Wenn ein Hallen-Spezialist die Beach-Szene aufmischt

Beach-WM Wien 28.07.2017 - 06.08.2017

Maarten van Garderen trainiert seit drei Monaten Beach-Volleyball und steht trotzdem im Halbfinale der Weltmeisterschaft in Wien – dabei hat sich der Holländer noch nicht einmal endgültig für den Wechsel von der Halle in den Sand entschieden.

Etwas Entscheidendes ist anders bei van Garderen

Marten van Garderen sitzt entspannt auf dem Stuhl in der Mixed Zone, über ihm lärmt der Lautsprecher, vor seiner Nase hat er ein Mikrofon des holländischen Fernsehens. Der Niederländer ist es als Volleyball-Profi gewöhnt, Interviews zu geben. Bei dieser Weltmeisterschaft in Wien aber ist etwas ganz Entscheidendes anders als sonst im Sportlerleben des van Garderen.

Denn der Untergrund auf den van Garderen die letzten 15 Jahre Volleyball spielte, war hart, war ein Hallenboden. In Wien spielt er auf Sand sein erstes großes Beach-Volleyball-Turnier. Mit seinem Partner, dem 27-jährigen Christiaan Varenhorst, steht er morgen im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Das eine große Überraschung zu nennen, ist fast eine Untertreibung.


„Keine Worte für das, was hier passiert“

„Ich habe keine Worte für das, was hier passiert. Wir hatten so viele enge Spiele und es grenzt an ein Wunder, dass wir hier schon mit den besten Teams der Welt mithalten können“, sagt van Garderen. Nach zwei Siegen und einer Niederlage in der Gruppenphase warfen sie in der Runde der letzten 32 Teams die an Position eins gesetzten Brasilianer Alvaro Filho/Saymon Barbosa mit einem 2:0 aus dem Turnier, besiegten im Achtelfinale die hoch ambitionierten Kubaner (Link!) und in einem umkämpften Viertelfinale die Spanier Herrera/Gavira.

Nach nur drei Monaten gemeinsamen Trainings, es waren die ersten Beach-Einheiten für van Garderen überhaupt, treffen sie nun im Halbfinale der Weltmeisterschaft auf das einzig verbliebene brasilianische Team des Turniers: Evandro/Andre. Das ist jetzt schon ein Erfolg, den vielen Beach-Volleyballern auch nach jahrelangem Training verwehrt bleibt. Und ein Erfolg mit dem nicht zu rechnen war, denn so richtig ist van Garderen noch gar nicht vom Hallen- in den Beach-Volleyball gewechselt. Aber der Reihe nach.


Ungewöhnliche Kombination

Christiaan Varenhorst war einer der erfolgreichsten Beach-Volleyballer der Welt: Gemeinsam mit seinem Partner Reinder Nummerdor gewann er zwei Grand Slams, wurde Vize-Weltmeister 2015 und 2016 Fünfter bei den Olympischen Spielen. Dann beendete Nummerdor, erfolgreichster Beach-Volleyballspieler der Niederlande, im vergangenen Jahr seine Karriere. Varenhorst stand ohne Partner da und musste sich neu orientieren. Er entschied sich, einen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen und wurde in der Halle fündig.

Um den holländischen Hallen-Nationalspieler Marten Maarten van Garderen von einem Wechsel in den Sand zu überzeugen, fuhr Varenhorst von Holland ins italienische Ravenna - ein echter Glücksgriff, wie sich spätestens jetzt in Wien herausstellen sollte. Der ehemalige Spieler des VfB Friedrichshafen spielte seit 2015 beim italienischen Bundesligisten CMC Ravenna, im Beach-Volleyball war er zuvor noch nie aktiv. Daher legte man die Zusammenarbeit des Duos zunächst auf ein Jahr aus, danach wollte man sich zusammensetzen und die gemeinsame Saison analysieren.

Dann, nach sechs Wochen gemeinsamen Trainings, erhielt van Garderen ein Vertragsangebot, das er nicht ausschlagen konnte. Er unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag beim italienischen Topteam Azimut Modena, wo er unter anderem mit den Weltstars Bruno aus Brasilien und dem Franzosen Earvin Ngapeth zusammenspielen wird. Für Varenhorst ist das erst einmal kein Problem, allerdings hielt er auch ganz klar fest: „Irgendwann wird es einen Punkt geben, an dem er sich entscheiden muss.“


Über CEV Satellites ins Halbfinale von Wien

Auf der FIVB World Tour durften die beiden bisher nicht starten: Der Hallen-Volleyballer van Garderen hatte noch keine Punkte für die Weltrangliste gesammelt, da halfen auch die seines prominenten Partners nichts. Im Gegensatz zu Margareta Kozuch, die ebenfalls aus der Halle in den Sand gewechselt war und nun mit Karla Borger spielt, entschieden die Niederländer sich aber dazu, auch bei kleineren Turnieren zu starten.

„Ich habe schon erwartet, dass wir zumindest in der Qualifikation der World Tour starten dürfen. Im Nachhinein war das vielleicht sogar das Beste für uns, so konnten wir viel Spielpraxis sammeln“, so Varenhorst. In den Qualifikationen wären sie möglicherweise früh ausgeschieden und hätten nur wenige Spiele bestritten, meint Varenhorst. Bei den CEV Satellites dagegen haben sie viel Erfahrung gesammelt. „Da haben wir in einem Turnier acht Spiele in drei Tagen gemacht, das hat uns unheimlich weitergebracht“, sagt Varenhorst.


Tokio 2020 im Hinterkopf

Der Erfolg in Wien bringt den Hallen-Spieler van Garderen nun ordentlich ins Grübeln: „Der Start war wirklich schwierig, aber jetzt fühlt es sich so an, als würde ich schon ein paar Jahre spielen. Es war eine Herausforderung, aber so öffnet sich eine kleine Tür zu Olympia – Beach-Volleyball könnte die große Chance sein, zu den Olympischen Spielen in Tokio zu kommen“.

Während die Hallen-Nationalmannschaft der Frauen seit drei Jahren ganz oben in der Weltspitze mitspielt, haben die die Männer sich zuletzt 2004 für Olympia qualifiziert. Die Perspektive, nach Tokio zu fahren, ist mit dem Vize-Weltmeister und Olympia-Fünften Christiaan Varenhorst deutlich größer zu sein.

Was außerdem bei der Entscheidung eine tragende Rolle spielen könnte: Die Bezahlung ist im Hallen-Volleyball, vor allem in Italien, wesentlich besser. Wobei: Es gibt überhaupt eine Bezahlung. Die niederländischen Beach-Volleyball-Nationalspieler werden ähnlich wie in Deutschland nicht vom Verband bezahlt, sondern müssen sich über Sponsoren- und Preisgelder selbst finanzieren - in Italien winken dagegen Jahresgehälter im sechsstelligen Bereich.

Und Varenhorst? Für den steht fest, dass er den Weg gemeinsam mit van Garderen weitergehen möchte: „Ich denke, er sollte beim Beach-Volleyball bleiben. Ich glaube, dass dieses Team funktionieren wird und würde gerne sehen, wo das hinführt. Maarten ist meine erste Option, über alles andere mache ich mir noch keine Gedanken“.


Noch 20 Tage Beach-Volleyball

Van Garderen wird bereits am 24. August zum Trainingsauftakt in Modena erwartet, das CEV Satellite in Vaduz wird vorerst das letzte gemeinsame Turnier von van Garderen/Varenhorst sein. „Der Manager von Modena hat angerufen und gesagt, er hat Angst, einen seiner Spieler zu verlieren. Ich habe ihn aber beruhigt und gesagt, dass ich mich hier auf das Turnier konzentriere und pünktlich zum Trainingsstart in der Halle stehen werde“, sagt van Garderen.

Spätestens nach dem Ende der Saison in Italien wird er sich aber entscheiden müssen: Halle oder Sand. Zunächst steht aber am Sonntag das WM-Halbfinale im Beach-Volleyball an. Vielleicht hängt vom Ergebnis dieses Spiels auch ein wenig ab, ob der Vize-Weltmeister Christiaan Varenhorst im nächsten Sommer noch einen Partner hat - oder wieder von Null anfangen muss.

Alle Infos zur WM 2017 gibt es hier

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