Zwei Hallodri-Typen wandeln sich zu Deutschen Meistern

Deutsche Meisterschaft 2019

Bei der Deutschen Meisterschaft der Männer wurde wieder Geschichte geschrieben: Das Meister-Team Poniewaz/Poniewaz freut sich über Pappnasen und hat alles rausgerotzt, dazu gab es einen historischen Spielabbruch wegen Dunkelheit.

Rakete gezündet, aber die letzten Feierkörner fehlten

Wer die Techniker Beach Tour 2019 verfolgt hat, der wird ein Bild mit in die Winterpause nehmen: Am Ende jubelten stets Bennet und David Poniewaz, sie wälzten sich im Sand, sie lagen platt und ausgelaugt mitten auf dem Feld, sie rannten wie von der Tarantel gestochen durch die Arenen der nationalen Beach-Volleyball-Serie. So war es auch am Sonntagnachmittag in der Ahmann-Hager-Arena an der Seebrücke in Timmendorfer Strand. Schon nach dem Halbfinale hatten sie gemeinsam eine ihrer in schwarz gekleideten Fangemeinschaften abgeklatscht: „Mit diesen Pappnasen haben wir angefangen Volleyball zu spielen, die sind jedes Jahr hier, saufen sich die Hucke voll und feuern uns an”, so Bennet Poniewaz.

Nach dem Finale wollten sie die nächste Rakete zünden, aber der Jubel war nicht ganz so ungestüm. Es fehlten die letzten Körner, außerdem war es noch nicht ganz im Kopf angekommen, dass sie es tatsächlich geschafft haben. Bennet und David Poniewaz dürfen sich nach dem 2:1 (21:14, 19:21, 15:9) gegen Jonathan Erdmann und Sven Winter Deutscher Meister 2019 nennen.

Vor sechs Jahren standen die Poniewaz-Zwillinge erstmals in der DM-Teilnehmerliste: 13, 9, 7, 4, 7, 9 und nun die glatte 1 – wenn das keine Steigerung ist. Frank Mackerodt, Tourorganisator, gehörte zu den ersten Gratulanten und tat das mit Tränen in den Augen: „Wenn einer das verdient, dann auf jeden Fall die beiden.” Die Schüttorfer Zwillinge gehören zu den treuesten Seelen der ranghöchsten Serie und haben ihr in diesem Sommer mehr als einen Stempel aufgedrückt, sie haben sie geprägt.

Dieses Jahr haben sie vieles anders gemacht

Immer wieder wurden sie gefragt, was sie so stark macht. Immer wieder war es die gleiche Antwort: „Wir wissen es auch nicht.” Ab und an blitzten dann doch Erklärungsversuche auf: „Wir sind älter und gelassener geworden, wir sehen manches nicht mehr so ehrgeizig verbissen wie früher”, sagt David. In der Vergangenheit galten sie als ungestüme Haudraufs und Hallodri-Typen, deren taktische Disziplin nicht zu den stärksten Elementen zählt. Bennet Poniewaz sagt: „Die Jahre davor haben wir immer sehr viel trainiert, und wir wollten dann auch unbedingt, dass alles gut klappt.”

Dieses Jahr haben sie vieles anders gemacht: „Wir haben Hallenvolleyball mit dem FC Schüttorf gespielt, haben vor der Sandsaison mal kein Trainingslager gemacht. Jetzt ist vieles entspannter, und wenn Du erst mal im Flow bist und merkst, dass es auch so gut läuft, dann bist Du mehr angefixt, weil Du wieder den Spaß gefunden hast.”

Beach-Volleyball ist ihnen nach wie vor sehr wichtig, sagt David, „aber es bedeutet uns nicht mehr alles im Leben.” Aber die unglaubliche Siegesserie vor der DM hat die 26-Jährigen mit starkem Rückenwind und breiter Brust antreten lassen. „Gegen Erdmann/Winter haben wir immer spannende und schwere Spiele gehabt”, sagt er. Aber das DM-Finale setzte noch einmal frische Kräfte frei, oder, wie es Bennet mit den für sie typischen ehrlichen und bodenständigen Worten beschreibt: „Wir haben da alles rausgerotzt, was geht. Wir wollten es einfach durchziehen mit Herz und Kopf und Kraft.”

Erdmann/Winter: Silber und eine gemeinsame Zukunft?

Die Kraft fehlte am Ende ihren Konkurrenten. Jonathan Erdmann musste im Tiebreak ein Medical Timeout nehmen, der linke Oberschenkel spielte nicht mehr richtig mit. Trotzdem dürfen Erdmann/Winter, die ja eher eine zufällige Teamlösung waren, auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Bei der WM in Hamburg waren sie erstmals aufgetreten, nun holten sie sich Silber bei den Deutschen Titelkämpfen.

Ob es eine gemeinsame Zukunft geben wird, steht weiter in den Sternen. Winter hatte die Saison mit dem verletzten Alexander Walkenhorst begonnen und nun mit Erdmann beendet. DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand kündigt an, Gespräche führen zu wollen: „Ich werde Sven fragen, bei wem er sich besser aufgehoben fühlt und mit wem er eine bessere Leistung bringen kann.” Schon bei der WM habe er ihnen empfohlen, „doch bis Saisonende auf jeden Fall zusammen zu spielen.”

Novum Spielabbruch: Die Diskussionen hallen nach

Eins haben die „Poniewaze” und „Joni und Sven” gemeinsam: Sie haben in Timmendorf alle Nationalteams hinter sich gelassen. Die haben zudem für anderen Gesprächsstoff gesorgt, wie etwa am Vorabend des Finaltags, als das Viertelfinale zwischen Thole/Wickler und Bergmann/Harms wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste.

Anschließend gab es noch am Samstag stundenlange Diskussionen. Aber alle Beteiligten, Manager, Trainer, Funktionäre, Ausrichter, Organisatoren hatten am Ende einen gemeinsamen Nenner gefunden. Um 23 Uhr stand fest, dass das Viertelfinale zwischen Thole/Wickler und Bergmann/Harms nicht stattfinden wird. Die Partie war angesetzt für sieben Uhr morgens, mit der Absage durften die Spieler, Schiedsrichter, Ballkinder und Aufbaucrew alle etwas länger im Bett bleiben.

Jürgen Wagner, Trainer der Vize-Weltmeister, hatte seine Position nachdrücklich vertreten: „Als Trainer bin ich auch für die Gesundheit und Zukunft der Jungs verantwortlich. Julius hätte sich angesichts seiner muskulären Probleme, und die sind unstrittig vorhanden, keinen Gefallen getan. Wir mussten auf eine Absage drängen.”

Die Entscheidung des Teams und auch der Abbruch der Partie wegen Einbruch der Dunkelheit bleiben historisch. Das hat es in 27 Jahren DM-Geschichte noch nie gegeben. Abgezeichnet hatte es sich bereits bei 7:5-Führung der Vizeweltmeister Thole/Wickler im Tiebreak. „Da kam vom Team Bergmann/Harms die erste Nachfrage, ob es nicht langsam zu dunkel sei, um spielen zu können”, sagte DVV-Turnierdirektor Rüdiger Sauer. Bis 14:13 für die Rattenfänger wurde noch versucht, dem ganzen ein sportliches Ende zu geben, doch dann übernahmen die Durchführungsbestimmungen das Geschehen. Absage, Neuansetzung, wieder Absage und schließlich standen Bergmann/Harms kampflos im Halbfinale.

Markus Dieckmann, ebenfalls im Trainerteam Thole/Wickler, fand auch klare Worte zu dem Thema bei den Kollegen von ran.de: „Es war eine lange und erfolgreiche Saison, beide hatten Bock hier zu spielen. Beide sind aber nicht in einem optimalen körperlichen Zustand. Am Ende ist es ein Desaster, was die Organisatoren hier veranstaltet haben. Es wird zu einem Zeitpunkt angefangen, wo allen klar war, dass es nicht unter normalen Bedingungen beendet werden kann. Das zählt für beide Teams, macht die Bedingungen aber nicht regulär. Die Athleten sind Opfer der Entscheidungen, die andere verbockt haben. Die Entscheidung abzusagen, ist eindeutig von uns, unserem Physio und Athletiktrainer gekommen. Die Aussage unseres Athletiktrainers war, dass sie im zweiten oder vierten Satz sterben werden. In vier Tagen ist ein Five-Star-Turnier (in Rom, Anm. d. Red.), das drittwichtigste Turnier des Jahres auf dem Weg zu Olympia. Und da musst du eine Entscheidung treffen.”

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