Würdiger Abschied für Holtwick/Semmler

Deutsche Meisterschaft Timmendorf Strand

Noch mehr Tränen, und der Meeresspiegel wäre am Freitag in Timmendorfer Strand bedenklich angestiegen – die Beach-Volleyball-Gemeinschaft verabschiedet sich von zwei prägenden Athletinnen, die ihrem Sport über Jahrzehnte vieles untergeordnet haben.

Tränenreicher Abschied von Katrin Holtwick und Ilka Semmler

Minutenlang applaudierten die Zuschauer vor der Timmendorfer Seebrücke. Es war, als wollten sie die Protagonistinnen zu einer Zugabe animieren. Doch an dem über und über mit Menschen gefüllten Strandabschnitt vor Court zwei hatte gerade gar kein Konzert stattgefunden, sondern das letzte Spiel der Beach-Volleyball-Nationalspielerinnen Katrin Holtwick (32) und Ilka Semmler (31). Eine Zugabe wird es nicht geben, denn mit der dramatischen Niederlage gegen Melanie Gernert und Tatjana Zautys (21:16, 18:21, 18:20) und Platz sieben bei den Deutschen Meisterschaften beenden die beiden Athletinnen Ende des Jahres ihre beispiellose Karriere.

Melanie Gernert stand hinter Katrin Holtwick und konnte sich noch gar nicht so recht freuen über ihren Einzug ins Viertelfinale. Kurz zuvor hatte die Abwehrspielerin ihre Gegnerin Ilka Semmler beim Spielstand von 17:17 geblockt, zuvor waren es Gernerts Aufschläge gewesen, die den Rückstand von 11:14 auf 14:14 aufhoben. „Die Stimmung bei mir ist jetzt einfach ein bisschen gedrückt, weil ich die Zwei mag und immer gern mit ihnen trainiert habe“, sagt Gernert.

Wie ihr erging es auch anderen Zuschauern, Fans, Trainern und Spielern, die sich entweder verschämt die eine oder andere Träne aus den Augenwinkeln wischten oder den Gefühlen einfach freien Lauf ließen. „Ich hab schon Pippi in den Augen“, sagte Sebastian Fuchs. Thomas Kaczmarek suchte lieber das Weite. „Sonst muss ich auch weinen.“ Karla Borger stand im Raum der Physiotherapeuten und traute sich nicht heraus. „Ich kann doch jetzt nicht da hin gehen und selber weinen, wie kommt denn das an?“, fragte sie.


Respekt vor einer beispiellosen Karriere

Der Respekt vor der Leistung von Katrin Holtwick und Ilka Semmler ist allerorten groß. Zehn Jahre spielten sie gemeinsam in der internationalen Weltspitze mit, Holtwick hat 18 Jahre Beach-Volleyball hinter sich, Semmler 16. Seit 2009 sind die aus Mainz stammende Semmler und die aus Bocholt kommende Holtwick Nationalspielerinnen. Sie verlagerten ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin, und entwickelten sich unter der Hand von Trainer Andreas Künkler zu Weltklasse-Spielerinnen, die den Sport auch in der Medienwelt bekannter machten.

Sie setzten sich bei Stefan Raab auf die Couch, zeigten ihre hübschen Gesichter in vielen Talkshows und kreierten dabei eine Aufmerksamkeit für ihren Beach-Volleyball, wie es außer ihnen nur Olympiasiegern gelungen ist. Oft blieb ihnen das letzte Quäntchen, der ganz große Erfolg verwehrt, doch sie sind ganz oben im Spitzensport angekommen, und haben dort so lange eine tragende Rolle gespielt, wie außer ihnen kaum ein anderes Team. „Klar, wir haben keine Olympiamedaille, und ich hätte auch gern eine WM-Medaille gehabt, aber ich habe zum Beispiel immer davon geträumt, mal einen Grand Slam zu gewinnen und bei Olympia dabei zu sein“, sagt die WM-Vierte von 2015 Semmler. Beides ist ihnen unter Trainer Tilo Backhaus gelungen, der das Team 2014 von Künkler übernahm.


Keine Hochzeit mehr verpassen

„Die Zeit mit Andi Künkler, das war die Basis. Er und Lothar Linz haben uns erst einmal den Weg gezeigt, und auch, wie es im Profigeschäft läuft, mit Tilo ging es darum, aus der Basis noch mehr heraus zu kitzeln“, fasst Semmler zusammen. 

Unter den vielen Tränen, die an diesem Freitagabend in Timmendorf Strand flossen, mischte sich besonders bei ihr und Katrin Holtwick ein breites Lächeln. „Ich gehe beseelt“, sagte Holtwick, die mit einer Flasche Sekt im Sand stand. „Ich habe in meinem Freundeskreis in den vergangenen Jahren keine einzige Hochzeit miterlebt, und es gab einige“, sagte Semmler. Die berufliche Ausbildung, soziale Kontakte, alles musste für den Leistungssport zurückstehen. „Das sehen viele von außen nicht“, sagte Holtwick. 

Die Zuschauer, die sich am Freitagabend zu ihrem letzten Spiel in Timmendorf Strand eingefunden hatten, haben das gesehen. Sie jubelten mit ihnen, weinten mit ihnen, und bedankten sich mit einem langen Applaus für all die schönen Momente, die Katrin Holtwick und Ilka Semmler ihrem Sport geschenkt haben.

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