Weltweit top – aber in Europa mit Nachholbedarf

Europameisterschaft

Die russischen Top-Teams wollen die EM-Bilanz vor heimischer Kulisse aufpolieren. Mit den Weltmeistern Krasilnikov/Stoyanovski haben sie gute Voraussetzungen

Diese Zeichen sprechen eine klare Sprache. Vjatscheslav Krasilnikovs rechter Arm ist mit zwei eindeutigen Beach-Tattoos verziert: Sonne, Palmen, Strand, Netz und dazu zwei Logos. Das der Olympischen Spiele 2016 in Rio und das der Spiele im kommenden Jahr in Tokio. Die in Rio hat Krasilnikov in schmerzhafter Erinnerung, weil er mit seinem damaligen Partner Konstantin Semenov knapp an der Bronzemedaille vorbeigeschrammt ist. Gegen die Niederländer Brouwer/Meeuwsen verloren sie mit 21:23 und 20:22 das Spiel um Platz drei. Bei der nächsten Olympia-Runde wird er wieder dabei sein. Mit seinem aktuellen Partner Oleg Stoyanovski hat er als Weltmeister 2019 das Ticket nach Tokio bereits in der Tasche. Und damit treten sie auch bei der am Dienstag beginnenden Europameisterschaft in Moskau als heißer Medaillenanwärter an. Krasilnikov hat das entsprechende Selbstbewusstsein: „Wir nehmen die Favoritenrolle gern an.” Gerade zuhause vor heimischer Kulisse sollen die europäischen Titelkämpfe auch mal mit Erfolgen russischer Teams verknüpft werden.

Denn es wundert schon, dass im Medaillenranking der seit 1993 ausgetragenen Europameisterschaften Russland eine nur untergeordnete Rolle einnimmt. Deutschland kommt auf fünf EM-Titeln bei den Männern (insgesamt auf zwölf Medaillen) und acht bei den Frauen (22 Medaillen gesamt), Russland dagegen nur auf jeweils einmal Gold und Silber bei den Frauen sowie einmal Silber und Bronze bei den Männern. Angesichts der Erfolge bei der World Tour ist das eine magere Ausbeute.

2019 soll und kann sich das ändern. Krasilnikov/Stoyanovski sowie Nadezda Makroguzova und Svetlana Kholomina sind die Aushängeschilder des russischen Verbandes, der große Bemühungen anstellt, im Sand Erfolg zu haben. Traditionell spielt Hallenvolleyball seit jeher eine gewichtige Rolle, die Erfolgsliste russischer Nationalmannschaften ist endlos lang.

Die Beacher holen auf

Auch mit den Beachern lässt sich inzwischen erfolgreich werben. U 21-Vizeweltmeister und U-20- und U 22-Europameister (Mariia Bochorova/Maria Voronina), U 22-Europameister (Alexey Gusev/Pavel Shustrov) und Makroguzova/Kholomina gewannen im letzten Jahr den U 22-EM-Titel. In Hamburg bei der WM warfen sie im Achtelfinale die Brasilianerinen Agatha/Duda aus dem Turnier. „Auf einen Sieg gegen eine Legende wie Agatha haben wir lange gewartet”, sagt Makroguzova.

Die 22-Jährige steht stellvertretend für die Entwicklung Beach-Volleyballs in Russland. Zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr spielte sie im Winter in der Halle, im Sommer draußen. Dann entschied sie sich mit 13 Jahren für die Outdoor-Variante: „Du kannst nur in einem Sport erfolgreich sein”, sagt sie. Und zieht seither die Aufmerksamkeit der Szene auf sich. Während der WM hat sich Jürgen Wagner die Russinnen interessiert angeschaut. Wagner zählt als Trainer der Olympiasieger Brink/Reckermann und Ludwig/Walkenhorst zu den erfahrensten Coaches weltweit, seine Meinung hat Gewicht und es ist eine Auszeichnung, wenn er über Makroguzova sagt: „Sie ist eine sehr aggressive Blockerin, hab ich so in der Form bisher selten gesehen.” Makroguzova freut sich über das Lob, verweist aber auch auf ihre Partnerin Kholomina: „Ohne sie wäre ich nicht so gut, sie ist in der Abwehr wie eine Tigerin, die den gegnerischen Angriff und Block austaxiert.”

 

Notfalls wird die Stimmung angeheizt

Bei der EM im Luschniki-Sportpark streben sie einen Platz auf dem Podium an. Die russischen Duos hoffen dort auf lautstarke Unterstützung ihrer Landsleute. Die haben sich in der Vergangenheit nämlich mehr für die Hallenteams interessiert. 2005 fand an gleicher Stelle erstmals eine Europameisterschaft statt. Vor meist leeren Rängen, weshalb die Organisatoren zu einer ungewöhnlichen Maßnahme griffen. Um die Tribünen voller aussehen zu lassen, wurden Soldaten abkommandiert, einige saßen in Uniform dort, andere durften sich Zivilkleidung anziehen. Es war ein bizarres Bild, wie man es im Beach-Volleyball nicht kennt. Vielleicht schaffen es Krasilnikov/Stoyanovski und Makroguzova/Kholomina durch ihre sportlichen Darbietungen für eine bessere Stimmung zu sorgen. Krasilnikov/Stoyanovski bestreiten im Übrigen ihr Auftaktspiel am Dienstag um 20 Uhr in Pool B gegen das deutsche Nationalteam Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms.

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