Ein Widersehen mit Jonas Reckermann


Privatperson Jonas Reckermann Fehlanzeige

Jonas Reckermann weiß, was er will (Foto: fivb)

Jonas Reckermann baut für seinen einjährigen Sohn Emil einen Turm aus Bausteinen, der Kleene wirft den Turm um, lacht lauthals als sein Papa plötzlich aufspringt und ihn dafür durchkitzelt – solche Vorstellungen, die wir vielleicht von dem Olympiasieger nun nach seiner sportlichen Karriere haben mögen, können wir uns beruhigt wieder aus dem Kopf streichen.

"Alles, was mit meinem Sohn zu tun hat, darüber möchte ich nicht sprechen", sagt Jonas freundlich, aber bestimmt. Jonas Reckermann als Privatperson kriegt man kaum zu fassen, und das ist auch so gewollt. "Ich habe es schon immer so gehandhabt, das Private und Öffentliche zu trennen. Alles, was mit Beach-Volleyball zu tun hat, ist nun mal öffentlich. Mein Privatleben halte ich da heraus", erklärt Jonas.

Alles andere würde ehrlich gesagt auch überraschen. Jonas Reckermann erlebt man sowohl als Athleten als auch als Interviewpartner höchst professionell. "Klar und konsequent" (Lothar Linz, Teampsychologe), "Geradlinig, ehrlich, schnörkellos" (Felix Meininghaus, Redakteur Volleyball Magazin), "zielgerichtet, konzentriert, intelligent" (David Klemperer, Ex-Nationalspieler) – so wurde Jonas` Art, seine Karriere zu verfolgen, beschrieben (gegenüber dem DVV). Manch einem Konkurrenten mag diese Konsequenz nicht immer geschmeckt haben, doch dass diese Strategie für ihn genau die Richtige ist, zeigt sich mehr als deutlich in seiner langen Erfolgsliste. Auch nach dem Karriereende. 

 


Die Anfänge: Von der Volleyball-AG zum U23-EM-Titel

Jonas Reckermann als Hallen-Spieler (Foto: privat)

Jonas Reckermann, ein Mann der großen Erfolge: Weltmeister 2009, Olympiasieger 2012, vierfacher Europameister, fünffacher Deutscher Meister. Er hat die Beach-Volleyball-Entwicklung entscheidend mitgeprägt. Dabei ist der Wahl-Kölner erst 34 Jahre jung. Bei so viel gerechtfertigten Glanz denkt man wohl kaum noch daran, dass selbst auch diese große Karriere klein angefangen hat. Mit einem "Klassiker".

Kooperationen "Schule und Verein" werden sich über den folgenden Satz des Olympiasiegers freuen und sich in ihrer Arbeit bestätigt fühlen: "Ich habe zuerst Leichtathletik und Fußball gemacht, aber irgendwann hat mich mein Bruder zu einer Volleyball-AG an der Schule mitgenommen." Ihm gefiel der Mannschaftsgedanke, das gemeinsame Reisen. "Alle meine Freunde waren dabei, das war klasse", so Reckermann.

Volleyball lag ihm einfach: Jonas kletterte stetig höher in den Leistungsklassen des Volleyballsports, spielte bald in der Verbandsliga des TV Jahn Rheine und kurz darauf, von 1997 bis 2001, schmetterte er auch in der 2. Bundesliga beim USC Münster und in der 1. Bundesliga bei SV Bayer Wuppertal. Dann entdeckte der zwei-Meter-Mann Beach-Volleyball für sich – wie durch Zufall. "David Klemperer hatte mich gefragt, ob ich mit ihm die U23-Europameisterschaft spielen möchte, und ich habe ja gesagt", erzählt Jonas. Das war im Jahr 2000 in Italien und das Interimsduo holte auf Anhieb die Goldmedaille. Da war Jonas erst 21 und hatte erst zwei Jahre Beach-Volleyball-Erfahrung.

 


Traum und Ziel: Olympia

Die ersten großen Schritte kamen mit Markus Dieckmann (Foto: fivb)

"Ich habe viele Sportarten betrieben, aber dass ich mich für Beach-Volleyball entschieden habe, ist tatsächlich dem olympischen Traum geschuldet", sagt Jonas Reckermann. Er beschreibt weiter: "Ich war ŽnurŽ Hallen-Bundesligaspieler und hätte das wohl auch weiter gemacht, aber dann kam das Angebot von Markus Dieckmann. Da war der Olympische Traum zum Greifen nah. Zudem passt Beach-Volleyball besser zu mir. Da hat man selber mehr Steuerungsmöglichkeiten, das liegt mir mehr."

Mit Markus Dieckmann, dem zu dem Zeitpunkt bereits etablierten und erfahrenen Abwehrexperten, an seiner Seite, ließen die Erfolge nicht lange auf sich warten. Einige Höhepunkte dieser Liaison (2001-2005) waren der Europameistertitel 2002 sowie Siege auf der World Tour 2004 in Rio de Janeiro und Berlin. Und: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen 2004. Auch wenn hier bereits im Achtelfinale für das Duo Dieckmann/Reckermann Schluss war, war JonasŽ Traum von Olympia bereits nach kurzer Zeit erfüllt. 

 


Die Erfolgsstory

Jonas und Julius feiern den Olympiasieg (Foto: fivb)

Nach einem Intermezzo mit Mischa Urbatzka und einer knapp verpassten Olympia-Teilnahme 2008 in Peking begann die unglaubliche Erfolgsstory, die inzwischen fast jeder kennt und die durch nahezu alle Medien ging. Mit einem hochkarätigen, kompetenten und akribisch arbeitenden Team um sich (Jürgen Wagner, Hans Voigt, Markus Dieckmann) beeindruckten Jonas und Julius die Konkurrenz, Zuschauer und Medien gleichermaßen. Ausgeklügelte Taktik und eine hohe Variabilität in allen technischen Elementen waren die Grundelemente der Marke Brink/Reckermann. Beach-Volleyball auf höchstem Niveau und das alles ohne großen Aufsehens, dafür mit stoischer Ruhe. Und so schrieben sich Brink/Reckermann in die Geschichtsbücher: Weltmeister, FIVB Tour Champion, FIVB Team des Jahres (2009), WM-Dritter 2011, Europameister (2011, 2012), deutscher Meister (2009, 2010, 2011). Und schließlich der größte Triumph: Als erste Europäer gewinnen Brink/Reckermann Gold im Beach-Volleyball bei den Olympischen Spielen in London.

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Die ganze Zeit genossen

Jonas hat seine gesamte Karriere genossen (Foto: fivb)

Jonas Reckermann lässt sich als professioneller Interviewpartner nicht dazu hinreißen, eine bestimmte Phase seiner Karriere hervorzuheben oder einen "Lieblingspartner" zu küren. "Ich habe die ganze Zeit genossen", sagt Jonas, "bei der U23-EM habe ich mich nicht viel weniger gefreut als bei dem Olympiasieg. Ich habe auch sehr gern trainiert. Ich habe einfach das, was ich mache, geliebt, es hat mir Spaß gemacht." Ob das das Erfolgsrezept ist? "Mag sein, dass es Beispiele gibt, wo es auch anders ist, aber ohne eine gewisse Begeisterung funktioniert das Ganze nicht", so Reckermann.

Das berühmt berüchtigte Tief nach solch einer großen sportlichen Laufbahn blieb bei Jonas aus. "Dafür hatte ich keine Zeit", meint Jonas, "während der Karriere musste ich auch auf andere Dinge verzichten, z.B. einfach zu Hause sein, Hobbys, andere Sportarten. Jetzt freue ich mich, dass ich das nachholen kann. Außerdem sind sofort neue Herausforderungen auf mich zugekommen. Ich habe mein Examen vorgezogen und musste nach meinem Karriereende erst einmal komplett am Schreibtisch 'ranklotzen." 

 


Die neuen Herausforderungen

Jonas Reckermann in der Welt der Promis angekommen

Wie im Sand ist Jonas auch im Leben nach dem Sport variabel und zeigt ein breitgefächertes Repertoire an Handlungsmöglichkeiten. "Ich wollte mich nicht gleich in einen Fünf-Tages-Job stürzen und mich nur einer Sache widmen", so Jonas, "noch schaue ich links und rechts, die Spezialisierung kommt später. Es ist abwechslungsreich und macht Spaß." Sein Lehramtsstudium hat er abgeschlossen, hat damit also einen sicheren Boden und kann sich nun in aller Ruhe umschauen. 

Es würde den Rahmen sprengen, alle Projekte des Olympiasiegers vollständig aufzulisten. Er hat seine Fühler weit gestreut. "Ich habe mit Beach-Volleyball nicht ausgesorgt und muss noch ein wenig arbeiten", so Jonas.

 

 


Jonas mit viel Medienpräsenz

Jonas Reckermann als Fernseh-Experte und Co-Kommentator weiterhin dabei

Jonas Reckermann werden wir wie vergangenes Jahr auch in diesem Jahr als Fernseh-Experte und Co-Kommentator bei Sky erleben. "Das war durchaus sehr intensiv", resümiert Jonas seinen Einstand beim Fernsehen im Jahr 2013, "ich habe erlebt, wie Fernsehen gemacht wird, die ganzen Abläufe, Vorbereitungen. Ich war richtig platt, also nicht viel anders als früher beim Turnier." Zur Zeit sei es auch bei Sky etwas ruhiger: "Wir hatten bereits unser Kick-Off-Meeting, haben zurückgeblickt und auf das neue Jahr geschaut. Im Winter ist es dennoch um Beach-Volleyball ruhiger, so ist auch bei Sky das Tempo eher gemächlicher. Bald werden wir aber an Fahrt aufnehmen."

 

In der Öffentlichkeit ist Jonas Reckermann weiterhin ein gefragter Mann. Sei es beim Turmspringen und Poker-Turnier von Stefan Raab, bei der José Carreras Gala oder jüngst bei der großen Kampagne des GQ-Magazins gegen die Homophobie (beach-volleyball.de berichtete). "Ich war doch sehr überrascht, wie große Wellen die Kampagne geschlagen hat. Da haben wir wohl den Nerv getroffen. Viele Menschen finden dieses Thema wichtig", sagt Jonas.

 

 


Vielseitig auch nach dem Sport

Smoking statt Shirt und Shorts braucht Jonas nun immer öfter

Jonas Reckermann ist zudem als Markenbotschafter für smart und Camp David unterwegs und hat diverse Projekte, die er mit Julius Brink macht. Eines von zahlreichen Projekten der beiden Erfolgsathleten ist es, in Vorträgen und Podiumsdiskussionen ihr Wissen und ihre Erfahrungen z.B. zum Thema "Mit Unterschiedlichkeit gemeinsam erfolgreich sein" weiterzugeben.

Die Zeit nach dem Leistungssport nutzt nun Jonas auch, um seine vor drei Jahren gegründete Firma auszuweiten. Mit Martin Kern, ein in der Beach-Szene bekannter Name, will er die eigene Firma mehr in Richtung Incentives lenken und Events und Erlebnisreisen mit sportlichem Hintergrund anbieten. 

Was ihn zu einem erfolgreichen Unternehmer macht? Soweit wollte er sich nun doch nicht aus dem Fenster lehnen. "So weit bin ich noch nicht, um mich als einen erfolgreichen Unternehmer zu bezeichnen", sagt Jonas, "es ist aber wohl ratsam, bereits während des Sports dem Kopf auch etwas anderes zu gönnen. Es ist gut, frühzeitig in ein-zwei Dinge hineinzuschnuppern, um aus der Käseglocke Sport herauszukommen – auch für den sportlichen Erfolg übrigens – und um den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren."

 


"Ich arbeite viel von Zuhause"

Jetzt wird Jonas wohl so mit seinem Sohn Emil toben (Foto: fivb)

Bleibt bei so viel Action überhaupt Zeit für seine Frau Katja und seinen Sohn Emil? "Ich bin für diese Projekte in der Regel nie länger als ein-zwei Tage am Stück unterwegs. Damit ist das Reisebedürfnis gedeckt und auch mein Bedürfnis, zu Hause zu sein", so Jonas, der zu seiner aktiven Sportlerzeit lediglich 100 Tage in seiner Wahl-Heimatstadt Köln verbrachte und im Sommer nicht mal Zeit fürs Grillen hatte, "ich arbeite viel von Zuhause und habe genug Zeit, etwas mit meinem Sohn zu machen, habe aber auch gut zu tun und langweile mich nicht als Hausmann. Außerdem bauen wir gerade ein Haus. Da gibt es auch jede Menge zu tun."


Die Marke Reckermann existiert weiter

Jonas Reckermann nutzt seinen wohlverdienten Bekanntheitsgrad mit Bedacht

Klar und konsequent hat Jonas seine Karriere bestritten, klar und konsequent ist er mit seinem Rücktritt umgegangen (Zitat Teampsychologe Lothar Linz), klar und konsequent erleben wir ihn nun auch mit seinem Leben nach der großen Sportkarriere: Familie gegründet, Examen vorgezogen, überall seine Fühler ausgestreckt.

Er analysiert das Umfeld und die Möglichkeiten, bevor er sich festlegt, er hat eine hohe Medienpräsenz, arbeitet beim Beach-Volleyball übertragenden TV-Sender Sky, wo er ebenfalls bei der Entwicklung dieses Sport mitwirken kann, er treibt eigene Projekte und Firma voran. J

onas Reckermann bleibt also auch nach der aktiven Karriere ein anerkannter Botschafter des Beach-Volleyball-Sports. "Marke Jonas Reckermann" lebt weiter.

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