Yannick Harms im Sand - oder?

super cup Hamburg, 15.05. - 17.05.2015

Yannick Harms, 21 Jahre jung, 1,96 Meter lang, Außen-Annahme-Spieler in der Bundesliga, neues Gesicht auf der Tour, versucht sich dieses Jahr im Sand. Zu verdanken haben wir es Phillip Arne Bergmann, der ihn an seine Seite holte. Der supercup in Hamburg ist Yannicks Premiere auf der smart beach tour. Doch bleibt er im Sand?

Die Qual der Wahl

Halle oder Beach, Halle und Beach, das ist oftmals die Frage unter talentierten Volleyballathleten. Beides macht Spaß und doch sind es unterschiedliche Sportarten. Vorbei sind die Zeiten, wo gute Hallen-Spieler automatisch auch im Sand erfolgreich waren.

Nur wenige Ausnahmen gibt es im deutschen Volleyball-Sport, die sich sowohl im Sand als auf dem Parkett nicht nur wohl fühlen, sondern auch oben mitspielen und fast nach Belieben hin- und herswitchen können. Wer in der Szene kennt nicht die Hallen-Nationalspieler Björn Andrae und Marcus Popp, die 2009 in Timmendorfer Strand den in dem Jahr frisch gekürten Weltmeistern und späteren Olympiasiegern Julius Brink/Jonas Reckermann den Titel des Deutschen Meisters fast wegschnappten? Auch Sebastian Prüsener, Erstliga-Libero, gehört zu diesen Ausnahmen. Er stand schon im Halbfinale der Deutschen Meisterschaften 2007. Szene-Kenner erinnern sich gern an seinen Spielwitz und seine Spielfreude. Gleichzeitig gibt es einige Hallen-Größen wie Angelina Grün und Stefan Hübner, die es ebenfalls auf Sand probiert, aber den Wechsel doch nicht vollzogen haben.

Flexibilität ist gefragt

Unebener Untergrund, etwa acht Spiele in einer Woche, Outdoor-Bedingungen, kleines Team: Das sind einige der zahlreichen Parameter, die Beach-Volleyball vom Hallen-Volleyball unterscheiden. Diese Parameter haben auch zu Folge, dass eine andere Technik angewandt werden muss und dass der Sportler eine andere mentale Arbeit hat. Um nur einen technischen Aspekt zu erwähnen: Man schiebt beispielsweise nicht zuerst den Fußballen in den Sand, sondern die Ferse und rollt den Fuß ab. Damit verdichtet man unter dem Fuß den Sand schneller, erzeugt so eine stabile Plattform und kann sich auf die Weise kraftsparender über einen längeren Zeitraum bewegen. Diese stabile Plattform braucht ein Beach-Volleyballer bei jedem Spielelement, während ein Hallen-Volleyballer auch aus der Bewegung heraus im oberen Zuspiel z.B. den Ball spielen kann.

Mentalcoach Bernhard Wagner nennt drei wichtige Punkte, die ein "Beacher" im mentalen Bereich haben muss:

1. Flexibilität: der Athlet muss in der Lage sein, sich sowohl auf unterschiedliche Trainingsorte und -zeiten einzustellen als auch an unterschiedliche Gegebenheiten im Spiel (Wind, Sonne...). Auch was die finanzielle Situation angeht, muss ein Beacher flexibel reagieren können, denn es gibt keinen Vertrag, wie in der Halle, in dem alles geregelt ist. Ein Beacher überprüft, wo er evtl. Fördergelder oder Sponsoren kriegt und muss es auch aushalten, wenn mal Ebbe im Etat ist.

2. Eigenverantwortlichkeit: hohe Eigendisziplin ist gefragt. Training selbst organisieren, Fahrten zu Turnieren, Trainingspartner einladen, Trainingslager planen etc.

3. Hohe Stresstoleranz: Im Spiel kannst du nicht ausgewechselt werden. Egal, wie es dir geht, musst du mit dem Druck fertig werden oder es aushalten, in jeder Situation angespielt zu werden.

"Es gibt unterschiedliche Wege, mit der Umstellung von Halle auf Sand umzugehen", sagt Wagner, "einige davon sind, dass man sich von vorn herein einen Experten an die Seite holt und mit ihm herausarbeitet, welche inneren Anteile gern im Sand spielen wollen und was sie dafür brauchen - wie z.B. soziales Umfeld. Diese Arbeitsweise kann ganz tief gehen - bis zum Selbstwertgefühl als Beach-Volleyballer. Dabei kann es zu Persönlichkeitsentwicklung kommen. Man kann aber auch einfach anfangen und es ausprobieren."

Studieren geht über Probieren

"Einfach ausprobieren", das dachte sich auch Yannick Harms. Faktoren, an denen er den Erfolg festmacht, hat er nicht bestimmt. Sicher ist jedoch, dass die Chancen für den 21-jährigen Yannick Harms, im Sand anzukommen, gut stehen. Erfahrene Trainer bescheinigen ihm sehr gute Anlagen. "Phänomenaler Armzug", sagt Kersten Holthausen, Ergänzungstrainer im Team Dollinger/Wickler und Haupttrainer bei Mersmann/Schneider. Auch Nachwuchsbundestrainer Jörg Ahmann empfahl Yannick Harms als neuen Partner für Phillip Arne Bergmann.

Kein Wunder. Nicht ohne Grund war Yannick bei dem Rekordmeister VfB Friedrichshafen unter Vertrag und genoss die Erfahrung, mit Top-Profis auf höchstem Niveau zu trainieren und von Erfolgtrainer Stelian Moculescu wertvolle Tipps zu bekommen. Anschließend kam er beim CV Mitteldeutschland unter Vertrag. Dort kann er mehr Spielerfahrung sammeln. Schließlich lockten ihn das Angebot von Phillip Bergmann und die Aussicht auf internationale Wettkämpfe in den Sand. "Mit der Hallen-Nationalmannschaft international zu spielen ist für mich nicht realistisch", gibt Yannick zu.

Große Pläne hegt er also, auch wenn er zu schüchtern ist, um das so deutlich zu sagen. Bescheiden sagt er: "Ich stecke noch zu wenig drin, als dass ich es beurteilen könnte, wie die Chancen stehen." Was er sicher weiß, ist dass ihm die Spielweise im Beach-Volleyball liegt: "Da ist man freier, eine eigene taktische Schiene zu fahren, zu antizipieren. Das entspricht mir mehr und macht den Reiz für mich aus." Und dennoch: "Ungern möchte ich Halle ganz aufgeben."

Das Leben ist auf seiner Seite

Ganz unerfahren im Sand ist Yannick nicht. Er wurde 2010 Deutscher U17-Vizemeister. Bei der U20-DM 2013 wurde er Neunter. Und nun, nach einer ersten gemeinsamen Vorbereitung mit Phillip Arne Bergmann am Olympiastützpunkt in Stuttgart mit Jörg Ahmann, holte das neue Duo promt den Turniersieg beim Top-Ten in Hannover. "Ich muss es einfach im Sand ausprobieren", erklärt Yannick, "generell fühle ich mich wohl im Sand. Natürlich gibt es noch viele Dinge, an denen ich arbeiten muss, aber ich bin zuversichtlich."

Im Juni soll eine erste Zwischenbilanz erfolgen. Nach der Saison will er überprüfen, wie erfolgreich das für ihn war und wie die Perspektive aussieht bevor er sich endgültig für Halle oder Sand entscheidet. Das Leben jedenfalls scheint seine unbeschwerte Art zu unterstützen: Er kommt um die Hamburger Qualifikation als Nachrücker für Fuchs/Kaczmarek herum und darf am morgigen Samstag im Hauptfeld aufschlagen.

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