Verbandserfolg vs. Chancengleichheit: Behrens/Tillmann prüfen Klage gegen den DVV

FIVB-Tour, Techniker Beach Tour, DVV

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) meldet Kim Behrens und Cinja Tillmann von internationalen Turnieren ab. Die Spielerinnen sehen sich in der Ausübung ihres Berufs beschnitten und prüfen rechtliche Schritte. Der Disput aus allen Perspektiven.

Besser platziert und trotzdem abgemeldet

Kim Behrens und Cinja Tillmann konzentrieren sich an diesem Wochenende ganz auf Beach-Volleyball. Beim fünften Stopp der Techniker Beach Tour, dem ersten in dieser Saison an der Küste, ist das Duo der an Nummer eins gesetzten Top-Favorit, der jedes Spiel auf dem Center Court absolviert. Die WM-17. beschäftigen sich am sonnigen Nordseestrand ausschließlich damit, ihr Sideout stabil zu halten, mit kraftvollen Aufschlägen den Wind auszunutzen, das Niveau in Block und Abwehr hochzuhalten und endlich konstant ihr Potenzial abzurufen. Womit sich Beach-Volleyballer während eines Turniers eben so beschäftigen.

Doch für Behrens/Tillmann ist das gerade keine Selbstverständlichkeit. Denn seit Wochen quälen sie sich in einem rechtlichen Disput mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Grund ist die Leistungssport-Strategie des DVV, der das Duo zwar als Kader-, nicht aber als Nationalteam führt. Weil sie nicht zu den vier Nationalteams zählen, die der Verband mit Blick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 speziell fördert, haben sie trotz besserer Ranglistenplatzierungen nur dann die Möglichkeit, internationale Top-Turniere zu spielen, wenn eines der Duos aus dem Quartett nicht an den Start geht. Der DVV will seine vier Nationalteams so schützen, indem er ihnen bevorzugtes Startrecht einräumt. Beach-Sportdirektor Niclas Hildebrand hat Behrens/Tillmann deswegen bei mittlerweile fünf FIVB-Terminen abgemeldet. Bis auf die EM in zwei Wochen ist die internationale Saison für die Bremerin Behrens und die Münsterländerin Tillmann gelaufen.

Trainer Kaczmarek: „Der Wettkampf sollte entscheiden, nicht einzelne Personen”

„Wenn wir uns über die Ranglistenpunkte ein Startrecht erarbeitet haben, teils sogar als bestes deutsches Team, dann sind wir der Meinung, dass der Wettkampf entscheiden sollte, und nicht einzelne Personen”, kritisiert ihr Trainer Thomas Kaczmarek im Gespräch mit beach-volleyball.de. Der Coach erklärt: „Olympia 2020 war nie unsere Zielsetzung. Wir haben auch nie gesagt, dass wir das beste deutsche Team sind. Aber die beiden sind Profis. Wir wollen uns stetig weiterentwickeln und mittelfristig auf der World Tour mithalten.” Die Möglichkeit, sich international zu entwickeln und mit ihrem Sport Geld zu verdienen, wird ihnen durch die Regelung des DVV in dieser Saison zum Teil entzogen.

„Das hat uns jede Menge Ranglistenpunkte und Geld gekostet”, sagt Kaczmarek. „Vor ein paar Wochen waren wir noch so gut platziert. Aber wenn du die Turniere auf höchstem Niveau nicht spielen darfst, wirst du in der Rangliste durchgereicht, was Einfluss auf die sportliche Entwicklung hat.“ Das ändere im Hinblick auf die Startberechtigung im kommenden Jahr auch die mittelfristigen Pläne des Gespanns und ihres Trainerteams. Aufgrund der Abmeldung von besagten fünf Turnieren, zuletzt beim Major in Gstaad, wo bereits der Letzte des Hauptfeldes 4.000 Dollar verdient, sei dem Team ein fünfstelliger Betrag verloren gegangen.

Der für Beach-Volleyball zuständige Sportdirektor Hildebrand – ebenfalls in St. Peter Ording vor Ort – sieht den Zwist pragmatisch. Er sagt offen, dass er die Sicht des Teams verstehen könne, vertritt aber auch seine Entscheidung.

Niclas Hildebrand: „Sportlich angreifbar, aber erfolgreicher”

„Wir werden als Verband an Erfolgen und Medaillen gemessen”, so der Beach-Chef des Verbandes. „Daran bemisst sich die Förderung. Meine Aufgabe ist es, das so gut wie möglich abzusichern.” Deshalb habe er sich in Absprache mit Chef-Bundestrainer Imornefe Bowes und Olympiasieger-Trainer Jürgen Wagner dazu entschieden, vier anderen Teams die Perspektive einzuräumen, als Nationalteams bei Olympia zu starten. Und auch das Vorrecht, nicht vor jedem Turnier die Hürde über den nationalen Ausscheid gehen zu müssen, der Country Quota.

Wenn eine Country Quota gespielt wird, ist das vor Ort vor Turnierbeginn möglich oder in Deutschland. „In Deutschland können wir das nur schwer finanzieren”, sagt Hildebrand. Schiedsrichter müssen anreisen und bezahlt werden, ein offizieller Rahmen laut FIVB-Vorgaben geschaffen werden. Findet die Country Quota am Turnierort statt, reisen immer eines oder mehrere Teams wieder ab, ohne überhaupt die Qualifikation gespielt zu haben.

„Es war eine Entscheidung, mit der wir uns zwar sportlich angreifbar machen, aber so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir erfolgreich sind”, so Hildebrand. Der Funktionär legt Wert darauf, dass er die Situation vor Saisonbeginn offen und sportlich fair kommuniziert habe und stets mit Behrens/Tillmann und ihren Coaches im Dialog ist.

Kartellrechts-Expertin Anna Behlen: „Da gibt es keine zwei Meinungen”

Dass sich die Athletinnen dennoch dazu entschieden haben, die juristische Situation zu prüfen, ist jedoch ebenso nachvollziehbar wie die Perspektive des Verbandes. Anwälte beider Seiten haben Schreiben ausgetauscht. „Wir liegen nicht im Rechtsstreit, der Fall wird derzeit geprüft”, betont Hildebrand. Der Athletentrainer Kasczmarek sagt: „Wir machen das ja nicht nur für uns, sondern für einen fairen sportlichen Wettbewerb generell.”

Die juristische Situation könnte dabei eher für die Spielerinnen sprechen. Die Spielerin Anna Behlen, die sich in ihrer Bachelorarbeit ausführlich mit dem Kartellrechtsthema „Rechtmäßigkeit von Nichtnominierungen im Beach-Volleyball” wissenschaftlich auseinandergesetzt hat, sagt: „Wenn man Behrens/Tillmann als Profi ansehen kann – und das ist jeder, der auf der internationalen Tour spielt –, ist das Wettbewerbsverzerrung – ganz klar. Da gibt es keine zwei Meinungen.”

Behrens/Tillmann, die ständig auf das Thema angesprochen werden, kosten die Querelen Energie und Nerven, weshalb sie in St. Peter Ording auch nur knapp dazu Auskunft geben wollen. „Wir haben keine Wut im Bauch, spielen mit Spaß und haben uns bewusst für St. Peter Ording entschieden”, sagt Behrens. Einen Start in Tokio, der möglich gewesen wäre, weil für das Turnier in Fernost nur drei Nationalteams gemeldet hatten, sagte das Gespann ab. Tillmann ergänzt: „Wir schauen jetzt mal nur auf das Turnier, alles andere ist danach wieder wichtig.”

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