Wieder Spaß am Beach-Volleyball

Beach international

Das vor der Saison neu formierte Nationalteam Julius Thole und Clemens Wickler kann mit der Bronzemedaille in Espinho (POR) die hohen in sie gesteckten Erwartungen langsam erfüllen. Grund für den Erfolg: Mehr Spaß – weniger Druck.

Selbstvertrauen in die eigene Stärke

Der FC Bayern München wird geliebt oder gehasst. Das ist eine eiserne Regel im Fußball. Der Grund für Fans sie zu hassen liegt unter anderem darin, dass ihnen nachgesagt wird auch enge Spiele zu gewinnen – sogenannte 'dreckige Siege'. Viele sprechen von den 'Dusell-Bayern', die anscheinend eine Aura der Unbesiegbarkeit umgibt. Das mag arrogant wirken oder einfach nur selbstbewusst – manche mögen es, manche eben nicht. Erfolg haben sie trotzdem.

Nun sind Julius Thole und Clemens Wickler noch lange nicht der FC Bayern des Beach-Volleyballs, dennoch erlebten sie vor zwei Wochen eine Situation, die – ja fast schon – 'bayernesque' war. Gegen die Belgier Koekelkoren/van Walle stand es nach zwei Sätzen 1:1 (16:21, 21:19). Im Tie-Break gewannen die Deutschen knapp, um nicht in Fußballsprache „dreckig“ zu sagen, mit 21:19. "Da ist der Knoten geplatzt, das war ein enges und dreckiges Spiel. Wir haben davor im Training schon gemerkt, dass wir ziemlich gut spielen können, haben das aber nicht konstant umsetzen können", sagt Wickler. Dann kam auch das Selbstvertrauen – nach der Qualifikation wurde die Gruppe mit den Weltranglisten-Zweiten Brouwer/Meeuwsen (NED), Mol/Sorum (NOR) und Nivaldo/Gonzalez (CUB) gewonnen.

"Wir gehen wieder lockerer an die Spiele ran"

Vielleicht noch viel wichtiger als der sportliche Durchbruch in Ostrava war der mentale Durchbruch in der teaminternen Aussprache nach dem Vier-Sterne-Turnier in Doha. "Wir haben uns zu viel Druck aufgebaut vor der Saison und dadurch verkrampft", erzählt Thole. Die ersten drei gemeinsamen Turniere verliefen nicht nach Wunsch, daher mussten sie etwas ändern. Wickler ist froh über die Unterstützung von ihrem Team: "Für uns ist sehr wichtig gewesen, dass unsere Trainer keinen Druck auf uns aufgebaut haben, das haben wir schon selbst zur Genüge getan. Nach Doha wollten wir dann den Spaß am Sport wiederfinden. Wir gehen jetzt nicht mehr so verbissen in die Turniere, sondern haben viel mehr Spaß. Das haben wir auch unserer Psychologin zu verdanken, mit der wir viel sprechen, um uns selbst zu regulieren."

Durchbruch in Espinho

Dass sie den Spaß wiedergefunden haben, beweisen die Resultate der vergangenen Wochen. Achtelfinale (Warschau), Viertelfinale (Ostrava) und die Bronzemedaille (Espinho) sind beachtliche Ergebnisse in den vergangenen 4-Sterne-Turnieren für den Hamburger (Thole) und den Starnberger (Wickler). Dennoch seien es gerade einmal drei Turniere gewesen, das Ziel sei es diesen Level auch über eine ganze Saison zu strecken, so Thole.

Portugal, im speziellen Porto und Umgebung, scheint Clemens Wickler zu liegen. Brachte er doch 2013 in Porto seinen ersten internationalen Titel mit nach Hause. Damals gewann er mit Moritz Reichert, der inzwischen als deutscher Hallen-Nationalspieler bei den BR Volleys unter Vertrag steht, die U19-Weltmeisterschaft. Fünf Jahre später erreichen er und Julius Thole ihre erste Medaille auf der FIVB World Tour samt 'bayernesquem' Spiel im Viertelfinale gegen Norwegen (2:1; 21:18, 22:24, 15:13). In diesem Spiel lagen sie im dritten Satz bereits 12:13 zurück, bevor die Aufholjagd gestartet wurde, die durch "eine sehr glückliche Rallye entschieden wurde, in der wir den Ball irgendwie über das Netz gewurstelt und dann noch den Punkt gemacht haben", sagt Wickler.

Gerade Clemens Wickler sei es gegönnt endlich Zugang zur Weltspitze gefunden zu haben. Viele Verletzungen und Partnerwechsel ließen nie Konstanz in seine Karriere kommen. Mit Julius Thole, seines Zeichens U18 Europameister 2014, scheint er nun den Partner gefunden zu haben, mit dem er langfristig in der Weltspitze angreifen kann. "Wir verstehen uns super auf und neben dem Feld, können uns auch mal anmaulen während des Spiels, danach ist dann alles wieder vergessen", freut sich Wickler. Auch Thole schlägt in dieselbe Kerbe: "Wir harmonieren sehr gut und die Kommunikation ist echt super. Auch abseits des Platzes verstehen wir uns gut, der Clemens ist ein lustiger Kerl." Das Kompliment erwidert Wickler.

Adieu Qualifikation

640 Weltranglistenpunkte und 10.000 US-Dollar sind schöne Nebeneffekte der Bronzemedaille in Espinho. Zudem haben sie durch den dritten Platz in Portugal ihr großes Ziel erreicht. "Unser Trainer meinte zu uns, dass wir jetzt egal bei welchem Turnier nicht mehr in die Quali müssen, da wir genügend Entry Points haben, um immer im Hauptfeld zu starten", freut sich Wickler. Das bedeutet auch, dass solche anstrengenden Wochen mit zwei zusätzlichen Qualifikationsspielen, zumindest vorerst, passé sind. Eine Pause haben sie sich jetzt trotzdem erst einmal verdient. Thole/Wickler werden beim Major in Gstaad nicht dabei sein, sondern pausieren eine Woche und gehen am 18. Juli in Haiyang (CHN) wieder an den Start. Und als wären das nicht schon genug gute Nachrichten, wartet am Montag Platz eins in der nationalen Rangliste des DVV auf Thole/Wickler. Und das ist nun wirklich 'FC Bayernesque'.

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