Ein Wiedersehen mit Thorsten Schoen

...auf der deutschen Tour mit Jan-Erik Gatzke

"Ich war nie ein Profi"

 

Eigentlich wollte er das alles gar nicht. "Ich war vom Kopf her noch nie Profi, ich hatte nie den Drang dazu", sagt der 36-jährige Thorsten Schoen. Und dann kam Marvin Polte, der es schaffte, Thorsten dazu zu bringen, zwei Jahre lang den Sport intensiver zu betreiben. Dieses kurze Zeitfenster reichte dennoch aus, um sich in der deutschen und internationalen Beach-Szene unvergessen zu machen.

 

Acht Jahre lang (1996-2004) spielte der 1,98 Meter große Blockspieler mit seinem Kumpel Jan-Erik Gatzke auf der deutschen und niedersächsischen Tour recht erfolgreich. Gatzke/Schoen kamen oft ins Halbfinale bei den Masters und den Cups und wurden mehrmals niedersächsischer Landesmeister. Doch für "Torte" war das alles einfach nur Spaß: "Schon mit Mitte zwanzig hätte ich Profi werden können, mir lagen etliche Angebote aus der Bundesliga vor, aber ich wollte das einfach nicht." Dem Mann mit den "Krakenarmen" waren Familie und Beruf einfach wichtiger. Doch dann kam Marvin Polte und brachte sein ruhiges Leben etwas durcheinander.

 

 

Das Märchen von Berlin

Torte im Rausch

 

"Als sein damaliger Partner Tom Hikel aufgehört hat, fragte Marvin mich, ob wir zusammen spielen wollten. Ich habe das mit 'Janne' besprochen, und er hatte nichts dagegen", erzählt Torte. So spielten 2005 Marvin und Torte die deutsche Tour, und dann kam das achte Turnier – die Weltmeisterschaft in Berlin. "Ich wollte da gar nicht hinfahren, wir waren Dritter in der Nachrückerliste", erinnert sich Thorsten. Er ließ sich jedoch von Marvin überreden, der optimistisch war: "Vielleicht rutschen wir noch rein, vielleicht kommen die Amis nicht." Torte, Investmentbanker bei der Sparkasse Nordhorn, nahm sich einen Tag frei und dachte sich: "Selbst wenn wir nachrücken, spielen wir ein Spiel und das warŽs." Und tatsächlich konnten Polte/Schoen nachrücken und bei der WM dabei sein, aber es blieb nicht nur bei einem Spiel. Torte und Marvin spielten sich in einen Rausch. An 43 gesetzt marschierten sie ungeschlagen ins Halbfinale. "Das war schon lustig", erzählt Torte, "Jeden Tag rief ich meinen Chef an und sagte 'Chef, nur noch einen Tag bitte'. Am vierten Turniertag rief aber mein Chef mich an, nachdem er die RTL-Übertragungen gesehen hatte und sagte 'Urlaub ist genehmigt, kommen Sie am Montag wieder'."

 

...die Verletzung

 

Vor dem Halbfinalspiel holte sich Torte einen Muskelfaserriss im Oberschenkel, ließ sich jedoch nicht davon abbringen, weiter zu spielen. "10.000 Leute warteten darauf, dass wir spielten, da wollte ich sie nicht enttäuschen", so Torte. Dann kam die erste Niederlage für das deutsche Überraschungsduo. Die Brasilianer Marcio Araujo/de Jesus Magalhães waren stärker. Auch das kleine Finale verloren Polte/Schoen. Julius Brink/Kjell Schneider konnten sich in drei Sätzen durchsetzen. "Leute fragen mich immer noch, was gewesen wäre, wenn ich nicht verletzt gewesen wäre. Ich weiß es einfach nicht", so Torte, der immer noch gerne an dieses Turnier zurückdenkt. "Ich war körperlich überhaupt nicht auf diese Anstrengungen vorbereitet, ich hatte vorher nur ein Mal in der Woche trainiert", erzählt Schoen.

 

Torte, der MVP

 

Die hervorragende Platzierung war nur ein Highlight des Turniers. "Es gibt ganz viele kleine Geschichten", erinnert sich Torte, "Es war z.B. unglaublich, wie mir die 10.000 Zuschauer vor dem Halbfinale ein Geburtstagsständchen gesungen haben. Oder wie Jörg Ahmann meinem Vater doch eine Karte für den ausverkauften Centre Court besorgt hatte, und dann ist mein Vater nach Berlin gefahren. Und wie ich den FIVB-Organisatoren versucht habe zu erklären, dass ich als Vierter bei einer Siegerehrung nichts zu suchen hatte, aber doch hin musste und jetzt habe ich einen Pokal auf dem steht 'Most Valuable Player of the World Championship'. Es war einfach sensationell!"

 

 

"Torte" bleibt bodenständig

 

Dieser großartige Erfolg änderte trotzdem nicht Tortes Einstellung zum Profi-Sport, auch wenn er nach der WM ein halbes Jahr als Profi gelebt hat. "Ich wollte die acht Turniere spielen, um die Kriterien für den Bonus Pool zu erfüllen und das volle Preisgeld zu bekommen, das war alles", so Torte, der von der Sparkasse Nordhorn für diese Zeit beurlaubt wurde, "Mit damals 34 Jahren fange ich doch nicht an, ein Profi zu sein. Ich weiß, dass andere mit solch einer großen Chance anders umgegangen wären, aber der Sport war noch nie für mich das Allerwichtigste." Es sei sehr zufrieden stellend gewesen, dass er es mit Marvin in dem halben Jahr immer ins Hauptfeld der FIVB-Turniere geschafft und einige gute Ergebnisse erzielt hätten. "Es war einfach unglaublich, sich jedes Wochenende mit den besten Teams der Welt zu messen. Wir haben gesehen, dass wir zu der erweiterten Weltspitze gehören konnten, und das war sehr zufrieden stellend."

 

Nur noch ein Jahr

 

Ein Jahr hängte der Bankier noch dran und spielte die Saison 2006 mit Marvin auf deutschem Boden. Und wieder machte er Furore. Diesmal in Timmendorfer Strand bei der Deutschen Meisterschaft. "Meine Frau war schwanger, aber das Baby sollte erst viel später kommen. Doch am Samstagabend, vor unserem Viertelfinalspiel, war ihre Fruchtblase geplatzt und wir mussten ins Krankenhaus", berichtet Torte. "Am nächsten Tag kurz vor elf Uhr kam unsere Tochter Lina zur Welt und ich rief Marvin an, der sich für unser Viertelfinalspiel, das um 11 Uhr angepfiffen werden sollte, warm machte. Ich erzählte ihm von Lina, wusste aber nicht, dass Marvin nichts Besseres zu tun hatte, als das Handy ins Mikrofon zu halten, so dass ich unwissentlich den 3000 Zuschauern von der Geburt meiner Tochter erzählte. Das war unglaublich! Lina wird in ein paar Jahren das Video und die Zeitungsausschnitte bekommen, damit sie weiß, warum sie gerade in Timmendorfer Strand und nicht einfach hier in Schüttorf auf die Welt kam."

 

...Tortes Familienglück

Nach diesem kurzen aber sehr intensiven und erfolgreichen Einsatz im Profi-Sport widmete sich Torte wieder ganz der Familie und dem Beruf. "Ich habe keine Lust, dass meine Familie alleine zu Hause herum hockt, während ich irgendwo in München Beach-Volleyball spiele", so der familiäre Thorsten Schoen. Ganz ohne das runde Leder geht es jedoch nicht. Ab und zu fährt er als Beach-Trainer in die Türkei und vermittelt dort den Beach-Volleyball begeisterten Urlaubern die Sand-Sportart. Natürlich sind seine Frau Silke und Tochter Lina auch dabei. Zudem spielt er in der Regionalligamannschaft, die überwiegend aus seinen Kumpels besteht, und hilft so dem FC Schüttorf, in der dritthöchsten Liga zu bleiben. "Wir sind eine Truppe, die früher mal 1. und 2. Bundesliga gespielt hat, aber wir haben alle Familien und wollen eigentlich nicht so viel unterwegs sein. Nach dieser Saison ist wieder Schluss. Dann müssen unsere jungen Spieler aus der Oberliga wieder 'ran." Doch zunächst wird Weihnachten ganz idyllisch gefeiert: im gemütlichen Häuschen mit Family und Hund.

 

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