Wenn ein Streit eskaliert: Volleyball-Verband mit neuem Vorstand

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Warum im Streit um die Einführung einer neuen Ausrichtung der nahezu komplette Vorstand des Deutschen Volleyball-Verbandes zurückgetreten ist. Zu den Gründen und Folgen des Führungswechsels.

Vier Seiten und eine Krise

Eine vier Seiten lange Erklärung stürzte den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) am Sonntag in eine tiefe Krise. Darin begründet der Vorstand des Verbandes um Präsident Thomas Krohne (56) geschlossen seinen Rücktritt, noch bevor überhaupt der Hauptausschuss in Korntal-Münchingen in Baden-Württemberg startete.

Grund dafür ist ein eskalierter Streit des DVV mit seinen Landesverbänden um die Einführung eines neuen Portals namens „Volleypassion“. Das sollte eine digitale Plattform für alle Volleyballer bieten, bedeutete aber auch eine kostenpflichtige und verpflichtende Mitgliedschaft für alle aktiven Volleyballer.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass dieses Modell alternativlos ist, um den Volleyball in Deutschland ein Stück zukunftsfähiger zu machen und als moderne, attraktive Sportart auf der Höhe der Zeit zu positionieren, die die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt und neue wirtschaftliche Potenziale erschließt“, heißt es in dem Schreiben, das neben Krohne auch seine (ehemaligen) Vorstandskollegen Klaus Bommersheim, Heinz Wübbena, Andreas Künkler, Max Günthör und David Schüler unterschrieben. Einzig Michael Evers als Vertreter der Volleyball Bundesliga (VBL) bleibt im Amt.

Uneinigkeit zwischen ehemaligem Vorstand und den Landesverbänden

Auf dem Hauptausschuss sollte über das Portal abgestimmt werden, es hatte sich allerdings abgezeichnet, dass sich eine deutliche Mehrheit der Verbände dagegen aussprechen würde. Der ehemalige Vorstand bemühte sich in den Monaten zuvor um die Gunst der Landesverbände für das Portal „Volleypassion“.

Aus den Landesverbänden hingegen hagelte es Kritik. Aber nicht nur an dem „DVV-Zukunftsplan 2021“, den Krohne bei seiner Wiederwahl im vergangenen Sommer vorgestellt hatte, sondern auch an der mangelnden Kommunikation und Transparenz gegenüber seiner Basis.

Schon im November 2017 hatte Hubert Martens, Präsident des Westdeutschen Volleyball-Verbandes, im Volleyball Magazin Kritik geübt: „Mit den Einnahmen durch die Volley Card will der DVV seinen eigenen Haushalt auf stabile Füße stellen. Ob dann noch was für die Landesverbände übrig bleibt, kann keiner garantieren Wir kämen in eine Abhängigkeit vom DVV, die unser Föderalismus-System infrage stellt.“

Neuer Vorstand gewählt

Führungslos ist der DVV nach Beendigung des Hauptausschusses allerdings nicht: Rekordnationalspieler René Hecht (Berlin) wurde als neuer Präsident sowie Erhard Rubert (Saarland) und Thomas Petigk (Hessen) als neue Vize-Präsidenten gewählt, Michael Evers bleibt zudem als VBL-Vertreter im Vorstand. Die neue Führungsriege will die Digitalisierung ebenfalls vorantreiben, jedoch die Mitglieder von einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft befreien.

„Nachdem wir uns dazu ein vielfältiges Meinungsbild einholen konnten, sieht die Mehrheit der DVV-Mitglieder die Gebührenpflicht, in Verbindung mit dem DVV-Portal, allerdings als einen kritischen Punkt an, der in diesem Umfang derzeit nicht umzusetzen ist“, heißt es in einer Mitteilung des neuen Vorstandes.

Die Auswirkungen auf die nationale Tour und den Beach-Volleyball Spielbetrieb

Nachdem auch Andreas Künkler von seinem Amt als Vize-Präsident Beach- und Snow-Volleyball zurückgetreten ist, bleibt der Posten zunächst unbesetzt. Direkte Auswirkungen auf den Spielbetrieb im Beach-Volleyball durch den Rücktritt des Vorstandes zeichnen sich jedoch nicht ab.

Ende vergangenen Jahres hatte der Verband zwar alle Rechte in Bezug auf die Techniker Beach Tour an die eigene Vermarktungsagentur, die Deutsche Volleyball Sport GmbH (DVS), übertragen. Sowohl die Verträge mit den Sponsoren als auch mit den Medienpartnern sind aber langfristig angelegt.

Außerdem hatte der DVV sich unter Führung des Ex-Präsidenten Thomas Krohne die besten Sandathleten in einem zentralisierten System nach Hamburg geholt, die Vereinbarungen dort sind jedoch ebenfalls langfristig angelegt. Zudem sind die erfolgreichsten deutschen Teams um die Olympiasiegerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst oder die Weltranglistenzweiten Chantal Laboureur/Julia Sude eigenständig organisiert und arbeiten weitgehend unabhängig von dem, was in Frankfurt passiert.

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