. Was würden Beach-Volleyballer ohne die Plattform mit den Millionen von Videos machen? „Dann hätten wir überhaupt nichts über unsere Gegner gewusst”, gesteht Kay Matysik ein, Trainer des National-Teams Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur. Seine Schützlinge hatten ihr WM-Auftaktspiel gegen Michelle/Pati aus Paraguay zu bestreiten und Matysik hatte nach stundenlangen Recherchen Videos der Kontrahenten gefunden. Allerdings nicht als Team, sondern als Einzelspielerinnen.

Nationalspieler Julius Thole kennt das Problem. Am Samstag steht für ihn und Clemens Wickler der WM-Start gegen Patrick Kavalo und Olivier Ntagengwa aus Ruanda auf dem Spielplan (Beginn 13.00 Uhr). „Unsere Trainer haben bei Youtube Aufnahmen von afrikanischen Meisterschaften gefunden zu dem Team.” Aber meist ist die Qualität der Bilder grenzwertig, wirklich aussagekräftige Informationen sind daraus kaum zu ziehen. „Und dann weißt Du nicht wirklich, wer ist jetzt wo besser oder schwächer als der andere”, so Thole, „und die Größe der Spieler kannst Du auch nicht wirklich einschätzen.” Es bleibt eine Aufgabe mit vielen Unbekannten.

Kay Matysik nutzte die Zeit vor dem Spiel, um Michelle/Pati auf dem Warm-up-Court zu beobachten. „Aber auch danach weißt Du kaum mehr, und musst aufpassen, dass Du dein Team nicht noch vollfrachtest mit Informationen.” Letztlich müssen sie es allein auf dem Feld schaffen, die richtigen Lösungen zu finden. Was Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur gut gelang, und wenn mal nicht, dann nahmen sie es mit Leichtigkeit. „Hauptsache, alle dummen Fehler sind heute passiert”, so Ittlinger, „und kommen im nächsten Spiel nicht mehr vor.”

Mit kleinstem Betreuerstab zur WM

Für Michelle Sharon Valiente Amarilla und Patricia Carolina Caballero Pena zählt ohnehin mehr das Erlebnis an sich: „Wir wollen nur Spaß haben.” Seit zwei Tagen sind sie in Hamburg mit einem Coach, zu dritt also, mehr war nicht drin. Wo andere Teams mit mehr als einem halben Dutzend Betreuer anreisen, sind Pati (35) und Michelle (21) froh, dass das nationale Olympische Komittee die Reisekosten für das Trio aufbringen konnte. Und die Reiseformalitäten bewältigt bekam, was nicht selbstverständlich ist. Für John Kamara / Ishmail Bangura aus Sierra Leone hat es der eigene Verband nicht geschafft, seinem Team ein Visum zu besorgen. Sie mussten daheim bleiben.

Michelle/Pati spielten in der Vergangenheit vorwiegend im Indoorbereich. Pati sogar in der Nationalmannschaft. Als Sandspielerinnen hatten sie kaum Gelegenheit, um Erfahrung sammeln: „Wir haben ja auch keine Strände.” Immerhin nahmen sie an der WM 2013 im polnischen Stare Jablonki teil, damals war Michelle erst 15 Jahre alt und sie landeten sieglos auf Rang 37. Viel anders wird es auch in Hamburg nicht laufen, immerhin werden sie dort für den letzten Platz 3400 US-Dollar Preisgeld erhalten, doppelt so viel wie vor sechs Jahren. Das Geld dürfen sie behalten und wollen es zur Vorbereitung auf ihr eigentliches Highlight verwenden: „Für uns sind die panamerikanischen Meisterschaften wichtiger als die WM”, sagt Pati.

Premiere der World Tour in Ostafrika

Teams wie Michelle/Pati, wie Nzayisenga/Judith aus Ruanda oder deren Landsmänner Patrick Kavalo und Olivier Ntagengwa gehören zum Bild einer Weltmeisterschaft, sagt Olympiasieger und Julius Brink: „Es hilft diesen Nationen bei der Entwicklung Volleyballs, wenn sie ihre Besten hier teilnehmen dürfen.” In Ruanda findet Mitte August ein Ein-Sterne-Turnier der World Tour statt. Es ist das erste überhaupt in dem ostafrikanischen Binnenland. Im Rubavu Palm Beach Resort am Lake Kiwu soll gespielt werden. Olivier Ntagengwa freut sich darauf: „Das ist unser Saisonhöhepunkt.” Kavalo/Ntagengwa haben sich als Zweite der Afrika-Meisterschaften hinter den Marrokanern Abicha/Elgraoubi für Hamburg qualifiziert. Zu sechst – die beiden Teams sowie ein Delegationsleiter und ein Trainer – sind sie in die Hansestadt gekommen. So weit weg von ihrer Heimat haben sie noch nie gespielt. Die Aufgabe gegen die Nummer eins der Gastgeber Thole/Wickler am Samstag auf dem Center Court sehen sie als Herausforderung: „Wir wollen den Spaßfaktor nicht vergessen”, so Olivier Ntagengwa, „und hoffen uns gut präsentieren zu können.”

Trainingstipps mit Paul Becker

Paul zeigt uns eine echte Profi-Übung zum Thema "Zuspiel nach Annahme und Abwehr". Schau dir jetzt an, wie die Profis trainieren und probiere es beim nächsten Training direkt selber aus.

Beach-Volleyball-Entwicklung: 2019 in Zahlen

Die sportlichen Ergebnisse der Teams sind bekannt, aber wie ist das Jahr für die Sportart Beach-Volleyball und ihre Reichweite eigentlich gelaufen? Ein Jahresrückblick in Zahlen und eine Prognose.

Nicht verpassen: Vizeweltmeister zu Gast

Es ist ein Projekt, das neue Maßstäbe im Bereich Beach-Camps setzen wird. Die Rede ist von der Eröffnung der Beach-Arena. Wir verraten dir, warum du insbesondere die Eröffnungswoche vom 30.3.-4.4. nicht verpassen solltest.

    beach-volleyball.de Partner

    • Mikasa
    • Schauinsland Reisen
    • Techniker Beach Tour
    • Die Techniker
    • Website WM