Wie Leistungssport und Kleinkinder zusammenpassen

World Tour

2013 war Sanne Keizer bereits zurückgetreten, seit zwei Jahren ist die Niederländerin zurück auf der World Tour – als zweifache Mutter. Über den durchgeplanten Alltag einer Beach-Volleyballerin und Mama von Zwillingen.

Organisation ist das A&O

Im ersten Trainingslager außerhalb der Niederlande hätte sie eigentlich nur geheult. Sanne Keizer wollte mit ihrer Partnerin Madelein Meppelink im US-amerikanischen Fort Lauderdale eigentlich an ihrem Zusammenspiel im Sand arbeiten, ehe das erste Turnier anstand. „Stattdessen war ich damit beschäftigt, dass meine Kinder nicht bei mir waren, dass ich morgens alleine war.” Zuhause wird sie meistens zwischen 6.30 und 7 Uhr morgens geweckt. Einen Alarm benötigt die 35-Jährige dafür nicht – zwei Kinder im Alter von drei Jahren tun ihr übriges.

Die Niederländerin ist Beach-Volleyballerin, an einem Montag im Februar spricht sie über ihr Leben als Leistungssportlerin und Mutter von Zwillingen. Sie sitzt im Auto und ist auf dem Weg vom Training nach Hause. Zeitmanagement ist gefragt, denn Keizer möchte den Spagat zwischen Arbeit, Haushalt und Familie schaffen, unter den Bedingungen, die Profisport mit sich mitbringt. Regeneration gehört ebenso zur Jobbeschreibung wie ein gesunder Schlafrhythmus – nicht immer einfach mit zwei Kleinkindern. „Die meisten meiner Kollegen können sich nach einem harten Trainingstag nur um sich selbst kümmern. Das funktioniert für mich jetzt nicht mehr”, bekräftigt sie.

Wie für die meisten Familien sei eine sehr gute Organisation die Grundlage. „Glücklicherweise habe ich einen Ehemann, der das sehr gut kann”, betont Keizer und lacht. „Es ist aber genauso wichtig, sich anpassen und reagieren zu können, zum Beispiel, wenn die Kinder krank werden oder Flüge ausfallen.” Ohne die Unterstützung einer Nanny wäre das nicht möglich, denn als Trainer des belgischen Teams Dries Koekelkoren/Tom van Walle ist auch Keizers Ehemann Michiel van der Kuip regelmäßig im Ausland unterwegs.

Das kann Vor- und Nachteil sein: „Dass wir beide häufig unterwegs sind, macht eine gute Planung nur noch wichtiger”, erklärt sie. „Für unsere Kinder ist es manchmal schwierig, wenn die Eltern ein paar Tage weg sind. Aber das Gute ist, dass wir so auch Zeit zu zweit bekommen.”

Der Wunsch nach Sesshaftigkeit

Dabei sah es 2013 so aus, als hätte das Paar von nun an mehr als genug Zeit für sein Privatleben. Mit damals 28 Jahren trat Keizer vom professionellen Sport zurück. „Nachdem ich jahrelang nur aus dem Koffer gelebt habe, wollte ich sesshaft werden. Ich war wirklich fertig mit dem Beach-Volleyball”, erzählt sie. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal zurückkommen würde.” Statt jeden Tag im Sand zu stehen, schloss Keizer ihren Master in Kriminalistik ab und arbeitete danach als Kriminalbeamtin, 2016 bekam sie die Zwillinge.

Irgendwann bot sie aus Spaß dem damaligen Trainer der niederländischen Mannschaft an, bei Bedarf im Training auszuhelfen. „Sobald ich wieder gespielt habe, war das Gefühl wieder da. Da habe ich begonnen, meine Entscheidung in Frage zu stellen”, erzählt sie vier Jahre später. 2017 fiel Sophie van Gestel, damals Partnerin von Meppelink, verletzungsbedingt länger aus, Keizer sprang für das Heimturnier in Den Haag ein: „Damit hatte ich ein neues Ziel, ich wollte gut genug für dieses Turnier werden.” Am Ende belegte das Duo den fünften Platz. „Das war der Moment, in dem ich erkannt habe, dass ich das immer noch will.”

Vieles war neu

In den ersten Monaten konzentrierte sich Keizer nur auf ihre Physis, eine harte und einsame Zeit sei das gewesen, sagt sie heute darüber. Im ersten Teil ihrer Karriere agierte sie im Block, nach ihrer Pause wollte Keizer endlich in der Abwehr spielen. „In meinem Herzen war ich schon immer Abwehrspielerin, ich war auch nie besonders talentiert im Block.” Mit 1,85 Meter sei sie eben die größte niederländische Spielerin gewesen, da hätte sie keine andere Wahl gehabt. „Heute könnte ich nicht mehr mithalten, die Spielerinnen sind größer und vor allem besser geworden”, sagt Keizer. Der Positionswechsel war eine Bedingung für sie, da passte es, dass die Blockspielerin Meppelink nun auf der Suche nach einer neuen festen Partnerin war.

Nicht die einzigen Umstellungen für Keizer, der Sport hatte sich in der Zwischenzeit verändert: „Beach-Volleyball ist so viel anders geworden, taktischer, klüger. Und die Teams um die Teams sind viel größer geworden.” In der Mutterschaft nahm sie dennoch die größte Veränderung wahr: „Bis dahin hatte ich mir nur um mich selbst Gedanken machen müssen.”

Olympisches Edelmetall ist das Ziel

Nicht nur zuhause, wo die Familie Keizer/van der Kuip einen Rhythmus für sich gefunden hat, sondern auch auf dem Beach-Volleyball-Feld ist der Athletin die Umstellung gut gelungen. In ihrer Comeback-Saison holte sie auf heimischen Boden gemeinsam mit Meppelink den Europameistertitel – eine gern genommene Bestätigung. „Wenn ich nicht sicher gewesen wäre, dass ich besser sein könnte als davor, wäre ich niemals zurückgekommen”, sagt Keizer. „Trotzdem hat der Erfolg mir das noch einmal bewiesen, jeder braucht das ab und an.”

Dem Europameistertitel folgte noch eine Bronzemedaille beim Fünf-Sterne-Turnier in Wien. Auch in der vergangenen Saison standen Meppelink und Keizer zweimal auf dem Podium. Trotzdem sind die Niederländerinnen nicht unbedingt zufrieden, zu oft mangelte es ihnen an Konstanz. „Es war sicherlich nicht unsere beste Saison, aber wir haben sehr viel gelernt”, resümiert Keizer, „das kann gerade in diesem Jahr noch sehr nützlich werden.” Als Achtplatzierte der Olympia-Rangliste kann das Duo für Tokio planen. Das Ziel für das olympische Turnier ist klar: Meppelink und Keizer wollen um eine Medaille mitspielen. „Dafür bin ich schließlich zurückgekommen”, bekräftigt Keizer.

Ob sie ihre Karriere im Anschluss fortsetzt, ist noch offen. Eigentlich möchte die 35-Jährige so lange spielen, wie es geht. Dafür muss sie aber weiterhin einen Spagat schaffen. „Wir müssen schauen, wie es für meinen Ehemann in seinem Job weitergeht und wie gut die Kinder sich in der Schule zurechtfinden”, erklärt sie. „Das hängt also von vielen Faktoren ab.” Denn Sanne Keizer ist eben nicht nur Sportlerin, sie ist auch Mutter.

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