World Tour Final in Toronto soll Beach-Boom in Kanada auslösen

Swatch Major Series

Erstmals in der Geschichte hat sich Kanada mit vier Beach-Volleyball Teams für die Olympischen Spiele qualifiziert, Josh Binstock und Sam Schachter hatten dabei eine wahre Odyssee zu meistern. Diese Erfolge und das World Tour Final in Toronto könnte einen Beach-Volleyball-Boom in der Nation auslösen.

Viele Wege führen nach Rio

Der kanadische Beach-Volleyballer Josh Binstock (35) hatte im Vorfeld wohl das Richtige gemacht. Er erzählte seinem Partner Sam Schachter (26) während der nahezu eineinhalb Jahre andauernden Qualifikationsphase lieber nicht im Detail von seinen Olympia-Erfahrungen, die er während der Spiele 2012 in London sammelte - um ihm nicht noch mehr Druck zu machen. "Was man da erlebt, ist wirklich einzigartig. Und es ist besser für unser Spiel, wenn Sam das nicht alles weiß", meinte Binstock noch beim Major in Hamburg, wo sie die erste Chance auf Rio verpassten.

Seine Erzählungen und Erlebnisse dürfte er aber mittlerweile nachgeholt haben, nachdem das kanadische Beach-Volleyball Duo bis zuletzt um einen Startplatz für Rio 2016 kämpfte und es erst am vergangenen Wochenende als letztes Team ins Startfeld schaffte. „Es war wundervoll diese Erfahrung einmal gemacht zu haben, und jetzt kehre ich mit Sam zurück, das ist großartig“, sagte Binstock, nachdem er mit seinem Partner in der Olympiaqualifikation wohl die meisten Nerven unter den Beach-Volleyball Athleten gelassen hatte.

Die Chance, sich einen der sechzehn Startplätze über die Weltrangliste zu erspielen, verpasste das Duo. Die Mexikaner Virgen/Ontiveros schnappten sich beim Major in Hamburg das letzte Ticket über diesen Weg, sie hatten letztendlich mehr als 400 Punkte Vorsprung vor den beiden Kanadiern. Die nächste Gelegenheit folgte beim Qualifikationsturnier des nordamerikanischen Verbandes (NORCECA), dort scheiterten sie aber im Finale des Ländervergleichs an Kuba. Durch den zweiten Platz sicherten sich aber ihren Platz beim World Continental Final in Sotschi, wo sich Team Kanada – das zweite Duo bildeten Grant O'Gorman und Sam Pedlow – den Rio-Spot doch noch erspielten.


Chiropraktiker Binstock fährt zum zweiten Mal zu Olympia

Um das zweite Team zu bestimmen, das neben den bereits qualifizierten Chaim Schalk/Ben Saxton in Rio antreten soll, ließ der kanadische Verband am vergangenen Wochenende Binstock/Schachter und O’Gorman/Pedlow gegeneinander spielen – in diesem Alles-oder-Nichts-Vergleich hatte der bereits olympiaerfahrene Binstock mit 2:1 (20:22, 17:21, 15:12) die Nase vorn. „Unsere Gegner haben großartig gespielt, aber unsere größere Erfahrung hat den Ausschlag gegeben,“ so Binstock. Vier Jahre zuvor qualifizierte er sich mit seinem damaligen Partner Martin Reader auf die gleiche Weise für die Olympischen Spiele in London, mit seinem um neun Jahre jüngeren Partner wiederholte er das Kunststück nun erneut.

Der 1,96 Meter große Blockspieler scheint das Komplizierte zu Lieben: Denn er ist nicht nur Beach-Volleyball-Profi, nebenbei praktiziert er auch noch als Chiropraktiker. Dieser Job füllt ihn vor allem in der Saisonpause aus. „Dann gehe ich morgens zum Training, fahre zur Arbeit und komme abends für eine zweite Einheit wieder“, erzählt Binstock. Acht Jahre hat er gebraucht, um sein Studium mit einem Bachelor zu beenden und seine Lizenz als Chiropraktiker zu erhalten, gerade weil er wie jetzt in der laufenden Saison für die FIVB World Tour ständig unterwegs ist. Aber auch da bekommt er oft mal was zu tun. „Die Spieler der Tour haben natürlich mitbekommen, was ich beruflich mache, da kommen ein paar Athleten im Laufe eines Turniers auch schon mal zu mir – aber nur, wenn sie nicht gegen mich spielen“, sagt er und lacht laut. Seine Fröhlichkeit und positive Ausstrahlung sind ansteckend, das und sein enormer Ehrgeiz haben ihn zu einem der besten kanadischen Beach-Volleyballer gemacht.


World Tour Final in Toronto

Ohnehin könnte das riesige Land mit seinen 35 Millionen Einwohnern demnächst einen Beach-Volleyball-Boom erleben. Erstmals in der Geschichte haben sich vier Beach-Volleyball Teams für die Olympischen Spiele qualifiziert, bei den Frauen ist der Qualitätssprung im Vergleich zu den Jahren zuvor besonders gut zu sehen: Bevor sich Heather Bansley/Sarah Pavan und Jamie Broder/Kristina Valijas souverän über die Weltrangliste qualifizierten, hatten es überhaupt erst zwei Teams vor ihnen (Malowney/Ouellette 1996 und Dumont/Martin 2004) zu Olympia geschafft.

Darüber hinaus haben die Organisatoren der Swatch Major Series heute bekanntgeben, dass das World Tour Final, dessen Austragungsort bislang streng geheim gehalten wurde, vom 13. bis 18. September in Toronto stattfinden wird. „Das freut mich riesig“, sagt Schachter, „und ich bin mir sicher, dass das Stadion richtig voll werden wird. Beach-Volleyball war bei den panamerikanischen Spielen schon eine der Hauptattraktionen.“ Dass das Turnier nach Kanada geht, zeigt bereits, dass die Beach Majors GmbH um CEO und Klagenfurt-Macher Hannes Jagerhofer eine Menge Potenzial in dem nordamerikanischen Land sehen. Bisher hatte der Sport in der Eishockey- und Lacrosse-verrückten Nation einen schweren Stand, die jüngsten Erfolge der Beach-Volleyballer und nun ein Turnier in dieser Größenordnung dürften die Begeisterung bei den Kanadiern entfachen.

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