Verpasste Chancen in Hamburg

smart Major Hamburg - Hauptfeld

Bieneck/Großner und Mersmann/Schneider haben mit ihren starken Leistungen am ersten Hauptfeld-Tag beim smart Major in Hamburg für Aufsehen gesorgt – nur haben beide Teams vergessen, sich zu belohnen.

Zu viel nachgedacht

Im deutschen Sprachgebrauch gehört der Konjunktiv zur hohen Kunst, im Sport ist er ein eher unerwünschter Begleiter, denn leider gebraucht man ihn immer dann, wenn es um Möglichkeiten geht, die es nicht in die Realität geschafft haben.

Von dieser Sorte gab es am Mittwoch einige beim smart Major Hamburg: Angefangen hat alles für Teresa Mersmann und Isabel Schneider mit ihrem ersten Spiel gegen Kerri Walsh und April Ross. Mutig starteten sie gegen die dreifache Olympiasiegerin und die Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2012. Sie überraschten ihre favorisierten Kontrahentinnen durch starke Abwehraktionen und ein sicheres Sideout. 18:16 lagen sie im ersten Satz vorn, doch dann landete ein Ball von Mersmann im Netz, einer im Aus und der Satz war weg (20:22). „Wir haben im ersten Satz hervorragen gespielt“, sagt Trainer Kersten Holthausen. Dann haben wir uns aber im zweiten nicht belohnt, weil wir über die verpasste Chance nachgedacht haben." 21:11 ging der zweite Durchgang an die US-Amerikanerinnen. 

Vier Matchbälle gegen die Weltmeisterinnen

Noch dramatischer ging es wenig später bei Victoria Bieneck und Julia Großner zu. Auch sie hatten die Chance, eines der besten Teams der Welt zu schlagen. Den ersten Satz gegen die Weltmeisterinnen Agatha Bednarczuk und Barbara Seixas gewannen sie 21:16, im zweiten hatten sie die Möglichkeit, das Spiel beim Stand von 23:22 zu beenden, doch es ging nach 27:29 in die Verlängerung. Im Tiebreak hatten die deutschen Athletinnen noch dreimal die Chance, als Siegerinnen vom Feld zu gehen (14:13, 15:14, 16:15), doch Agatha/Barbara waren am Ende einfach abgebrühter und verwandelten dann ihren ersten Matchball zum 18:16. „Irgendwann muss man so ein Spiel doch mal gewinnen“, ärgert sich Julia Großner. Trainer Manuel Rieke kennt solche Situationen aus seiner eigenen Erfahrung als Spieler. „Man muss als Spieler die Geduld haben, auch die eigene Entwicklung zu sehen und nicht nur das Ergebnis.“

Das fällt natürlich in solchen Turnieren schwer, in denen man wegen der hervorragenden Besetzung nicht viele Chancen bekommt. Hätten Bieneck/Großner in diesem dritten Satz im entscheidenden Moment ein Break geholt, dann wären sie schon so gut wie sicher in der K.o.-Runde. Nun brauchen sie am Donnerstag dringend einen Sieg gegen Elize Maia/Duda, da Pata/Matauatu aus Vanuatu überraschend gegen die eigentlich so starken Brasilianerinnen gewonnen haben (22:20, 21:19). Bieneck/Großner hatten Pata/Matauatu am Morgen besiegt (15:21, 21:17, 15:13).

Vom Medical Timeout aus dem Konzept gebracht

Ähnlich ergeht es Teresa Mersmann und Isabel Schneider, die auch in ihrem zweiten Spiel einen tollen Beach-Volleyball präsentiert haben und beinahe die Italienerinnen Menegatti/Orsi-Toth besiegt hätten – wäre da nicht der verfluchte Konjunktiv. 16:11 lagen sie nach dem 21:17-Sieg von Satz eins vorn. Doch dann ließen sie sich durch ein Medical Timeout der Italienerinnen komplett aus dem Konzept bringen. Plötzlich stand es 16:16, dann 16:18 und 19:21. Im Tiebreak konnte Holthausen schon gar nicht mehr hinsehen, so als ahnte er, was passieren würde: Zu zögerlich waren die Aktionen seiner Schützlinge, der Mut und die Unbekümmertheit vom Beginn waren wie weggeblasen (12:15). 

„Man darf auch nicht vergessen, dass es für uns das erste Mal seit zwei Jahren ist, dass wir in so einem großen Turnier im Hauptfeld mitspielen“, sagt er. Auch Bieneck/Großner haben diese Spiele gegen richtig große Gegner einfach zu selten, um darin Expertise zu haben, findet Rieke. „Irgendwann kommt der Moment, in dem wir solche Spiele gewinnen.“

Den Ausgleich auf der Hand

In kniffligen Situationen die nötige mentale Stärke aufzubringen, daran scheitern aber zuweilen auch gestandene Teams: Kay Matysik und Jonathan Erdmann gelang es nach einem 17:21 im ersten Satz gegen die Spanier Herrera/Gavira im zweiten Durchgang einen 13:17-Rückstand aufzuholen (16:17). Dann aber hatten sie das 19:19 und das 20:20 auf der Hand, beide Breakchancen verschenkten sie aber durch Flüchtigkeitsfehler und unterlagen somit in zwei Sätzen. Im Pool mit den Brasilianern Guto/Saymon und Ricardo/Andre wird es nun schwer.

„Vielleicht hat das auch mit unserer deutschen Mentalität zu tun“, glaubt Holthausen. „Während wir eher mal zweifeln und dann den Fehler machen, sind die Brasilianer und Amerikaner viel selbstbewusster. Wenn die einen Ball verhauen, machen sie einfach den nächsten als sei nichts gewesen.“ Auch für die beiden deutschen Duos geht es jetzt darum, die Spiele abzuhaken und sich auf das zu konzentrieren, was gut gelaufen ist. 

Antonelli trotz positiver Dopingprobe am Start 

Am Donnerstag müssen sie ihre letzten Gruppenspiele gewinnen, Mersmann/Schneider treffen dabei auf die Brasilianerin Maria Antonelli, deren Teilnahme am smart Major Hamburg heiß diskutiert wird, weil sie im März eigentlich positiv auf Hydrochlorothiazid getestet worden war. A- und B-Probe waren positiv, der „Volleyball Supreme Tribunal of Sports Justice”, genannt STJD, eine Art Oberster Gerichtshof für Sport in Brasilien, hat Antonelli aber aus bislang unbekannten Gründen freigesprochen. Es kursiert das Gerücht, die Probe sei verunreinigt gewesen. Antonelli startete im Hauptfeld des smart Major in Hamburg mit einer Wild Card und besiegte mit Partnerin Lili am Donnerstag sowohl Walsh/Ross als auch Menegatti/Orsi Toth. 

 

> Alle Infos rund um das smart Major in Hamburg auf der Turnierseite

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